Letzter Feinschliff an den Rotenburger Containern für die Flüchtlinge

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Sobald die Bürocontainer da sind, richten sich Olaf Laudan (v.l.), Nina Müller, Francisco da Rocha und Markus Eggert ihr Büro auf dem Gelände ein. Sie sind die neuen Ansprechpartner für die Flüchtlinge.
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Die ersten Flüchtlinge ziehen kommende Woche am Rotenburger Glummweg ein. Doch bis es soweit ist, müssen noch letzte Details geklärt werden.

Rotenburg – Der Boden rund um die 83 Container auf dem ehemaligen Rathsmann-Grundstück am Rotenburger Glummweg ist gefroren und uneben, aber begehbar. Damit das noch besser funktioniert, soll noch geschottert werden, damit die künftigen Bewohner vernünftig zu ihren Eingängen gelangen können. Ein bisschen Licht fehlt im hinteren Außenbereich auch noch. Doch auch, wenn das Gelände langsam Form annimmt: Es erinnert immer noch an eine Baustelle. Bereits kommende Woche Donnerstag sollen aber die ersten 18 Bewohner aus der Notunterkunft in Visselhövede eintreffen.

Und im Inneren der Container ist dafür alles vorbereitet. Dafür sorgen Ordnungsamtsleiter Thorsten Schiemann und sein Team. Die Räume, mal größer, mal kleiner, um die unterschiedlichen Bedarfe zu decken, sind mit allem Notwendigen für den Start ausgestattet. Direkt am Eingang geht rechts ein kleines Badezimmer ab; Dusche, WC, Waschbecken. Das Wichtige ist vorhanden. Weiter durch den Flur geht es in eine Küchenecke, ausgestattet mit einer kleinen Küchenzeile und dem benötigten Hausrat. Daneben befindet sich der Schlafraum: Schränke, Tische, Betten – auch hier ist das zum Leben Notwendige vorhanden. Die kleineren Container haben keine eigene Dusche, dafür gibt es dann eine gemeinschaftlich nutzbare.

In einem der Zimmer stehen Schiemann und sein Kollege Michael Rothammel mit Mutterhaus-Vorstand Matthias Richter. Das Mutterhaus übernimmt für die Stadt den Betrieb der neuen Außenstelle des Campus’ Unterstedt. Gerade werden die letzten Details geklärt: Ist der Sicherheitsdienst auf dem Gelände unterwegs? Wann kommen das Licht, der Gehweg, die Bürocontainer? Letztere sind wichtig für die vier neuen Mitarbeiter des Mutterhauses, die erst vor wenigen Tagen ihren Dienst angetreten haben: Nina Müller, Olaf Laudan, Markus Eggert und Francisco da Rocha.

Das Team ist für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig. „Meine Eltern sind damals im Krieg nach Russland verschleppt worden“, erzählt Eggert. Er spricht Russisch, kann also übersetzen. Derzeit leben bei ihm auch Ukrainer, die vor dem Krieg geflüchtet sind. Auch Müller spricht Russisch und hilft Ukrainern mit Beeinträchtigung, die derzeit in den Rotenburger Werken untergebracht sind. Der Brasilianer da Rocha bringt bereits Erfahrung in der Betreuung von Flüchtlingen mit. „Ich freue mich auf die Tätigkeit.“ Laudan ist als Hausmeister unterwegs und kümmert sich um kleine anfallende Arbeiten, „damit sich jeder wohlfühlen kann“. Insgesamt hatte es mindestens 20 Bewerbungen gegeben, weiß Richter – für ihn ein positives Zeichen, dass es immer noch viele Menschen gibt, die sich in der Arbeit mit den Flüchtlingen engagieren möchten. Daher hofft er auf weitere Spenden für den Ukraine-Hilfsfonds, der nach wie vor existiert. „Da ist noch Geld drin, aber wir haben auch viel ausgegeben, insbesondere für Sprachkurse und Integration in Sportvereinen.“

Die Flüchtlingshelfer waren bereits in Visselhövede und haben sich denen, die bald einziehen werden, vorgestellt. „Die auf dem Campus untergebracht sind, freuen sich auch darauf, Bekannte wiederzusehen“, weiß Müller. In den vergangenen Wochen sind auch viele Männer nachgekommen, ist Rothammel aufgefallen. „Erst letzte Woche sind zwei zurückgekommen zu ihren Familien. Da schauen wir auch, dass wir sie so schnell wie möglich zusammenführen.“

Einfach, aber mit allem Notwendigen für den Start ausgestattet sind die Container, in denen Michael Rothammel (l.) und Thorsten Schiemann die letzten Handgriffe planen.

Auf Menschen mit Beeinträchtigung wird besonders Rücksicht genommen. Kommt zum Beispiel ein Rollstuhlfahrer an, für den das Gelände am Glummweg nicht geeignet ist, wird dieser auf den Campus ziehen. Da der derzeit voll belegt ist, könnte man dann schauen, wer miteinander tauscht, so Rothammel. „Damit alle so gut es geht zusammenleben können.“

Den Umzug wollen sie den Ankommenden so angenehm wie möglich gestalten und auch für ein wenig weihnachtliche Atmosphäre sorgen, erklärt das Mutterhaus-Team. „Können wir nicht einen Weihnachtsbaum in der Mitte aufstellen“, fragt Müller? Bezahlt werden können solche Extras unter anderem durch den Hilfsfonds. „Es ist das, was es ein bisschen wohnlich macht und letztlich dazu beiträgt, dass Menschen sich integrieren und öffnen können. Dass es ein gutes Miteinander ist“, erklärt Richter. Geplant ist daher auch für die, die möchten, ein kleines Zusammensein mit Punsch, Glühwein und heißer Schokolade für die Kinder.

Wie sich die nächsten Wochen gestalten, muss sich dann zeigen. Erstmal sollen die Menschen in Ruhe ankommen können, sagt Müller. „Wir müssen erstmal erklären, wie es hier ablaufen wird.“ Welcher Bedarf dann noch herrscht, werde sich zeigen. „Aus der Nachbarschaft gab es schon Angebote, dass sie sich einbringen möchten und ihre neuen Nachbarn aus der Ukraine willkommen heißen, das ist total toll“, lobt Richter.

Ukraine Hilfsfonds

Um den Menschen vor Ort schnell und unbürokratisch helfen zu können, haben das Diakonissen-Mutterhaus und der Lions-Club Rotenburg vor einigen Monaten den Ukraine-Hilfsfonds eingerichtet. Wer spenden möchte, kann das an: Diakonissen-Mutterhaus Spendenkonto; Sparkasse Rotenburg Osterholz; IBAN: DE 57241512350025123456; Stichwort: Ukraine und die Anschrift des Spenders.

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