VonMarc Lentvogtschließen
Am 9. Oktober wählt Niedersachsen ein neues Landesparlament. Wir wollten von den Parteien wissen, wie sie dem Fachkräftemangel entgegenwirken wollen.
Ausländische Bildungsabschlüsse werden oft nicht oder nur langsam anerkannt. Kann das Land sich die hohen bürokratischen Hürden angesichts des Fachkräftemangels noch leisten?
Sie möchten die Kandidaten oder die Meinungen der Parteien zu anderen Fragen kennenlernen? In unserem Übersichtsartikel zur Niedersachsen-Wahl 2022 finden Sie alle relevanten Inhalte.
Eine Erläuterung und Wahlkreiseinteilung finden Sie am Ende dieses Artikels.
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Gemeinsame Antwort aller Kandidaten Nein und bereits in den letzten Jahren sind erhebliche Kraftanstrengungen in allen Politikbereichen unternommen worden, um Verfahren zu beschleunigen und von bürokratischen Hürden zu befreien. Wir benötigen die Zuwanderung und damit die Anerkennung der im Ausland erworbenen Qualifikationen. Hier muss das Land als Arbeitgeber attraktiv sein.
In den vergangenen Jahren wurden diverse Lockerungen getroffen, um den Einstieg und auch Quereinstieg zum Beispiel in schulische oder pädagogische Berufe zu erleichtern. Diesen Weg wollen und müssen wir weitergehen. Bestehende Hürden sollen minimiert werden, gleichzeitig aber soll auch darauf Wert gelegt werden, dass die hohe Qualität der niedersächsischen und deutschen Ausbildungen und universitären Abschlüsse auch gewahrt wird. Ein Spagat, der immer wieder neu austariert werden muss.
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)
Volker Meyer (WK 40) Wir haben als CDU in der laufenden Wahlperiode den Kultusminister mehrfach aufgefordert, hier die Hürden zu senken. Wir wollen als CDU im Rahmen der eigenverantwortlichen Schule den Schulleitern Möglichkeiten an die Hand geben, dass sie bei Einstellungen von ausländischen Lehrkräften mitentscheiden und das Votum des Schulleiters etwaige andere Formalien ersetzt.
Die Verfahren müssen zudem schneller bearbeitet und gegebenenfalls sollten über Fortbildungen und Zusatzqualifikationen Lücken berufsbegleitend – zum Beispiel über eine Einstellung als pädagogischer Mitarbeiter oder Vertretungslehrkraft – geschlossen werden.
Bündnis 90 / Die Grünen
Ann-Sophie Wiek (WK 39) Der Fachkräftemangel ist schon jetzt ein wesentliches Hemmnis unserer wirtschaftlichen Entwicklung, und er wird zunehmen: In den nächsten 15 Jahren erreichen 12,9 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Rentenalter, und es kommen wesentlich weniger nach. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass ausländische Abschlüsse wesentlich schneller und unbürokratischer anerkannt werden.
Viele Ausbildungsberufe in Deutschland sind aber gar nicht reglementiert. Das heißt: Wer als Maurer*in oder Bäcker*in arbeiten will und im Ausland entsprechende Qualifikationen erworben hat, braucht keine formale Anerkennung eines Berufsabschlusses. Deshalb sind auch die Kammern in der Pflicht, die vorhandenen Qualifikationen unbürokratisch zu prüfen und zu zertifizieren.
Freie Demokraten (FDP)
Marco Genthe (WK 40) Unsere Gesellschaft ist auf Zuwanderung angewiesen. Die Folgen des Fachkräftemangels sind bereits jetzt spürbar, und wenn wir diesem durch qualifizierte Zuwanderung nicht begegnen, ist unser Wohlstand gefährdet. Als FDP-Fraktion setzen wir uns bereits seit Jahren für Menschen ein, die als Flüchtlinge gekommen waren und jetzt durch gute Sprachkenntnisse, die Aufnahme einer Arbeit und einem straffreien Leben zeigen, dass sie ein Teil von uns sein wollen. Dafür benötigen wir ein völlig neues Zuwanderungsrecht mit einem Punktesystem nach dem Vorbild erfolgreicher Einwanderungsländer. Zudem wollen wir die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse sowohl auf Bundesebene als auch im Rahmen der Länderzuständigkeit vereinfachen, um Fachqualifikationen aus dem Ausland unkomplizierter nutzen zu können.
Alternative für Deutschland (AfD)
Gemeinsame Antwort der Kandidaten Fachkräfte aus anderen Ländern abzuwerben oder anzulocken, schadet den Ländern, die diese für ihren eigenen Aufbau dringend bräuchten. Wenn wir alle Ärzte aus Syrien oder Afghanistan „abziehen“, wer versorgt dann die Menschen in diesen Ländern? Wenn wir es nicht schaffen, unser demografisches Problem zu lösen, werden wir dies auf Dauer auch nicht mit immer mehr und billigeren Arbeitskräften kompensieren können. Wir müssen wieder ein kinderfreundliches Land werden und die eigenen, bereits vorhandenen Menschen aus der Arbeitslosigkeit, aus Hartz IV und aus den Verwaltungsapparaten wieder in die Arbeit kommen.
Fördern und Fordern – statt überbordende Einwanderung! Im BFQG werden die Voraussetzungen für die Berufszulassung in reglementierten Berufen geprüft. Zur Sicherung der eigenen Standards halten wir dieses Verfahren für unerlässlich.
Die Linke
Sebastian Kuhlmann (WK 38) Wir brauchen dringend mehr Fachkräfte in Deutschland. Umso unverständlicher ist es, dass hohe Bildungsabschlüsse hierzulande oft nicht anerkannt werden. Solange die jeweiligen Abschlüsse mit unseren Standards Bestand haben, müssen dafür auch Bescheinigungen ausgestellt werden. Fraglich ist allerdings, ob wir dem Ausland seine Fachkräfte weiter abwerben sollten, dort werden sie nämlich auch händeringend benötigt. Vielmehr müssen wir es, besonders für junge Menschen, attraktiver machen, einen anspruchsvollen Beruf zu erlernen. Das bedeutet: bessere Arbeitsbedingungen und mehr Entlohnung in der Ausbildung und im Beruf! Das muss uns unsere Zukunft wert sein! Als verantwortliche Partei würden wir hier auf Landesebene Fonds einrichten, um dem Mittelstand dabei unter die Arme zu greifen.
Erläuterung und Wahlkreiseinteilung
Am 9. Oktober wählt Niedersachsen ein neues Landesparlament. Der Landkreis Diepholz ist auf vier Wahlkreise aufgeteilt (38-41). Die Redaktion hat allen Parteien, die in allen vier Wahlkreisen Direktkandidaten stellen, landespolitischen Fragen gestellt. Die Parteien konnten selbst entscheiden, ob sie als Partei mit einer Stimme antworten, oder die Fragen unter ihren Kandidaten aufteilen.
Wahlkreis 38, Nienburg/Schaumburg mit Wagenfeld und Kirchdorf. Wahlkreis 39, Nienburg-Nord mit Bruchhausen-Vilsen. Wahlkreis 40, Syke mit Bassum, Syke, Stuhr und Weyhe. Wahlkreis 41, Diepholz mit Diepholz, Sulingen, Twistringen, Altes Amt Lemförde, Barnstorf, Rehden, Schwaförden und Siedenburg.
Rubriklistenbild: © Christian Ohde/IMAGO
