Kriminalstatistik: Herkunft spielt eine Rolle

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Die Zahl von Angriffen mit Messern steigt in Niedersachsen deutlich. Im Landkreis allerdings gibt es nur eine „kaum nennenswerte Zahl“ solcher Taten, sagt die Polizei.
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Statistische Erhebungen halten so manche Tücken bereit, vor allem wenn es um die Interpretation der Zahlen geht. So ist es auch bei der jüngsten polizeilichen Kriminalstatistik.

Rotenburg – Die Interpretation von Statistiken kann eine heikle Angelegenheit sein, vor allem, wenn damit Unsicherheit ausgelöst wird oder Vorbehalte gegen bestimmte Personengruppen geschürt werden. Die Fakten müssen auf den Tisch, ohne die Lage zu beschönigen. Gleichzeitig müssen die Zahlen aber auch eingeordnet werden.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das vergangene Jahr ist vor Kurzem veröffentlicht worden. Und da fällt der große Anteil von tatverdächtigen Ausländern auf. Der Anteil an allen Tatverdächtigen liegt bei 28,4 Prozent. Der Anteil der Ausländer in der Bevölkerung liegt dagegen bei knapp 13 Prozent.

Polizei beziffert seit 2023 den Ausländeranteil

Anders als man meinen könnte, ist es nicht neu, dass in der Statistik der Anteil ausländischer Tatverdächtiger veröffentlicht wird. Die Polizeidirektion Lüneburg, zu der Rotenburg gehört, teilt dazu mit: „Seit 2013 wird auch der prozentuale Anteil der nicht-deutschen Tatverdächtigen im Hinblick auf die Gesamtstraftaten benannt.“

Das liege einerseits an dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit, andererseits soll aber auch aufgezeigt werden, dass der Großteil der verübten Straftaten von deutschen Tatverdächtigen begangen wird: „Eine offene Kommunikation dieses Verhältnisses sehen wir vor dem Hintergrund politischer Debatten als geboten an.“ Wobei die Definition, wer Deutscher ist und wer nicht, ganz einfach ist: Jeder und jede, die einen deutschen Pass besitzt, ist Deutscher oder Deutsche.

„Höhere Zahlen“ heißt nicht automatisch „mehr Taten“

Sicher ist es nicht verkehrt darauf hinzuweisen, dass die PKS vor allem die Arbeit der Polizei spiegelt und nicht notwendigerweise die Entwicklung der Kriminalität. Setzt die Polizei einen besonderen Fokus auf einen Bereich der Verfolgung, dann kann es zu höheren Fallzahlen kommen, obwohl die Zahl der Täter unverändert ist. Laut Rotenburgs Polizeisprecher Heiner van der Werp wurden hier 2023 aber keine besonderen Schwerpunkte in Sachen „Kriminalität durch Ausländer“ gesetzt. Eine Verzerrung der Statistik durch Intensivtäter liege ebenfalls nicht vor.

Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD), erklärte zu den veröffentlichten Zahlen: „Niedersachsen ist und bleibt ein sicheres Bundesland. Die Polizei konnte in mehr als 62 von 100 Fällen Tatverdächtige ermitteln. Das ist nach wie vor eine hervorragende Quote.“

Messerangriffe nehmen zu

Seit dem 1. Januar 2020 werden „Messerangriffe“ in der PKS gesondert erfasst. Die prozentuale Steigerung liegt mit 8,7 Prozent über der der Gesamtkriminalität mit 5,3 Prozent, und auch hier ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger mit 41 Prozent im Land besonders hoch. Im Landkreis Rotenburg sieht es allerdings wesentlich positiver aus, so Heiner van der Werp: „Wir haben glücklicherweise eine kaum nennenswerte Zahl solcher Taten.“ In Niedersachsen sollen jedoch mit den Kommunen weitere Waffenverbotszonen eingerichtet werden. „Der Anstieg nichtdeutscher Tatverdächtiger in der Kriminalitätsstatistik erfordert eine differenzierte Betrachtung“, so die Innenministerin. Die Integration nichtdeutscher Mitbürger müsse gefördert werden: „Durch Bildung, Zugang zu Arbeitsmöglichkeiten und kulturelle Integration können wir dazu beitragen, dass alle Mitglieder unserer Gesellschaft gleich Chancen haben.“

Das sei aber nur die eine Seite der Medaille: „Auf der anderen Seite muss aber auch klar sein, dass diejenigen, die nach Deutschland kommen und nicht gewillt sind, sich an unsere Gesetze zu halten und hier schwere Straftaten begehen, nicht davon ausgehen können, hier bleiben zu dürfen.“ Alle Möglichkeiten zur Rückführung sollen in Niedersachsen konsequent genutzt werden: „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir dringend mehr Abkommen mit weiteren Herkunftsländern brauchen, die sicherstellen, dass Straftäter wirklich verlässlich zurückgeführt werden.“

Unverändert steht die Clan-Kriminalität im Fokus der Polizei als „wachsende Herausforderung“, die das „Sicherheitsgefühl der Bevölkerung maßgeblich beeinträchtigt“. Als Clan definiert die Polizei eine „Gruppe von Personen, die durch gemeinsame ethnische Herkunft, überwiegend auch durch verwandtschaftliche Beziehungen, verbunden ist“ und Straftaten begeht. Weitere Kennzeichen sind ein hohes kriminelles Potenzial und eine rechtsfeindliche Gesinnung.

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