VonMarc Lentvogtschließen
Am 9. Oktober wählt Niedersachsen ein neues Landesparlament. Welche Ideen haben die Parteien, damit Landwirte mehr am von ihnen produzierten Fleisch verdienen?
Immer mehr Landwirte geraten in Existenznot. 1,52 Euro erhalten sie zum Beispiel für ein Kilo Schweinefleisch – der Verbraucher zahlt 7,18 Euro: Was wollen Sie gegen solche Missverhältnisse wie diese ganz konkret tun?
Sie möchten die Kandidaten oder die Meinungen der Parteien zu anderen Fragen kennenlernen? In unserem Übersichtsartikel zur Niedersachsen-Wahl 2022 finden Sie alle relevanten Inhalte.
Eine Erläuterung und Wahlkreiseinteilung finden Sie am Ende dieses Artikels.
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Gemeinsame Antwort aller Kandidaten Viel zu lange konnte ein zu großer Druck auf die Landwirte ausgeübt werden, viele geraten dadurch in Existenznot. Wir müssen hier gegensteuern und einen verlässlichen Pfad zu mehr Fairness und Transparenz in der Wertschöpfungskette entwickeln, der allen ein angemessenes Auskommen bietet, hochwertige Lebensmittel und Rohstoffe gewährleistet und die Verbesserung von Klima, Umwelt, Tierwohl und sozialen Standards in den Blick nimmt.
Wichtig ist uns hierbei auch, die Menschen an dem Prozess zu beteiligen und besser zu beraten. Wir werden die Beratungsangebote in den Bereichen der Chancen und Einkommenspotenziale der Energiewende und Klimaschutzbemühungen, der regionalen Direktvermarktung, aber auch in sozialen Fragestellungen (Hofnachfolge) ausbauen. Die Landwirte sollen sich auf gegebene Zusagen langfristig verlassen können.
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)
Heinrich Kruse (WK 38) Der Schweinepreis hat zuletzt aufgrund des knappen Angebotes auf circa zwei Euro angezogen, diese Entwicklung muss weiter unterstützt werden. Zahlreiche Verarbeitungsschritte zwischen Landwirt und Endverbraucher erklären, warum Verbraucher mehr zahlen, als Landwirte erhalten: Die Kosten für Transport, Schlachtung, Zerlegung, Verarbeitung, Kühlung und Verkauf im Einzelhandel lassen sich nicht wirklich transparent nachvollziehen. Darum werden wir die intransparenten Handelsspannen genauer in den Blick nehmen und prüfen, wo das Ungleichgewicht zum Nachteil der Landwirte entsteht.
Wichtigstes Instrument gegen missbräuchliches Verhalten ist das Wettbewerbsrecht. Kartellamt und Bundesgesetzgeber sind gefordert. Sie müssen für Transparenz am Markt sorgen und das Wettbewerbsrecht nachschärfen, um die Position der Landwirte auf dem Schweinemarkt zu stärken.
Bündnis 90 / Die Grünen
Dr. Burkhard Bauer (WK 38) Die aktuelle Situation wird vom Lebensmitteleinzelhandel ausgenutzt. Gleichzeitig erleben wir einen signifikanten Anstieg von Kosten für Tierfutter und Energie. Dazu kommt der Ausbruch der ASP (Afrikanische Schweinepest, Anm. d. Red.).
Als erste Maßnahmen muss eine Tierhaltungskennzeichnung eingeführt werden. Die Herkunft von Fleisch sollte ebenfalls verpflichtend gekennzeichnet werden. Anstelle von Weizen sollten Roggen oder Triticale als Futter eingesetzt werden, um die Produktionskosten zu senken. Schließlich müssen wir vor allem aus dem unabdingbaren Umbau unserer Formen der Tierhaltung aus Umweltschutzgründen gemeinsam mit den Produzenten diesen Umbau anstreben.
Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe mit dem Ziel, die Umweltbelastungen zu reduzieren. Die Akzeptanz der Produzenten wird durch eine faire Honorierung der Leistungen für eine ökologische Wiederherstellung ländlicher Kulturlandschaften angestrebt.
Freie Demokraten (FDP)
Marco Genthe (WK 40) Um den Ausgleich der Wettbewerbsnachteile und die Transformation der Tierhaltung verlässlich zu finanzieren, setzen wir auf einen bundesweiten Tierwohl-Fonds, der sich durch eine zweckgebundene Tierwohlabgabe auf Fleischprodukte speist.
Dabei muss sichergestellt sein, dass diese Mittel dann auch tatsächlich bei den Tierhaltern ankommen. Hier ist der Lebensmitteleinzelhandel in der Verantwortung, die Belastung für den Kunden so gering wie möglich zu halten. Am besten wäre es, er würde die Mehrkosten komplett tragen.
Gleichzeitig muss eine Angleichung der Tierwohlstandards im Rahmen der Europäischen Union in Angriff genommen werden, um Wettbewerbsnachteile und einen europäischen Unterbietungswettbewerb zu vermeiden.
Alternative für Deutschland (AfD)
Gemeinsame Antwort aller Kandidaten Dass immer mehr Landwirte in Niedersachsen in Existenznot geraten, ist der katastrophalen Politik der Altparteien geschuldet. Man denkt global, die landwirtschaftlichen Regionen verkümmern.
Bei den steigenden Energiepreisen, als Folge der Energiewende, kann kein deutscher Landwirt in Niedersachsen konkurrenzfähig und rentabel gesunde Lebensmittel produzieren. Bei den unglaublichen Auflagen für unsere Agrarwirtschaft kann kein Landwirt in Niedersachsen frei wirtschaften.
Nur WENIGER politisch-bürokratische Eingriffe in die Landwirtschaft helfen unseren Bauern. Lassen wir unserer Landwirtschaft die Luft zum freien Wirtschaften und kappen wir die bürokratische Überregelung aus Brüssel. Lokal statt global!
Die Linke
Michael Barth (WK41) Die Linke setzt sich für eine aktive Unterstützung von Landwirt*innen bei einer profitablen Direktvermarktung ein. Lebensmittel sollen vor allem vor Ort verkauft werden. Öffentliche Einrichtungen sollen die Zutaten für ihre Kantinen möglichst aus regionaler Landwirtschaft beziehen. So wollen wir die Landwirt*innen in ihrer Unabhängigkeit von den Discountern, Tönnies und so weiter unterstützen. Sie dürfen nicht dem Preisdiktat dieser Konzerne überlassen werden.
Analog dem Mindestlohn brauchen wir Mindesterzeugerpreise. Gerechte Erzeugerpreise sind die Grundvoraussetzung für mehr Tierwohl und gute Löhne in der Landwirtschaft. Diese müssen gegen die Interessen dieser Konzerne durchgesetzt werden. In der Coronakrise gehörten gerade Aldi, Rewe und Co. zu den großen Gewinnern!
Erläuterung und Wahlkreiseinteilung
Am 9. Oktober wählt Niedersachsen ein neues Landesparlament. Der Landkreis Diepholz ist auf vier Wahlkreise aufgeteilt (38-41). Die Redaktion hat allen Parteien, die in allen vier Wahlkreisen Direktkandidaten stellen, landespolitischen Fragen gestellt. Die Parteien konnten selbst entscheiden, ob sie als Partei mit einer Stimme antworten, oder die Fragen unter ihren Kandidaten aufteilen.
Wahlkreis 38, Nienburg/Schaumburg mit Wagenfeld und Kirchdorf. Wahlkreis 39, Nienburg-Nord mit Bruchhausen-Vilsen. Wahlkreis 40, Syke mit Bassum, Syke, Stuhr und Weyhe. Wahlkreis 41, Diepholz mit Diepholz, Sulingen, Twistringen, Altes Amt Lemförde, Barnstorf, Rehden, Schwaförden und Siedenburg.
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