Landtagswahl 2022 ‒ Hat Massentierhaltung eine Zukunft?

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Am 9. Oktober wählt Niedersachsen ein neues Landesparlament. Glauben die Parteien, dass Niedersachsen auch in Zukunft auf Massentierhaltung setzen soll?

Niedersachsen ist das Zentrum der Massentierhaltung. Fleischfabriken schaden den Tieren, der Umwelt, dem Klima und der Artenvielfalt. Wäre es nicht höchste Zeit, Massentierhaltung abzuschaffen?

Sie möchten die Kandidaten oder die Meinungen der Parteien zu anderen Fragen kennenlernen? In unserem Übersichtsartikel zur Niedersachsen-Wahl 2022 finden Sie alle relevanten Inhalte.

Eine Erläuterung und Wahlkreiseinteilung finden Sie am Ende dieses Artikels.

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

Gemeinsame Antwort aller Kandidaten Wir tun gut daran, nicht mit Wörtern um uns zu schmeißen, ohne ausreichend zu differenzieren. Neue, moderne und große Ställe haben häufig bessere Haltungsbedingungen für Tiere im Vergleich zu älteren, kleineren und oftmals dunkleren Ställen. Selbstverständlich muss die Tierhaltung den Tieren angemessen ausgestaltet sein und gleichzeitig möglichst klima- und umweltschonend sein.

Gesundes Essen wiederum muss für alle Bürgerinnen und Bürger auch bezahlbar bleiben. Durch ein striktes Verbot würde den Konsumenten und den Landwirten massiv geschadet werden, den Tieren aber nicht automatisch geholfen. Unser Ansatz verfolgt den Weg für mehr Respekt und Wertschätzung von Lebensmitteln, das kann nur durch faire Preise und Transparenz erreicht werden.

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

Dr. Frank Schmädeke (WK 39) Viele Landwirte erzeugen bereits Milch, Fleisch und Eier über den gesetzlichen Mindeststandards. Weidehaltung von Kühen und Rindern ist deutlich angestiegen und Freilandhaltung von Legehennen hat zugenommen. Pauschal von „Massentierhaltung“ zu sprechen, wird der Vielfalt unserer Landwirtschaft nicht gerecht.

Wir brauchen noch mehr Tierwohl in den Ställen und wollen mehr gesellschaftliche Akzeptanz. Wir in Niedersachsen haben maßgeblich das Konzept der sogenannten „Borchert-Kommission“ mitgestaltet, dass ein Tierwohl-Label fordert, Planungssicherheit für Landwirte bringen soll, die ihre Stallungen tiergerecht umbauen, ein verlässliches Finanzierungskonzept beinhaltet, um Tierwohl fair zu honorieren und Anpassung des Bau- und Immissionsschutzrechtes ermöglicht, um neue Ställe zu bauen. Der Bund ist gefordert, dieses Konzept umzusetzen!

Bündnis 90 / Die Grünen

Dr. Burkhard Bauer (WK 38) Unser Ziel muss es sein, zu einer flächengebundenen Tierhaltung zurückzukommen. Die Flächenbindung wurde seinerzeit durch den damaligen Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer (CSU) abgeschafft. Dadurch war es möglich, auch auf kleinen Flächen viele Tiere zu halten, ohne die damit verbundenen Umweltbelastungen zu berücksichtigen. Die Konsequenzen dieser Haltungsform werden im nordwestlichen Niedersachsen besonders deutlich, wo Luft, Böden und Wasser durch Ausscheidungen massiv belastet sind.

Die Nitratbelastungen des Grundwassers haben zu einer Situation geführt, bei der die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet hat, dass bei einer zu erwartenden Verurteilung zu täglichen Strafzahlungen von mehr als 800 000 Euro führen würde. Ohne Unterstützung der Landwirte würde es zu einer unverhältnismäßigen existenziellen Belastung der Betriebe kommen.

Freie Demokraten (FDP)

Marco Genthe (WK 40) Als Freie Demokraten fühlen wir uns der Verantwortung gegenüber Tieren und unserer Umwelt besonders verbunden. Ein generelles Verbot konventioneller Tierhaltung in Niedersachsen würde dieser Verantwortung jedoch in keinster Weise gerecht werden, sondern die vorhandene Nachfrage lediglich auf Importprodukte lenken, deren Herstellungsprozess sich mitunter unserer Qualitätskontrolle entzieht.

Dabei darf auch nicht außer Acht gelassen werden, dass die konventionelle Tierhaltung für viele Menschen in Niedersachsen die wirtschaftliche Lebensgrundlage darstellt, radikale Einschnitte somit auch mit schwerwiegenden sozialen Folgen einhergehen würden. Daher plädieren wir für eine schrittweise Verbesserung von Haltungsbedingungen unter Einbeziehung der Verbraucher, Händler und der Landwirtschaft, wie es sich in unserem Konzept des bundesweiten Tierwohl-Fonds widerspiegelt.

Alternative für Deutschland (AfD)

Gemeinsame Antwort aller Kandidaten In Deutschland leben zur Zeit 83,7 Millionen Menschen auf einem Territorium, welches für 70 Millionen Menschen gesund geeignet ist. Unsere Ballungsräume werden zu Massenräumen. Diese Menschenmassen benötigen gesunde und nachhaltige Lebensmittel. Die deutsche Tierhaltung zur Nahrungsversorgung ist international vorbildlich und modern.

Wir treiben in die schwerste Energiekrise Deutschlands seit 1948. Das macht eine Sicherstellung der Ernährung in Niedersachsen zu einem Hauptziel der handelnden Politik. In dieser Situation die Massentierhaltung infrage zu stellen, wirkt grün-skurril und ist politisch verantwortungslos.

Die AfD steht für Versorgungssicherheit und die Unabhängigkeit in der deutschen Fleischproduktion in Niedersachsen!

Die Linke

Jürgen Abelmann (WK 40) An Landwirte werden heute eine Vielzahl von Anforderungen gestellt. Sie sollen unter anderem ökologisch nachhaltig produzieren und zugleich wirtschaftlich arbeiten. Durch den großen Preisdruck durch Konzerne und die starke Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels sind viele Landwirt*innen zur Massentierhaltung gezwungen, um ihre Betriebe erhalten zu können. Um die dörflichen Strukturen zu erhalten, können Veränderungen nur gemeinsam mit den Landwirten erfolgen. Landwirt*innen brauchen eine Perspektive für ihre Betriebe. Dazu gehören vor allem faire Erzeugerpreise und ein effektiver Schutz gegen Landgrabbing. Generell sollte gelten: Qualität vor Quantität!

Der Fleischkonsum insgesamt ist zu hoch. Wenn wir Fleisch etwas bewusster verzehren würden, könnte die Massentierhaltung schon deutlich verringert werden.

Erläuterung und Wahlkreiseinteilung

Am 9. Oktober wählt Niedersachsen ein neues Landesparlament. Der Landkreis Diepholz ist auf vier Wahlkreise aufgeteilt (38-41). Die Redaktion hat allen Parteien, die in allen vier Wahlkreisen Direktkandidaten stellen, landespolitischen Fragen gestellt. Die Parteien konnten selbst entscheiden, ob sie als Partei mit einer Stimme antworten, oder die Fragen unter ihren Kandidaten aufteilen.

Wahlkreis 38, Nienburg/Schaumburg mit Wagenfeld und Kirchdorf. Wahlkreis 39, Nienburg-Nord mit Bruchhausen-Vilsen. Wahlkreis 40, Syke mit Bassum, Syke, Stuhr und Weyhe. Wahlkreis 41, Diepholz mit Diepholz, Sulingen, Twistringen, Altes Amt Lemförde, Barnstorf, Rehden, Schwaförden und Siedenburg.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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