VonLars Laueschließen
Trotz leerer Halle bleibt der Snow-Dome Bispingen auch im Sommer offen. Laut der Geschäftsführung ist das Geschäft „megarentabel“ – und eine Schließung keine Option.
Bispingen – Die Außentemperaturanzeige steigt auf mehr als 30 Grad. Ein Tag, so drückend und heiß, dass schon beim Gedanken an die Autofahrt Vorfreude aufkommt, weil die Klimaanlage Abkühlung verspricht. Der klimatisierte Fahrzeuginnenraum allerdings ist nichts gegen das, was der Snow-Dome Bispingen in der Lüneburger Heide direkt an der A 7 etwa 60 Kilometer vor Hamburg zu bieten hat: In der großen Skihalle mit ihrer 300 Meter langen und 100 Meter breiten Piste herrscht eine Lufttemperatur von konstant minus zwei bis minus drei Grad – und gähnende Leere.
Ein, zwei einsame Wintersportfans fahren mit dem Lift hinauf und auf Skiern die Piste wieder hinunter. Wieder rauf und wieder runter und immer so weiter. Wer zum Skilaufen oder Snowboardfahren noch nie in den Alpen war und das erst einmal ausprobieren möchte, findet im Snow-Dome ideale Bedingungen vor. Freunde des Wintersports in den „richtigen“ Bergen indes dürften schnell gelangweilt sein.
Im Sommer lieber nur mal vom „Eisbalkon“ gucken
Familie Borgerding jedenfalls zeigt sich nicht abgeneigt. Frank und Marion schlendern mit ihren Kindern Theo (6) und Josephine (3) durch den Eingangsbereich, entdecken die Aussichtsplattform namens „Eisbalkon“ und wagen sich für einen Moment in die kalte Halle.
Die Borgerdings stammen aus Steinfeld im Kreis Vechta und verbringen ihren Sommerurlaub im nahegelegenen Center Parc Bispinger Heide. Da bietet sich ein Abstecher zum Snow-Dome an. „Wenn die Kinder etwas älter sind, könnte ich mir gut mal vorstellen, das mit denen auszuprobieren“, sagt Mutter Marion, während ihr Mann abwinkt: „Skifahren? Das ist nichts für mich. Da gucke ich lieber vom Balkon zu oder bin beim Après-Ski dabei“, sagt Vater Frank und lacht.
Bis zu 1.800 Gäste kommen im Winter am Tag
Apropos Après-Ski: Da gehts im Snow-Dome tatsächlich ab wie in den echten Skigebieten. Momentan allerdings nicht. „Wir haben unsere Hauptsaison, wenn auch in den Skigebieten Hochbetrieb herrscht“, sagt Julian Steffen aus der Geschäftsleitung. Von Oktober bis April sind nach den Worten des 37-Jährigen die meisten Besucher da. „Zum Skifahren im Sommer kommen nur wenige.“ Gebe es an Spitzentagen zwischen Oktober und April 1.600 bis 1.800 Besucher am Tag, seien es im Sommer allerhöchstens 250 Gäste. „Das ist dann aber auch schon ein sehr guter Tag“, fügt Steffen hinzu.
Lohnt sich der Betrieb für den Snow-Dome, der im Jahr 2013 in die Insolvenz schlidderte, schon wenig später aber wieder eröffnete, überhaupt? Steffen nennt das Geschäftsmodell „megarentabel“, was nicht nur an den Skigästen in den Wintermonaten, sondern vor allem auch am ebenfalls angebundenen Hotel- und Tagungsgeschäft liege. Von 300.000 Gästen jährlich spricht der Vertreter aus der Geschäftsleitung, etwa 100.000 davon entfielen auf die Skihalle.
Klimadebatte und Skihalle - ein gefürchtetes Thema
Ja, die Skihalle. Ein echter Energiefresser. Steffen hat „befürchtet“, dass auch das Thema zur Sprache kommen würde. „Wir hatten viel schlechte Presse in letzter Zeit“, macht der Chef seine Skepsis deutlich. Klimadebatte und Skihalle – das passt halt nicht gut zusammen. Gerade deswegen ist der Blick im Snow-Dome stets auch auf den enormen Energieverbrauch dieser riesigen Kühltruhe gerichtet.
Dabei hat Steffen erste Erfolge vorzuweisen: Nach seinen Worten hat die Skihalle aktuell einen Stromverbrauch von 2,7 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Zur Einordnung: Eine Kilowattstunde entspricht etwa dem Bedarf einer Waschmaschine für eine Ladung Wäsche. Im Jahr 2015 seien es noch 7,6 Millionen Kilowattstunden gewesen. Gelungen ist die Reduzierung laut Betreiber durch eine modernisierte Bodenkühlung und eine neue Gebäudeleittechnik. Für die nahe Zukunft sei geplant, ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien zu nutzen.
Und wie wäre es mit einer Sommerpause, wenn in den heißen Monaten ohnehin kaum jemand kommt? „Abtauen ist keine Option, das lohnt sich nicht“, ist Steffen überzeugt und verweist darauf, dass im Winter auch mithilfe der Kälte draußen so viel Schnee vorproduziert werde, dass in den Sommermonaten immerhin kein neuer Schnee hergestellt werden müsse.
Statt Snow-Dome: Greenpeace rät zum kühlen Bad im See
Umweltpolitiker und -verbände sehen Freizeitvergnügen wie den Snow-Dome dennoch skeptisch. „Grundsätzlich unterstützen und fordern wir nachhaltigen Tourismus, wozu die Skihalle in Bispingen sicher nicht zählt“, heißt es vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Und Greenpeace findet: „Anstatt in Skihallen Abkühlung zu suchen, sollte man im Hochsommer lieber in den Badesee oder ins Meer springen.“
Die Grünen in Niedersachsen appellieren ans Gewissen der Verbraucher. Der jährliche Energieverbrauch des Snow-Domes entspreche trotz erheblicher Einsparungen noch immer dem von weit mehr als 500 Vier-Personen-Haushalten. „Wer sich das vor Augen führt, der kann an Wintersport im Hochsommer unserer Ansicht nach nur erheblich eingeschränkt Spaß empfinden“, erklärt die Landtagsabgeordnete Marie Kollenrott, Sprecherin für Energie und Klimaschutz. Die erzielten Erfolge bei der Senkung des Stromverbrauchs im Snow-Dome nennt sie dennoch „anerkennenswert“.
Steffen versichert für die Snow-Dome-Geschäftsleitung unterdessen, „so schnell wie möglich“ klimaneutral werden zu wollen. Gespräche mit der Gemeinde und den umliegenden Landwirten zur Nutzung der Flächen für die Produktion erneuerbarer Energien samt Direktleitung in den Snow-Dome liefen bereits.
