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Am 9. Oktober wählt Niedersachsen ein neues Landesparlament. Wollen die Parteien sich in der Zukunft für mehr LNG-Anlagen einsetzen?
Grüner Treibstoff aus Gülle und Mist für Schwerlast-Fahrzeuge und Busse: Kein Traum, sondern in der LNG-Bioproduktionsanlage Darchau Wirklichkeit – und gelebter Klimaschutz. Setzen Sie sich für weitere Anlagen ein?
Sie möchten die Kandidaten oder die Meinungen der Parteien zu anderen Fragen kennenlernen? In unserem Übersichtsartikel zur Niedersachsen-Wahl 2022 finden Sie alle relevanten Inhalte.
Eine Erläuterung und Wahlkreiseinteilung finden Sie am Ende dieses Artikels.
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Gemeinsame Antwort aller Kandidaten Wir befinden uns derzeit in einem Transformationsprozess hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft. Richtigerweise wird dieser Prozess mit hohem Tempo verfolgt. Derzeit liegen viele verschiedene Vorschläge und Ideen auf dem Tisch, wie bestehende Produktionsanlagen nachhaltiger und intensiver genutzt werden können. Das ist erst einmal gut und richtig.
Auch das genannte LNG-Projekt zeigt sehr deutlich, dass wir nicht die eine Antwort auf die Frage finden werden, wie Klimaschutz bestmöglich umgesetzt werden kann. Wir unterstützen alle Ideen, die uns auch im Rahmen einer Gesamtabwägung voranbringen und keine neuen Nutzungskonflikte an anderer Stelle, wie Flächenverbrauch hervorrufen.
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)
Dr. Frank Schmädeke (WK 39) Die Energiewende kann nur gelingen, wenn wir uns technologieoffen und breit aufstellen. Darum engagiere ich mich mit Blick auf die Dekarbonisierung dafür, dass wir fossile Energieträger durch alle verfügbaren „grünen Energieträger“ ersetzen und dabei regenerativer Strom, grüner Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe und auch Biogas Verwendung finden. „Grüner Treibstoff“ aus Gülle und Mist ist ein unentbehrlicher Baustein, um unsere Klimaziele zu erreichen.
Schon jetzt werden in Niedersachsen 38 Prozent vom Gesamtsubstrateinsatz beim Wirtschaftsdünger zur Strom-, Wärme- und Kraftstofferzeugung genutzt. Nach einem möglichen Auslaufen der Förderung von Biogasanlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz brauchen wir neue Konzepte. Die Steigerung des Einsatzes von Wirtschaftsdünger zur Produktion von Biogasprodukten ist für mich dabei elementar.
Bündnis 90 / Die Grünen
Thomas Heidemann (WK 41) Bisher wird Biogas aus Gülle, Mist, anderen Restsubstraten aber auch aus Mais weit überwiegend verstromt. Das dürfte sich in Zukunft ändern, denn Biomethan ist bestens geeignet, um es mit relativ geringem Aufwand als Bio-LNG zu verflüssigen.
Dieses Bio-LNG kann dann für Bereiche eingesetzt werden, in denen fossiler Treibstoff nicht so einfach durch Strom oder Wasserstoff ersetzt werden kann. Das wird wohl eher der Flugverkehr sein, als Busse oder Schwerlast-LKW. Dafür müssen keine neuen Biogasanlagen gebaut werden, denn die Änderung der Nutzung des produzierten Biogases ist auch bei bestehenden Anlagen möglich.
Ich bin sehr dafür, alle geeigneten Restsubstrate für die Produktion von Biogas zu nutzen. Bei der Biogasproduktion aus eigens dafür angebauten Pflanzen ist die Grenze aber erreicht, wir brauchen die Flächen für Nahrungsmittel.
Freie Demokraten (FDP)
Marco Genthe (WK40) Im Gegensatz zu anderen politischen Mitbewerbern setzen wir bei der effektiven Reduzierung von Treibhausgasemissionen auf technischen Fortschritt und Technologieoffenheit. Wir sehen es als staatliche Kernaufgabe an, innovative Projekte zu unterstützen und attraktive Rahmenbedingungen für Pilotprojekte zu schaffen.
Insbesondere mit Blick auf die effiziente Nutzung von Ressourcen, stehen wir der LNG-Biogasproduktion offen gegenüber und sind der Meinung, dass Projekte wie dieses einen wichtigen Baustein auf dem Weg zu einer nachhaltig aufgestellten Energieversorgung bilden können.
Alternative für Deutschland (AfD)
Gemeinsame Antwort aller Kandidaten Es geht hier nicht um einige Vorzeigeanlagen, es geht um die Versorgungssicherheit für die Bürger und die Industrie in Niedersachsen. „Grüner Treibstoff“ ist teuer und löst nicht die Probleme der uns beherrschenden Energiekrise. Das Leben muss bezahlbar bleiben, freies Wirtschaften möglich sein. Viele Bürger sind gerade in Sorge, wie sie über den Winter kommen.
Ein gewaltiger Wohlstandsverlust quält unsere Landsleute. Denen helfen jetzt einzelne Prestigeprojekte des links-grünen Klimahypes nicht weiter. In den kommenden Jahren geht es nicht um den globalen Klimaschutz, sondern um die Versorgungssicherheit mit elementaren Gütern/Energie aller Bürger in Niedersachsen.
Die AfD befürwortet dieses Projekt, sieht darin aber nicht die Lösung der aktuellen Energie-und Wirtschaftskrise deren vorrangiges Ziel niedersächsischer Politik sein muss.
Die Linke
Torben Franz (WK 39) Wer in der Kommunalpolitik tätig ist, weiß, dass es große Probleme damit gibt, Gülle und Klärschlamm zu entsorgen, beziehungsweise weiter zu verarbeiten und zu nutzen.
Somit sind neue Methoden und Wege nötig, um hier vorwärtszukommen. Es ist ein gutes Zeichen, dass hier neue Technologien entstehen und Arbeitsplätze geschaffen werden. Hier zeigt sich, dass die Energiewende auch ein Wirtschafts- und Jobmotor werden kann.
Erläuterung und Wahlkreiseinteilung
Am 9. Oktober wählt Niedersachsen ein neues Landesparlament. Der Landkreis Diepholz ist auf vier Wahlkreise aufgeteilt (38-41). Die Redaktion hat allen Parteien, die in allen vier Wahlkreisen Direktkandidaten stellen, landespolitischen Fragen gestellt. Die Parteien konnten selbst entscheiden, ob sie als Partei mit einer Stimme antworten, oder die Fragen unter ihren Kandidaten aufteilen.
Wahlkreis 38, Nienburg/Schaumburg mit Wagenfeld und Kirchdorf. Wahlkreis 39, Nienburg-Nord mit Bruchhausen-Vilsen. Wahlkreis 40, Syke mit Bassum, Syke, Stuhr und Weyhe. Wahlkreis 41, Diepholz mit Diepholz, Sulingen, Twistringen, Altes Amt Lemförde, Barnstorf, Rehden, Schwaförden und Siedenburg.
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