VonKatharina Könemannschließen
Twistringen schmiedet Pläne, um fehlende Kitaplätze zu schaffen. Unter anderem ist ein Neubau in Marhorst im Gespräch. Das jetzige Gebäude des Marhorster Kindergartens könnte dann ein Dorfgemeinschaftshaus werden.
Twistringen – Mit der neuen Kita „Luthers Weltentdecker“ hat die Stadt Twistringen die Zahl der Betreuungsplätze gerade erst aufgestockt. Darauf ausruhen kann sie sich aber nicht. Der Betreuungsbedarf steigt und steigt. Es zeichnet sich ab, dass zum Sommer mindestens eine weitere Gruppe benötigt wird.
Um zusätzlichen Platz zu schaffen, könnte die Kindertagesstätte St. Josef an der Steller Straße in Twistringen umgebaut werden. Die Stadt hält außerdem die Option in der Hinterhand, wieder Container aufzustellen. Und: Ihr schwebt vor, die Marhorster Kita an anderer Stelle neu zu bauen. Da das jetzige Kitagebäude dadurch frei werden würde, könnten die Marhorster im gleichen Zuge ihr lang ersehntes Dorfgemeinschaftshaus bekommen.
Aktuelle Daten und Fakten rund um die Twistringer Kitalandschaft präsentierte Rathausmitarbeiter Philipp Dalhoff am Donnerstagabend dem Ausschuss für Soziales, Schulen, Jugend, Integration und Sport (siehe Infokasten). Mit Blick auf die Anmeldezahlen für das Kitajahr 2023/2024 erklärte er, „dass die Neuanmeldungen die Anzahl der zur Verfügung stehenden Plätze übersteigen werden. Es liegen zurzeit circa 180 Anmeldungen vor und es fehlen uns 30 Plätze – davon 22 Plätze im Kindergartenbereich und acht im reinen Krippenbereich.“
Dalhoff prognostizierte: Der steigende Bedarf an früherer und längerer Betreuung wird die Stadt auch in Zukunft begleiten. Neue Baugebiete dürften ein Übriges tun.
In der Kita St. Josef könnte durch den Umbau eines Gruppenraums und die Schaffung eines neuen Essensraums eine Gruppe mit 22 bis 23 Plätzen hinzukommen. Geschätzte Gesamtkosten: 420 000 Euro.
Zur Not sollen wieder Container her
Um sich die Option offenzulassen, kurzfristig Container anzumieten und darin eine neue Gruppe anzusiedeln, hat die Stadt sicherheitshalber 80 000 Euro in den Haushaltsentwurf für das Jahr 2023 eingeplant.
Zu den Plänen in Marhorst: Um der gesteigerten Nachfrage nach Betreuungsplätzen gerecht zu werden, könnte theoretisch auch in dem jetzigen Gebäude der Marhorster Kita St. Marien eine dritte Gruppe eröffnet werden. Dafür müssten das Obergeschoss entkernt und der Dachstuhl erneuert werden. Die Stadt zieht aber in Betracht, stattdessen an anderer Stelle in Marhorst ein ganz neues Gebäude für die Kita zu bauen.
Aktuell können Eltern ihre Kinder in der Marhorster Kita nur von 7.30 bis 13 Uhr betreuen lassen. Es gibt, anders als in den anderen Kitas im Stadtgebiet, kein Mittagessen – „aufgrund fehlender Räumlichkeiten“, so Anke Raven, Leiterin des Fachbereichs Familie und Soziales. „Eine zeitgemäße Kita sieht mittlerweile anders aus“, brachte sie in der Ausschusssitzung auf den Punkt. „Die Kita in Marhorst stößt an ihre Grenzen, räumlich und personell.“
Auch angesichts des Fachkräftemangels sei es notwendig, dem Personal ein attraktives und konkurrenzfähiges Arbeitsumfeld zu bieten, verdeutlichte Raven.
Fachkräftemangel bei den Kitas
In der Kita St. Marien fehle es unter anderem an einem Mitarbeiterraum, an Differenzierungsräumen, an Räumen für Angebote in Kleingruppen, Vorbereitungsräumen und anderen Rückzugsräumen. Auch Kinder unter drei Jahren könnten nur sehr begrenzt aufgenommen werden, da dafür lediglich eine altersübergreifende Gruppe vorhanden sei.
In der Kita in Marhorst können derzeit bis zu 50 Kinder betreut werden. Im Falle eines Neubaus will die Stadt die Fläche so groß wählen, dass nicht nur eine dritte Gruppe eingerichtet werden kann, sondern auch Erweiterungsmöglichkeiten für eine vierte Gruppe bestünden.
Der Neubau könnte mit einem Investor gebaut werden. Dann müsste die Stadt nicht alles auf einen Schlag bezahlen, sondern könnte die Kosten, die das Großprojekt mit sich bringen würde, über die nächsten 20 bis 30 Jahre im Ergebnishaushalt berücksichtigen.
Der Ausschuss stimmte einstimmig dafür, dass die Stadt mit den konkreteren Planungen beginnen soll. Die Idee weiterzuverfolgen, das jetzige Kindergartengebäude später als Dorfgemeinschaftshaus zu nutzen, in dem sich auch der Schützenverein sowie der Sportverein ansiedeln könnten, ist gleich Teil des Arbeitsauftrags.
