Kinder unterstützen

Sprachförderung mit Geschichten: Kita integriert Bildung erfolgreich in den Alltag

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Im Gespräch (v.l): Kita-Leiterin Heike Bleckwehl, Claudia Lange vom Fachbereich Bildung der Stadt Verden, Simone Köfer (Fachkraft für Sprache bei der Kita Neißestraße) und Hilde Zimmermann (Fachberatung für die städtischen Kitas).

Kinder sollen merken: Ich werde gesehen, in dem was ich tue. So werden oftmals Sprach-Blockaden gelöst.

Verden - „Bei der Sprachförderung und -bildung von Kindern kommt es auf Nuancen an. Man fragt immer wieder nach, reagiert auf Signale und Laute der Kinder, sieht ihre Blicke und kommuniziert wertschätzend mit ihnen. Wenn ich dann auch beschreibe, was ich tue und sehe, dann fängt das Kind nach einiger Zeit ganz automatisch an, zu kommunizieren“, erläutert Hilde Zimmermann von der Fachberatung der städtischen Kindertagesstätten in Verden. Denn Kinder lernen durch Beobachtung und brauchen unterstützende Motivation.

In der Kita Neißestraße wird die „alltagsintegrierte Sprachförderung“ seit einigen Jahren durch eine zusätzliche Halbtageskraft, die zunächst vom Bund und jetzt bis 2027 vom Land gefördert wird, unterstützt. Erzieherin Simone Klöfer ist als Fachkraft für Sprache dort tätig. Sie, die örtliche Kita-Leiterin Heike Bleckwehl und Claudia Lange vom Fachbereich Bildung und Kultur der Stadt Verden erläuterten bei einem Pressegespräch in der Geschichtenstube der Kita Neißestraße, wie wichtig eine gezielte Sprachförderung für die weitere Entwicklung der Jungen und Mädchen ist.

„Wer mit seinen Kindern viel und gut kommuniziert, macht es ihnen leichter, sprechen zu lernen. Ich ermutige alle Eltern, mit ihren Kindern in der jeweiligen Muttersprache zu sprechen. Denn, wenn sie diese sicher beherrschen, fällt es ihnen auch leicht, die deutsche Sprache so ganz nebenbei zu erlernen“, sagt Simone Klöfer. Auch das Vorlesen sei wichtig, denn der dabei entstehende Dialog über Bilder und die Geschichte ermutige die Kinder eigene Erlebnisse zu erzählen und die Bilder mit Leben zu erfüllen. In der Geschichtenstube in der Neißestraße merken die Erzieherinnen, was die Kinder beim Vorlesen interessiert und wofür sie offen sind. Dementsprechend werden, je nach Interessenlage, die passenden Bücher vorgelesen. Und was interessiert Kita-Kinder derzeit besonders? Die Baustelle nebenan, Natur und das Wetter.

Wer mit seinen Kindern viel und gut kommuniziert, macht es ihnen leichter, sprechen zu lernen.

Simone Klöfer

Kita-Leiterin Bleckwehl weiß: „Beim Sprechen geht es immer auch um Bindung und Beziehung. Alles, was im Alltag praktiziert wird, ist auch Thema hier. Wir gehen darauf ein und wecken das Interesse und die Fantasie der Kinder. Dabei sind stets auch eigene Ideen der Kids willkommen“, sagt sie.

In der Geschichtenstube stehen neben vielen Kinderbüchern auch Spielkisten und -Materialien zur Verfügung, die von den Jungen und Mädchen je nach Tageslaune genutzt werden. Aus den Spielsachen werden dann Geschichten entwickelt und Fantasien angeregt. Auch wenn dabei die urkomischsten Geschichten entstehen, ist das Erzieherteam jedes Mal aufs Neue erfreut über den Einfallsreichtum der Kinder. Und natürlich, wenn sie darüber sprechen.

Ein Schwerpunkt bei der Sprachbildung sind auch Angebote außerhalb der Kita Neißestraße. Zusammen mit Erzieherinnen besuchen die Kleinen gelegentlich die Verdener Dünen, gehen in den nahen Stadtwald, zum Markt oder beobachten eine Baustelle. Diese Ausflüge werden genauso sprachlich begleitet wie Alltagssituationen an der Garderobe, beim Frühstück oder im Spiel untereinander.

„Wichtig ist es auch, Kinder mit einzubeziehen, die still sind oder nur wenig sprechen“, berichtet Hilde Zimmermann. Gerade bei diesen sei es essentiell, Blicke aufzufangen und deren Töne aufzugreifen, ja sogar nachzumachen. Denn das Kind soll sich wahrgenommen fühlen und merken: Ich werde gesehen, in dem was ich tue. „Damit werden oftmals Sprach-Blockaden gelöst“, so Zimmermann.

Um all das leisten zu können, ist es hilfreich, wenn immer wieder Fallbesprechungen, ein Austausch im Team und reflektierende Betrachtungen stattfinden. Aber auch Fortbildungen sind für Claudia Lange vom Fachbereich Bildung der Stadt ein Baustein dafür, „genau die Kleinigkeiten und Gefühle der Kinder zu erkennen und ihr Interesse zu wecken“. Die Stadt Verden, so erläutert Lange, habe in all ihren Kitas für die dritte Betreuungskraft gesorgt und sei auf dem Gebiet vorbildlich. Die besondere Fachstelle für alltagsintegrierte Sprachförderung an der Kita Neißestraße bietet den Kindern zusätzliche Bildungschancen.           

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