VonHenning Leeskeschließen
Hoher Besuch bei der Feuerwehr in Kirchlinteln. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius informierte sich über die neue Sirenenanlage, mit der die Gemeinde eine Art Vorreiterrolle einnimmt.
Kirchlinteln – „Die Gemeinde ist eindeutig Vorreiter und Vorbild, insbesondere was die Sirenenanlage angeht“, sagte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius im Kirchlintler Feuerwehrhaus. Er weihte nun offiziell die 26 neuen Sirenen, die im ganzen Gemeindegebiet verteilt sind, ein.
Außerdem begutachtete er den neuen Hygieneanhänger der Gemeindefeuerwehr, der in Neddenaverbergen stationiert ist. Damit soll kontaminierte Ausrüstung schon an der Einsatzstelle gereinigt und getauscht werden.
„Die ganz ruhigen Zeiten, in denen wir lebten, sind wohl vorbei“, fasste Pistorius die Notwendigkeit neuer Sirenen zusammen. Der durchwachsene Warntag habe dies verdeutlicht, weil eben in vielen Kommunen die Sirenen abgerüstet worden seien. Nach 30 Jahren Frieden sehe die Welt jetzt anders aus. 88 Millionen Euro seien auf Druck der Länder für die Modernisierung der Sirenen vom Bund bereitgestellt worden. Davon sei ein Teil über das Land Niedersachsen nach Kirchlinteln geflossen. „Wir brauchen eine Milliarde für ganz Deutschland. Wir haben ein eigenes Programm für zehn Millionen in Niedersachsen aufgelegt und wir werden nachlegen“, kündigte der Osnabrücker an. Niedersachsen sei das einzige Bundesland, das nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine auf diesem Gebiet reagiert hätte.
Abschließend dankte der Innenminister für die Initiative der Gemeinde Kirchlinteln und den neuen technischen Standard, der mit Hilfe der ausführenden Firma Helin installiert wurde. „Ich werde überall von Kirchlinteln erzählen“, sagte er.
Eine der ersten Kommunen im Land mit modernster Technik
Bürgermeister Arne Jacobs hatte die Neuerungen zu Beginn kurz vorgestellt. „Die Gemeinde Kirchlinteln verfügt nun als eine der ersten Kommunen im Land Niedersachsen über eine der modernsten Sirenentechniken.“ Bei der Umrüstung der bis zu 70 Jahre alten Drehstromsirenen wurden im Wesentlichen vier Ziele verfolgt. Als Erstes die Alarmierung der Feuerwehreinsatzkräfte zusätzlich zu den Funkmeldeempfängern. Weiter die Warnung der Bevölkerung vor besonderen Gefahrenlagen und Katastrophen, auch durch mögliche Sprachdurchsagen. Dazu gebe es neun vordefinierte Szenarien mit bereits gespeicherten Texten. Wichtig war auch die Schaffung einer Ausfallsicherheit, für den Fall eines länger anhaltenden großflächigen Stromausfalls. Schließlich sollten die Sirenenanlagen nur noch auf gemeindeeigenem Grund installiert werden, was vollständig umgesetzt werden konnte. „Es wurde deutlich, was möglich ist, wenn man gemeinsam anpackt“, hob Jacobs die gute Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen vom Landkreis Verden bis zur Gemeinde Kirchlinteln vor. In diesem Zusammenhang lobte Ordnungsamtsleiter Stefan Schulz das große Fachwissen von Günter Storch, der von Seiten der Leitstelle des Landkreises zur Seite stand.
Der Katastrophenschutz muss in kommunaler Hand sein.
„Der Katastrophenschutz muss in kommunaler Hand sein“, sagte Landrat Peter Bohlmann. Um diese Kompetenz zu organisieren, habe man ein starkes Land im Rücken. Für den Zivilschutz sei eben der Bund zuständig. Mit der neuen Sirenenanlage habe die Gemeinde Kirchlinteln einen deutlichen Sprung gemacht.
Gemeindebrandmeister Holger Müller schilderte die lange Reise von der Digitalisierung des Funks, der Meldeempfänger (Pager) bis zu den nun digitalen Sirenen. „Als Feuerwehr wollen wir immer vor der Lage sein. Die neuen Sirenen sorgen dafür“, sagte Müller.
Nach der kurzen Feierstunde demonstrierten die Ingenieure Thomas Aicher und Ibrahim Lawal von der Firma Helin anhand einer kleinen Testsirene die digitale Alarmierung.

