VonMelanie Russschließen
Zwei am Dümmer verendete Jungstörche waren mit der Geflügelpest infiziert. Ihr Fall bestätigt, dass das Vogelgrippe-Virus inzwischen ganzjährig in Vogelpopulationen verbreitet ist. Für Geflügelhalter hat der Fund derzeit keine Folgen.
Marl – Zwei in Hasslinge (Gemeinde Marl) tot aufgefundene Jungstörche gaben einige Tage lang Rätsel auf. Wurden sie womöglich durch ausgelegte Giftköder getötet? Diese Vermutung machte im Umfeld des Fundes die Runde. Der Verdacht bestätigte sich laut Karljosef Graf, Leiter des Veterinäramtes des Landkreises Diepholz, allerdings nicht. „Es gibt keine Hinweise auf eine Vergiftung“, berichtet er auf Nachfrage vom ersten Zwischenergebnis der Untersuchungen. Stattdessen verdichten sich die Hinweise, dass die beiden Tieren an der Geflügelpest verendet sind.
Bei einer Untersuchung der Jungstörche im Laves (Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) in Hannover wurde laut Graf ein derart hoher CT-Wert festgestellt, dass es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um den Geflügelpest-Erreger handelt. Letzte Gewissheit wird es vermutlich in der kommenden Woche geben, wenn das Untersuchungsergebnis aus dem Friedrich-Löffler-Instituts vorliegt.
Geflügelpest im Sommer – ein Ergebnis, das auf den ersten Blick überrascht, denn in der Vergangenheit verbreitete sich das Virus nur während der Vogelzugsaison im Frühjahr und Herbst/Winter und sorgte dann regelmäßig dafür, dass Nutztierhalter ihr Geflügel einsperren mussten, um es vor einer Infektion zu schützen. Seit einiger Zeit häufen sich allerdings die Fälle, in denen Vögel außerhalb dieser Zeiten an der Vogelgrippe sterben. So grassiert das Virus momentan in einer Flussseeschwalben-Kolonie am Banter See in Wilhelmshaven. Mehrere hundert Tiere dieser stark gefährdeten Vogelart sind dort bereits verendet.
„Außerdem scheint sich das Virus auf andere Vogelarten auszubreiten“, berichtet Karljosef Graf. Bislang seien vorwiegend Wasservögel wie Enten und Gänse betroffen gewesen. Vom Dümmer, an dem viele bedrohte Vogelarten heimisch sind oder brüten, ist dem Leiter des Veterinäramtes bislang keine Häufung von Infektionen bekannt. Die beiden toten Jungstörche seien aber eine weitere Bestätigung dafür, dass das Virus inzwischen ganzjährig in Vogelpopulationen vorhanden sei.
Aviäre Influenza (Geflügelpest)
Die Aviäre Influenza ist eine für Geflügel und andere Vögel hochgradig ansteckende Viruserkrankung, die in Geflügelbeständen schnell epidemische Ausmaße annehmen kann. Die Geflügelpest (auch als Vogelgrippe bezeichnet) ist eine besonders schwer verlaufende Form der Aviären Influenza bei Geflügel und anderen Vögeln, die durch hoch pathogene Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 verursacht wird. Sie ist eine seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannte Infektionskrankheit, die bevorzugt Hühnervögel und Puten, aber auch Wassergeflügel befällt.
Vonseiten des Veterinäramtes besteht laut Graf momentan kein Handlungsbedarf. Aber was bedeutet die ganzjährige Präsenz des Vogelgrippe-Virus für Geflügelhalter? Wilhelm Jacob junior beispielsweise betreibt in Hüde Freilandhaltung. Er hofft inständig, dass es am Dümmer bei Einzelfällen bleibt. Denn sollte sich das Virus in der hiesigen Wildpopulation ausbreiten, hätte er keine Möglichkeit, seine Hühner zu schützen. „Es reicht ja schon aus, wenn Kot auf die Wiese fällt“, erklärt Jacob. Die Tiere langfristig aufzustallen, ist keine Option. Zum einen widerspricht das dem Ziel der Freilandhaltung, zum anderem dürfte Jacob die Eier seiner Hühner dann natürlich nicht mehr als Eier aus Freilandhaltung verkaufen. „Meiner Meinung nach wäre ein Impfstoff für Nutzgeflügel das, was am besten hilft“, so Wilhelm Jacob. Doch den gibt es bislang nicht.
