VonGuido Menkerschließen
„Wir packen das“, sagt Eike Holsten (CDU) mit Blick auf die Landtagswahl am 9. Oktober. Seit 2017 gehört der 39-Jährige dem Landtag an, und angesichts der aktuellen Umfragewerte zeigt er sich zuversichtlich, sein Direktmandat verteidigen zu können. Einen Plan B hat er nicht.
Rotenburg – Eike Holsten muss nicht lange überlegen: „Klar, die Familie steht bei mir an erster Stelle.“ Zusammen mit seiner Frau Katrin hat er drei Kinder – zwei Mädchen im Alter von zwei und neun Jahren sowie einen sechsjährigen Sohn. Welchen Ort also würde sich der Christdemokrat wohl für das Porträt-Gespräch mit und über ihn als Landtagskandidat aussuchen? Er hat sich für den Bauwagen des Naturkindergartens in der Ahe entschieden. Ein Ort, der für ihn und zugleich für seine Familie seit inzwischen acht Jahren eine große Rolle spielt.
Die Kulisse des Ahewaldes kann der Mann, der seit fünf Jahren für die CDU im Niedersächsischen Landtag sitzt, nahezu jeden Morgen genießen – immer dann nämlich, wenn er die Kinder in den Kindergarten beziehungsweise in die Krippe bringt. „Es ist ein besonderer Ort für mich“, sagt er und spielt auf die Mischung aus Vogelgezwitscher und Kinderstimmen an. „Ein guter Ort, eine gute Szene, um in den neuen Tag zu kommen.“ Und in den begleitet er den Nachwuchs immer dann, wenn es geht. In der Regel bleibt das Handy so lange im Auto. „Meistens“, sagt er mit einem Schmunzeln.
Holsten selbst ist in Tarmstedt als einer von vier Söhnen eines Jägers und damit im Wald aufgewachsen. Bislang aber ist der 39-Jährige noch nicht Gefahr gelaufen, zur Rotenburger Hochsitz-Fraktion innerhalb der CDU gezählt zu werden. „Keiner von uns Brüdern hat bisher den Jagdschein gemacht. Obwohl das ja zurzeit wieder sehr angesagt ist.“
Die wenige freie Zeit, die ihm neben dem Mandat im Landtag, der Arbeit im Kreistag sowie im Rotenburger Stadtrat und der Familie bleibt, verbringt er seit zweieinhalb Jahren vornehmlich mit Laufen. Alleine, aber viel lieber noch mit der Gruppe von Vätern, die sich über den Naturkindergarten zusammengefunden hat und sich über eine WhatsApp-Gruppe zu den Runden verabredet.
„Ich habe mich immer gefragt, wie es der frühere Landrat Hermann Luttmann geschafft hat, das Laufen in seinen Alltag einzubinden“, sagt Holsten. Inzwischen weiß er aus eigener Erfahrung: „Du bist einfach besser drauf, wenn Du Dich bewegst.“ Auch der vom vielen Sitzen strapazierte Rücken danke es ihm. Es falle ihm inzwischen wesentlich leichter, sein Pensum zu bewältigen, wenn er regelmäßig seine Runden dreht. „Dann fühle ich mich agiler, fit und bin besser gelaunt.“ Das Pensum: Es ist nicht in einer 40-Stunden-Woche zu bewältigen. Jetzt wird es noch einmal intensiver. Der Wahlkampf-Modus ist eingeschaltet, der Kalender entsprechend voll.
Bereits jetzt im August stehen Eike Holsten nur noch wenige freie Abende zur Verfügung. „Der September und auch die letzten Tage vor der Wahl im Oktober sind dicht.“ Weniger Zeit für die Familie, weniger Zeit auch für die Spielrunden, zu denen er sich eigentlich immer gerne mit seinen Brüdern verabredet. Immerhin nimmt er sich die Zeit, um mit den Kindern das ein oder andere Gesellschaftsspiel aus dem Schrank zu ziehen.
„Für viele Menschen ist die Wahl weit weg“, weiß Holsten. 9. Oktober – das klinge nach Herbst. Bei Temperaturen von rund 30 Grad mag daran noch niemand denken. „Aber es sind nur noch acht Wochen“, daher sei es wichtig, rechtzeitig anzufangen. Interviews wie dieses, Besuche, Veranstaltungen und persönliche Werbekampagnen – alles muss passen.
„Wir packen das“, versichert der Mann, der nach seinem Politik-Studium an der Bremer Uni von 2008 bis 2016 für den früheren Bundestagsabgeordneten Reinhard Grindel, danach noch ein Jahr für dessen Nachrückerin Kathrin Rösel im Büro gearbeitet hat.
Mit diesem Hintergrund hat er sich 2017 entschieden, für den Landtag zu kandidieren, um die Nachfolge von Mechthild Ross-Luttmann anzutreten. Es hat geklappt. Bei der Nominierung ließ er zwei Konkurrenten hinter sich. In diesem Jahr war er eigentlich schon mit einer Quote von 100 Prozent von den Mitgliedern des Kreisverbandes der CDU ins Rennen geschickt worden – doch dann kam alles anders. Oyten und Ottersberg wurden dem Wahlkreis Rotenburg 53 zugeschlagen. Alles noch einmal von vorne. Mit elf Stimmen Vorsprung vor Dirk Gieschen bewahrte er sich die Kandidatur. Denkbar knapp war das – von 100 zurück auf 51 Prozent.
„Es hat ein paar Tage gebraucht, aber ich habe das gut verdaut“, sagt Eike Holsten. Der Ottersberger Gieschen hatte auf die Landwirte in der Partei gesetzt, und Holsten weiß, dass die eine besondere Rolle spielen. „Das nehme ich mir zu Herzen.“ In Kooperation mit seinem Landtagskollegen Marco Mohrmann aus dem Nordkreis werde der Anspruch jedoch gut abgebildet.
Jetzt also ist in der Familie Holsten alles auf den 9. Oktober fokussiert. Was aber treibt ihn an? „Ich finde Politik irre spannend. Mit großer Freude an meiner Tätigkeit als Abgeordneter komme ich gut durch den Tag.“ Früher einmal sei er freier Mitarbeiter der Zevener Zeitung gewesen. Schon damals habe er festgestellt, wie gerne er mit anderen Menschen zu tun hat. „Probleme lösen, Leute zusammenbringen – das mache ich gerne.“
Einen Plan B hat Eike Holsten nicht. „Aber nachdem Reinhard Grindel aus dem Bundestag ausgeschieden war, gab es für mich rasant schnell neue Perspektiven.“ Sorgen mache er sich nicht. Viel mehr trage ihn die Zuversicht, es wieder zu packen. Vielleicht über die Liste, aber darauf setzt er nicht. Er will das Direktmandat verteidigen. Vor fünf Jahren hatte er 677 Stimmen mehr als Tobias Koch (SPD), der auch diesmal sein stärkster Konkurrent sein dürfte.
Jetzt im Wahlkampf nutzt der gebürtige Zevener natürlich auch die Sozialen Medien, um die Menschen zu erreichen. „Das ist ganz wichtig, es ist zwingend geboten, das zu machen“, weiß er. Er spricht davon, die Leute direkt erreichen und Botschaften ungefiltert senden zu können. „Man zeigt, dass man sich mit den Themen der Region auseinandersetzt.“
Vor fünf Jahren war Eike Holsten in Hannover ein Newcomer. Ein alter Hase sei er aber auch heute noch nicht. „Die Zeit ist wie im Fluge vergangen“, blickt er auf seine erste Legislaturperiode zurück. Aber er sagt auch: „Ich brauchte nicht wie einige andere erst einmal zwei Jahre, um mich zurechtzufinden.“ Er wisse, wie es funktioniert. „Meine Erfahrung aus der Arbeit mit Reinhard Grindel konnte ich eins zu eins umsetzen.“ Er sei unabhängig davon gleich Teil des Teams geworden. „Man greift sich gegenseitig unter die Arme.“ Und trotz aller derzeit guten Prognosen für den 9. Oktober ruht er sich nicht darauf aus. „Was man selbst für ein gutes Wahlergebnis beitragen kann, sollte man auch tun.“ Und deshalb ist die Zeit fürs Laufen im Ahewald momentan eher knapp bemessen.
Das Ziel des 39-jährigen Politikers aber ist eindeutig: Eike Holsten möchte auch auf der politischen Bühne zum Dauerläufer avancieren – noch eine Runde im Landtag also. Das peilt er an. Es ist sein Plan A. So oder so: Die eigene Familie steht auch nach dem 9. Oktober für ihn an erster Stelle.
