Catrin Cramme verlässt die Kantor-Helmke-Schule

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Mit Applaus: Schüler, Kollegen und Eltern stehen Spalier für Catrin Cramme.
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Rotenburg – Catrin Cramme, Rektorin an der Kantor-Helmke-Schule in Rotenburg, hat eine Entscheidung getroffen: Nach 19 Jahren in eben dieser Grundschule verabschiedet sie sich nun in eine unbezahlte, vierjährige Urlaubszeit. Anschließend, so der Plan der 55-Jährigen, will sie sich pensionieren lassen. „Diese vier Jahre möchte ich nutzen, um mehr Lebenszeit mit meinem Mann zu verbringen – außerhalb der Schule.“

Rotenburg – Die Leitung der Rotenburger Kantor-Helmke-Schule wechselt in andere Hände – eine abschließende Entscheidung in dieser Personalfrage sei allerdings noch nicht getroffen worden, sagt Cramme in einem Gespräch mit der Kreiszeitung. Sie selbst lässt sich für vier Jahre beurlauben, um sich anschließend pensionieren zu lassen. Am Tag zuvor nach der Zeugnisausgabe: Die mehr als 200 Kinder, viele Eltern sowie das Kollegium verabschieden sich mit einem lang anhaltenden Applaus von der Schulleiterin, die diesen Job viele Jahre lang zunächst kommissarisch, von 2011 dann regulär übernommen hat. „Ja, ich habe diese Zeit sehr genossen“, erklärt Cramme. Sie spricht das gute, kollegiale Miteinander an: „Wir passen aufeinander auf.“ Viel sei möglich geworden in all den Jahren, auch die Stadt und die zuständige Behörde hätten stets ein offenes Ohr gehabt und geholfen, wo Hilfe erforderlich war.

Viel war möglich, auch das zentrale Vorhaben von Catrin Cramme, von Haus aus begeisterte Musikerin und Musiklehrerin: Sie hat der Kantor-Helmke-Schule ein musikalisches Profil verschafft – und das in enger Kooperation mit der Kreismusikschule. Musik, sagt sie, mache Kinder nicht schlauer, aber sie lernen viel und wachsen in ihrer Persönlichkeit. „Sie stehen auf der Bühne und im Rampenlicht. Darauf sind sie stolz, sie freuen sich und schulen die Konzentration.“

Der Start des Ganztagsschulbetriebs 2010 sei der entscheidende Fingerzeig für den Start in dieses Projekt gewesen. „Es braucht Menschen, die das können“, fügt Cramme hinzu. Begeistert sind auch viele der Eltern – für 17 Euro im Monat können sie sich eines Angebots sicher sein, das ihren Kindern gut tue. Nicht alle, aber viele von ihnen seien auch in der Zeit nach der Grundschule am Ball geblieben.

Das musikalische Angebot hat mittlerweile ein großes Ausmaß angenommen. Geige, Cello, Quer- und Blockflöte sowie Trommeln und musikalische Früherziehung – die Auswahl ist groß. Wer diese Schule zu Veranstaltungen besucht, weiß schon lange, dass hier die Musik einen ganz besonderen Stellenwert hat. Die Kinder und Lehrer singen sehr viel, es gibt immer wieder Konzerte. Cramme: „Dieses musikalische Profil war meine Vision.“

Wir sollten sehr vorsichtig mit den jungen Menschen umgehen.

Catrin Cramme

In ein Klagelied wegen der Corona-Pandemie musste die Schule allerdings nicht mit einstimmen. „Wir haben hier einfach gute Rahmenbedingungen“, erinnert Catrin Cramme an den Start der Digitalisierung vor bereits sieben Jahren. Seitdem gibt es einen Schulserver und Activ-Boards in den Klassenräumen. „Wir waren zu Beginn der Pandemie eine der ersten Schulen, die auf die neue Technik zurückgreifen konnten. Das war ein großes Glück“, meint die Schulleiterin erfreut, die künftig nicht nur mehr Zeit mit ihrem älteren Mann, sondern auch mit den Pferden sowie mit Hund und Kater verbringen möchte.

Von Hamburg aus hat es Cramme nach Rotenburg verschlagen. In diesen Jahren seit dem Einstieg in der Kantor-Helmke-Schule hat sie die Veränderungen hautnah miterlebt, die Schule durchgemacht hat. „Schule ist zu einem Rundum-Dienstleister geworden“, sagt sie. Außerdem sei die Kindheit in den zurückliegenden Jahren digitaler geworden. „Ja, das merkt man auch in der Grundschule.“ Ihr Appell ist deutlich, weil sie weiß, was die viele Zeit vor dem Bildschirm gerade mit den Mädchen und Jungen in der Grundschule macht: „Wir sollten sehr vorsichtig mit den jungen Menschen umgehen.“ Weniger Zeit vor dem Bildschirm sorge für deutlich bessere Entwicklungsmöglichkeiten, ist die Pädagogin überzeugt.

Cramme hat die Zeit sehr genossen und es nie bereut, sich für die Arbeit in der Grundschule entschieden zu haben. „Das war genau richtig. Ich wollte schon Lehrerin werden, als ich selbst in der dritten Klasse war.“ Mit den Grundschülern, sagt sie, könne sie gut sprechen und arbeiten. „Sie verstehen mich“, fügt sie hinzu. Außerdem lasse sich in der Grundschule eben viel mit Musik machen. Klingt alles gut also. Aber natürlich hat auch Cramme vor allem einen Punkt anzumerken, der der Schule grundsätzlich in diesen Zeiten Probleme bereitet: „Wir haben zu wenige Lehrer.“ Neue zu finden, sei schwierig. „Man sucht verzweifelt“, berichtet die 55-Jährige. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Beruf sehr anspruchsvoll sei und sich in anderen Bereichen mehr Geld verdienen lasse.

Catrin Cramme indes steigt jetzt aus und entscheidet sich für unbezahlten Urlaub vom 1. August an. Eine Übergabe an die Nachfolgerin oder den Nachfolger wolle sie noch machen – und bis dahin „arbeite ich noch das Schuljahr ab. Das dauert sicher mehrere Wochen.“

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