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Immer mehr Flüchtlinge und knapper werdender Wohnraum: Der Landkreis richtet eine zweite Notunterkunft in Wildeshausen ein. Die dritte in der Kreisstadt folgt bald. Eine vierte gibt es bereits in Hude.
Monatelang klappte die dezentrale Verteilung von Flüchtlingen aus der Ukraine und andernorts im Landkreis OIdenburg sehr gut. Doch mittlerweile wird der freie Wohnraum knapp. Und gleichzeitig ist der Druck durch neue Zuweisungen inzwischen so stark geworden, dass eine zweite Notunterkunft mit 104 Plätzen in Wildeshausen eingerichtet worden ist. Eine dritte mit 170 Plätzen ist in Vorbereitung, wie der Landkreis am Freitagvormittag bei einem Pressegespräch mitteilte.
Der Landkreis hat erst einmal für ein Jahr eine 800 Quadratmeter große Gewerbe-Immobilie an der Visbeker Straße in Wildeshausen angemietet, die seit Anfang des Jahres leer stand. Früher befand sich dort eine Gardinenfabrik, später dann unter anderem eine Kaffeerösterei und ein Pflegedienst. Diese Woche wurde die Einrichtung mit Betten abgeschlossen. „Wir werden das Gebäude kurzfristig belegen“, sagte Christiana Dölemeyer vom Amt für Teilhabe und Soziale Sicherung. In den ehemaligen Büros wurden Schlafplätze eingerichtet. Außerdem sind Holzkabinen errichtet worden, die einen größeren Raum unterteilen und für etwas Privatsphäre sorgen. Duschen, WC-Anlagen und Waschmaschinen befinden sich in Containern auf dem Hof. Das Gebäude verfügt über eine große Küche. Die Ausschreibung für Essens-Lieferungen läuft. „Für eine Notunterkunft ist das schon ein hoher Standard, verglichen mit anderen derartigen Einrichtungen“, sagte Landrat Christian Pundt. „Aber es ist ganz klar kein Luxus.“
Die dritte Notunterkunft soll der ehemalige Elektro-Fachmarkt, später Impfzentrum, am Westring werden. Dort sollen dann 170 Plätze zur Verfügung stehen. Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis das Gebäude entsprechend hergerichtet ist. Sanitär-Container stehen allerdings schon bereit. Beide Unterkünfte werden gemeinsam von den Maltesern und Johannitern organisiert.
Die erste Notunterkunft in der Kreisstadt war schon im März in Betrieb gegangen. Es handelt sich um das Haus Ammerland auf dem Gelände der Diakonie Himmelsthür, um das sich die Malteser kümmern. Dort stehen 180 Plätze zur Verfügung, von denen zurzeit 167 belegt sind. Der Landkreis betreibt mit dem DRK noch eine weitere, vierte Notunterkunft in Hude mit 140 Plätzen, von denen 118 belegt sind.
1.243 neue Flüchtlinge bis Ende März
Angesichts der knappen Kapazitäten und der neuen Zuweisung des Landes über 1.243 Flüchtlinge bis Ende März hatte sich der Landkreis entschlossen, die zwei zusätzlichen Notunterkünfte in Betrieb zu nehmen. Die Menschen kommen dort unter und werden dann auf alle Gemeinden im Landkreis verteilt, wenn sie denn über freien Wohnraum verfügen. Die Notunterkünfte in Wildeshausen sind also nur zu einem kleinen Teil mit Personen belegt, die dauerhaft in der Kreisstadt bleiben werden. Aber: „Wir sehen eine deutliche Anspannung im Wohnungsmarkt“, erklärte Landrat Pundt den weiteren Grund für die Aktivierung zweier zusätzlicher Notunterkünfte.
Seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine sind mindestens 1.602 Ukrainer in den Landkreis Oldenburg geflüchtet. Hinzu kommen aktuell 387 Asylsuchende aus anderen Regionen der Welt, zum Beispiel ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr aus Afghanistan. Insgesamt knapp 2.000 Menschen, für die es bislang ganz gut gelungen ist, Wohnraum zu finden.
In der Flüchtlingskrise 2015/16 mussten die Menschen in Turnhallen übernachten. „Das wollen wir dieses Mal unbedingt vermeiden“, betonte Pundt. „Es wäre ein fatales Signal für die Kinder und Jugendlichen, wenn wir diese Hallen schließen würden.“ Das sei auch ein Beitrag zum sozialen Frieden.
Der Landrat warb energisch dafür, bei der künftigen Verteilung von Flüchtlingen durch das Land die bisherigen Leistungen der Landkreise sowie deren individuelle Lage zu berücksichtigen. Zurzeit werden die Menschen nach dem sogenannten Königssteiner Schlüssel je nach Bevölkerungszahl verteilt. Der Landkreis Oldenburg sei eine wachsende Region und stehe wegen der zusätzlichen Personen noch einmal stärker unter Druck, sagte Pundt. Er forderte, dass Landkreise mit schrumpfender oder gleichbleibender Bevölkerung mehr Flüchtlinge aufnehmen sollten. Außerdem gebe es immer noch Kommunen, die ihre Verteilquoten nicht erfüllt hätten. Diese sieht er in der Pflicht. „Wir hier im Landkreis Oldenburg müssen schauen, dass wir unsere Belastungsgrenze nicht überschreiten.“
Finanziell ist die Unterbringung der Menschen bisher für den Landkreis gut zu managen. Pundt geht davon aus, dass bis zum Ende des Jahres Kosten in Höhe von knapp einer Million Euro für die Notunterkünfte angefallen sein werden: für Miete, einmalige Anschaffungen und laufende Ausgaben. „Wir halten die Kosten wirklich gering“, sagte der Landrat.
Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski lobte die Kooperation der Stadt, aber auch der anderen Kommunen mit dem Landkreis. „Wir sind dankbar, dass der Kreis die Aufnahme der Flüchtlinge zu einer Gemeinschaftsaufgabe gemacht hat“, sagte er. Sozialdezernent Jürgen Ohlhoff hob hervor, dass die Integration ohne Ehrenamtliche nicht zu bewältigen sei. Und Pundt ergänzte, dass „gerade gestern kam noch eine Anfrage einer Person, die zwei Zimmer in ihrem Haus zur Verfügung stellen wollte. Diesen Willen in der Gesellschaft müssen wir unbedingt erhalten.“


