VonJohannes Nußschließen
Die Inflationsrate in Deutschland steigt und steigt. Im August 2022 lag sie im Schnitt bei 8 Prozent in Niedersachsen. Besonders teuer: Speise- und Heizöl.
Hannover – Wo führt das noch hin mit den Verbraucherpreisen in Niedersachsen und Deutschland? Jeder einzelne Artikel im Supermarkt und auch sonstige Güter des täglichen Lebens wie Gas, Strom, Benzin oder Öl kennen preislich derzeit nur eine Richtung – und die heißt: steil nach oben. Laut der neuesten Mitteilung des Landesamts für Statistik in Hannover lag die Teuerungsrate im Vergleich zum August 2021 in Niedersachsen bei 8 Prozent. Doch das ist nur der Schnitt. In manchen Bereichen ist die Kostensteigerung schier unglaublich. So kosten Speise- und Heizöl im Vergleich zum Vorjahresmonat über 100 Prozent mehr. Im Juli lag die Inflationsrate bei 7,6 Prozent.
Inflation in Niedersachsen und Deutschland explodiert: Heiz- und Speiseöl 100 Prozent teurer als 2021
Eines der ersten Opfer der schier unglaublichen Energiekosten ist die Bäckerei Speckmann in Wehrbleck (Landkreis Diepholz). Da Bäcker Speckmann statt 1,56 Cent nun 17,67 Cent für die Kilowattstunde Gas bezahlen soll, hat er kurzerhand das Geschäft dicht gemacht. Um das ganze zu überleben und um seine Angestellten weiter bezahlen zu können, hätte er monatlich 16 .666 Brötchen zum Preis von 45 Cent zusätzlich verkaufen müssen. Um wenigstens bei den Bürgerinnen und Bürgern den Inflationsschock abzumildern, will die Ampelregierung in Berlin gerade ein drittes Entlastungspaket auf den Weg bringen.
In der Abteilung „Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke“ stiegen die Preise im August 2022 um 15,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit hat sich der Preisauftrieb erneut deutlich verstärkt, nach 13,8 Prozent im Juli 2022. Spürbar teurer wurden für die Verbraucherinnen und Verbraucher in dieser Abteilung unter anderem Speisefette und Speiseöle (+45,7 Prozent; darunter Sonnenblumenöl, Rapsöl oder Ähnliches: +102,4 Prozent, Butter +49,1 Prozent), Molkereiprodukte und Eier (+25,8 Prozent) sowie Fleisch und Fleischwaren (+17,1 Prozent).
Auch in der Abteilung „Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe“ lagen die Preise im August 2022 mit 11,7 Prozent deutlich über denen des Vorjahresmonats. So erhöhten sich die Preise im Bereich Haushaltsenergie um 50,0 Prozent (darunter leichtes Heizöl: +102,1 Prozent; Erdgas: +78,9 Prozent). Die Preise für Strom stiegen im August 2022 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 19,2 Prozent.
Für Bafög- und Wohngeldempfänger hat die Bundesregierung deswegen extra den sogenannten Heizkostenzuschuss ins Leben gerufen. Dieser wird aber die tatsächliche Teuerungsrate kaum auffangen können. Ähnlich verhält es sich mit der Energiekostenpauschale über 300 Euro für Arbeitnehmer.
Inflation in Niedersachsen und Deutschland explodiert: Entlastungsmaßnahmen beim Verkehr wirken
In der Abteilung „Verkehr“ hat sich hingegen die Teuerung durch die Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung abgeschwächt. Im Mai 2022 lag die Preissteigerung in dieser Abteilung noch bei 17,0 Prozent im Vergleich zum Mai 2021. Im August 2022 stiegen die Preise in der Abteilung „Verkehr“ im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,8 Prozent. Die Verbraucherinnen und Verbraucher mussten im August 2022 im Vergleich zum Vorjahresmonat für Kraftstoffe mehr ausgeben (+14,8 Prozent; darunter Superbenzin: +8,1 Prozent; Dieselkraftstoff: +32,7 Prozent).
Der Verbraucherpreisindex (VPI)
Der Verbraucherpreisindex (VPI) misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen. Darunter fallen zum Beispiel Nahrungsmittel, Bekleidung und Kraftfahrzeuge ebenso wie Mieten, Reinigungsdienstleistungen oder Reparaturen. Die prozentuale Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat beziehungsweise dem Vorjahr wird umgangssprachlich auch als Inflationsrate bezeichnet.
Die allgemeine Formel zur Berechnung einer prozentualen Veränderungsrate aus zwei Indexständen beruht auf einem Dreisatz: Veränderung in Prozent = neuer Indexstand / alter Indexstand * 100 – 100.
Diese Formel kann sowohl beim Vergleich beliebiger Jahresdurchschnittswerte als auch beim Vergleich beliebiger Berichtsmonate verwendet werden. In der Verbraucherpreisstatistik werden üblicherweise Veränderungsraten für das Vorjahr sowie den Vormonat und den Vorjahresmonat berechnet. (Quelle: Landesamt für Statistik Niedersachsen)
Die tatsächlichen Auswirkungen der gesenkten Energiesteuer auf Kraftstoffe sind aber nicht direkt ermittelbar. Aufgrund des Neun-Euro-Tickets gingen die Preise im Bereich „Personen- und Güterbeförderung“ im August 2022 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 27,2 Prozent zurück.
Inflation in Niedersachsen und Deutschland explodiert: Energiepreise erhöhen sich im Schnitt um 37,2 Prozent
Insgesamt erhöhten sich die Energiepreise im August 2022 im Vergleich zum August 2021 um 37,2 Prozent. Die Inflationsrate im August 2022 hätte ohne die Berücksichtigung der Preise von Kraftstoffen und Haushaltsenergie bei 4,6 Prozentgelegen.
Die aktuelle Kriegs- und Krisensituation wirkt sich weiterhin auf die Entwicklung der Energiepreise aus. Zudem tragen die Preiserhöhungen auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen sowie Lieferengpässe zur gesamten Entwicklung der Verbraucherpreise bei. Insgesamt stieg das Niveau der Verbraucherpreise im August 2022 im Vergleich zum Vormonat Juli 2022 um 0,3 Prozent.
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