VonMarc Lentvogtschließen
Am 9. Oktober wählt Niedersachsen ein neues Landesparlament. Sportunterricht fällt oft aus oder findet in maroden Hallen statt. Wie steuern die Parteien gegen?
In Deutschland gibt es immer mehr dicke Kinder. Sportunterricht gilt als wichtig, in der Realität fällt er aber häufig aus oder findet, wenn überhaupt, in maroden Hallen statt. Wie wollen Sie dagegen steuern?
Sie möchten die Kandidaten oder die Meinungen der Parteien zu anderen Fragen kennenlernen? In unserem Übersichtsartikel zur Niedersachsen-Wahl 2022 finden Sie alle relevanten Inhalte.
Eine Erläuterung und Wahlkreiseinteilung finden Sie am Ende dieses Artikels.
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Gemeinsame Antwort aller Kandidaten Insbesondere durch die Corona-Pandemie ist leider sehr deutlich zu erkennen, dass junge Menschen sich zu wenig bewegt haben und der Anteil an übergewichtigen Kindern zugenommen hat. Die Lösung dieses Problems darf nicht allein der Schule zugeschrieben werden, es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Sozialministerin Daniela Behrens und Kultusminister Grant Hendrik Tonne haben das Aktionsprogramm „Startklar“ aufgelegt, mit dem in der Schule und außerhalb der Schule dem Thema Bewegung eine große Rolle eingeräumt wird. Zusammen mit dem Landessportbund werden erhebliche Millionenbeträge für zusätzliche Angebote auf den Weg gebracht. Das gilt ebenso für zusätzliche Schwimmkurse. Bauminister Olaf Lies und Innenminister Boris Pistorius unterstützen zusätzlich mit investiven Geldern, um unter anderem Sporthallen zu renovieren.
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)
Marcel Scharrelmann (WK 41) Die Sportförderung muss in Niedersachsen wieder einen anderen Stellenwert bekommen. Über 2,5 Millionen Bürgerinnen und Bürger engagieren sind zumeist ehrenamtlich in den Sportvereinen. Um den Folgen der Pandemie entgegenzuwirken und allen Kindern und Jugendlichen ein Sportangebot in der Schule und in der Freizeit anbieten zu können, wollen wir die bestehende Sportstättenförderung in Niedersachsen ausweiten, um die Kommunen aktiv zu unterstützen.
Viele Sport- und auch Schwimmstätten weisen aktuell oder in den kommenden Jahren einen Sanierungsbedarf auf, der angegangen werden muss. Die Vorteile von Sport, die Förderung der Gemeinschaft und des Ehrenamts und die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit und Entwicklung müssen wieder mehr in den Mittelpunkt rücken und die notwendigen Mittel verstetigt werden. Sport ist ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft und muss auch so finanziell unterstützt werden.
Bündnis 90 / Die Grünen
Ann-Sophie Wiek (WK 39) Neben der möglichst schnellen Behebung des aktuellen Lehrer*innenmangels möchte ich mich dafür einsetzen, das Sport- und Bewegungsangebot im gebundenen Ganztagsunterricht durch die Kooperation mit Sportvereinen zu verbessern. Dafür brauchen die eigenverantwortlichen Schulen mehr Entscheidungskompetenzen und Verlässlichkeit.
Die Sporthallen sind im Eigentum der Kommunen, die unter anderem deshalb nicht die nötigen Mittel haben, um sie gut auszustatten und zu sanieren, weil die Landeszuweisungen an die Kommunen in Niedersachsen deutlich unterhalb des Durchschnitts der westlichen Flächenländer liegen. Das muss sich aus meiner Sicht ändern. Wir müssen daher den Kommunalen Finanzausgleich deutlich erhöhen.
Psychisch betrachtet ist es mir wichtig, den Kindern und Jugendlichen Spaß und Freude an der Bewegung zu vermitteln. Es sollte sich niemand im Sportunterricht schämen müssen, nur so können wir nachhaltig die Gesundheit fördern.
Freie Demokraten (FDP)
Marco Genthe (WK 40) Wir wollen die Förderung des Sports in Niedersachsen verstetigen und ausbauen. Dazu gehört für uns die Verstärkung der Investitionen in die Sanierung von Sportstätten – insbesondere Schwimmbädern – und die Förderung von modernen Sportstätten mit barrierefreien Zugängen und gesenktem Energieverbrauch.
Wir werden die Vereine dabei unterstützen, Mitglieder und Angebote nach Ende der Pandemie wiederaufzubauen, damit den Menschen wieder ein breites Angebot gemacht werden kann. Wir wollen den Schulsport als zentrales Element des schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrags stärken. Wir sehen das Land in der Verantwortung, dass die Vorgabe, dass jedes Kind am Ende der Grundschulzeit schwimmen kann, auch erfüllt wird. Und wir wollen die Kooperation von Schulen und Vereinen im Ganztagsbereich ausbauen.
Alternative für Deutschland (AfD)
Gemeinsame Antwort aller Kandidaten In Deutschland gibt es nicht nur zunehmend dicke Kinder, sondern auch gehäuft kranke Kinder. Insbesondere die Coronamaßnahmen haben unsere Kinder besonders stark belastet. Kinder leiden mehr unter den Freiheits- und Kontakteinschränkungen als die politischen Auslöser dieser Maßnahmen sich vorstellen können. Besonders der überbordende und sinnlose Maskenzwang führt zu seelischen und gesundheitlichen Schäden.
Der Ausfall des Sportunterrichtes und der Zustand der Sportanlagen sind eine Schande für Niedersachsen. Kinder sind unsere Zukunft und sollten oberste Priorität haben. Die schulische Infrastruktur muss Vorrang haben vor Klima- und Weltrettungsfantasien. Erst unsere Kinder und dann unser Land.
Die LInke
Sebastian Kuhlmann (WK 38) Das Problem ist hier die unzureichende Finanzierung vonseiten des Landes. Kreissportstätten gibt es meist nur in größeren Orten, auf dem Land bleiben die ohnehin schon extrem verschuldeten Kommunen auf den Kosten sitzen.
Das muss sich sofort ändern! Das Land Niedersachsen muss Sportstätten im ganzen Land fördern und damit auch Sportangebote für junge Menschen unterschwelliger, das heißt günstiger oder sogar kostenlos anbieten. Nur die wenigsten Beziehenden von Hartz IV können sich eine Mitgliedschaft im Verein leisten, das darf so nicht sein. Außerdem muss den Kommunen mehr Geld für die Aufrechterhaltung der Sportinfrastruktur zugewiesen werden.
Erläuterung und Wahlkreiseinteilung
Am 9. Oktober wählt Niedersachsen ein neues Landesparlament. Der Landkreis Diepholz ist auf vier Wahlkreise aufgeteilt (38-41). Die Redaktion hat allen Parteien, die in allen vier Wahlkreisen Direktkandidaten stellen, landespolitischen Fragen gestellt. Die Parteien konnten selbst entscheiden, ob sie als Partei mit einer Stimme antworten, oder die Fragen unter ihren Kandidaten aufteilen.
Wahlkreis 38, Nienburg/Schaumburg mit Wagenfeld und Kirchdorf. Wahlkreis 39, Nienburg-Nord mit Bruchhausen-Vilsen. Wahlkreis 40, Syke mit Bassum, Syke, Stuhr und Weyhe. Wahlkreis 41, Diepholz mit Diepholz, Sulingen, Twistringen, Altes Amt Lemförde, Barnstorf, Rehden, Schwaförden und Siedenburg.
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