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Rethorn – Die Gemeinde Ganderkesee hat das ehemalige Seminarhotel Rethorn im gleichnamigen Ortsteil angemietet, um dort ab voraussichtlich Mitte November bis zu 50 Geflüchtete – vorrangig ukrainische Familien – unterzubringen. Bei einem Pressetermin mit dem Landkreis Oldenburg haben Bürgermeister Ralf Wessel und der Fachdienstleiter „Soziale Hilfen“ Christian Hallanzy die künftige Gemeinschaftsunterkunft vorgestellt.
Das reetgedeckte Gebäude am Ortsrand mit seiner Parkanlage verfügt über insgesamt 30 einfache Zimmer (jeweils mit eigenem Bad und WC) sowie Gemeinschaftsräume. Das Gebäude steht seit zwei Jahren leer. Die Gemeinde hat das Hotel für die Dauer eines Jahres angemietet, mit der Option zur Verlängerung. Das Deutsche Rote Kreuz wird den Pförtner- und Betreuungsdienst übernehmen, die Kommune die sozialpädagogische Begleitung. „Wir sind froh, dass es dieses Objekt gibt und dass wir es nutzen können“, so Wessel.
Die zentrale Botschaft des Termins, das unterstrich Landrat Christian Pundt mehrfach, sei jedoch die Herausforderung, die der Zustrom an Geflüchteten – zumeist aus der Ukraine – für den Landkreis bedeutet und zunehmend bedeuten wird: „Wir haben jetzt schon mehr Flüchtlinge aufgenommen, als in den Jahren 2015/2016“, betonte Pundt. Und das, ohne eine soziale Großeinrichtung wie etwa eine Turnhalle zu schließen. Seinerzeit seien deren vier zwischenzeitlich als Unterkünfte genutzt worden. Doch könnte es sein, so der Kreishauschef, dass Landkreis und Gemeinden demnächst dahingehend an die Grenzen des Machbaren stoßen. Dieses solle aber nach Kräften vermieden werden.
Mehr als 1500 Geflüchtet bis Ende März erwartet
Die dem Kreis vom Land Niedersachsen zugeteilte Quote sehe bis Ende März kommenden Jahres aktuell 1 538 weitere Geflüchtete aus der Ukraine vor, ergänzte Christiana Dölemeyer, Leiterin des Amtes für Teilhabe und soziale Sicherung des Landkreises. Seit Kriegsausbruch seien 1 603 Ukrainer aufgenommen worden sowie zusätzlich 441 Personen aus anderen Ländern (etwa Syrien und Afghanistan). Zu diesen rund 2 000 Menschen kommen weitere, die etwa bei Verwandten untergekommen seien. All dies stelle eine große Herausforderung dar, betonte auch sie. Die Situation gestalte sich dynamisch. Ziel von Kreis und Gemeinden sei jedoch, „vor der Lage zu bleiben“. Derzeit gebe es vier Notunterkünfte im Landkreis.
Er wisse, dass der Wohnungsmarkt im Kreisgebiet nahezu leer sei, so der Landrat weiter. Doch appelliere er weiterhin, freien Wohnraum an den Kreis und die Gemeinden zu melden. Das könnten auch Gewerbeimmobilien sein, die genutzt werden können. Diese große Herausforderung lasse sich nur als Gemeinschaftsaufgabe bewältigen, so Pundt.
Er lobte den „Schulterschluss“ zwischen Gemeinden und Landkreis. Auch könnten die Verwaltungen auf die 2015 gemachten Erfahrungen zurückgreifen und von den daraufhin angepassten Abläufen profitieren. Sein Dank gelte den Bürgermeistern und deren Teams. Wenn das nicht alles so gelaufen wäre wie bisher, hätten sicherlich schon Turnhallen belegt werden müssen.
Kreis-Sozialdezernent Jürgen Ohlhoff betonte die sehr gute Zusammenarbeit einerseits mit den „professionellen“ Helfern, wie etwa dem Roten Kreuz, den Maltesern und Johannitern. Hinzu kämen andererseits die zahlreichen Ehrenamtlichen, die auf vielfältige Art und Weise unterstützten – und ohne die die Situation nicht zu bewältigen wäre.
