Lichterfahrt: Landwirte sorgen in Bruchhausen-Vilsen für helle Freude

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Vor der „Lichterfahrt“ gibt es eine beeindruckende Demonstration von Hingabe an das symbolträchtige Arbeitsgerät der modernen Landwirtschaft.
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  • Regine Suling-Williges
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Sie wollen auf die Nöte ihres Berufsstandes aufmerksam machen. Beim Anblick der weihnachtlich geschmückten Trecker fällt es allerdings schwer, an große Politik zu denken. Und doch war ihnen gestern die volle Aufmerksamkeit eines riesigen Publikums sicher: Die „Lichterfahrt“ der jungen Landwirte durch die Samtgemeinde sorgte für große Gefühle. Schon die Wartestellung auf dem Rewe-Parkplatz war eine beeindruckende Demonstration von Hingabe an das symbolträchtige Arbeitsgerät der modernen Landwirtschaft.

Über und über hat der Nachwuchs die Zugmaschinen mit Lichterketten und Co. ausgestattet. Der eine übertraf den anderen in Kreativität und Aufwand. Auf der großen Freifläche war Platz, die Werke der Mitstreiter so kritisch wie begeistert zu begutachten. Auf der Fahrt nach Asendorf dann hatten Hunderte Schaulustige entlang der Straße ihre wortwörtlich helle Freude. Die „Licherfahrt“ hat das Potenzial zu einer neuen Weihnachtstradition.

Mehr als 60 beleuchtete Trecker fahren durch die Samtgemeinde und werden von Schaulustigen bejubelt, hier am Engelbergplatz in Bruchhausen-Vilsen.

Unter den Teilnehmern waren auch Jan Wicke und Felix Schierholz aus Martfeld. Die Kreiszeitung begleitete sie bei den Vorbereitungen.

Langsam strömt die Luft in ihn hinein und er baut sich auf, der Weihnachtsmann, der hinten auf dem Trecker von Jan Wicke seinen Platz gefunden hat. Vorne am Schlepper ist ein selbst gebauter Tannenbaum aus Holz montiert. Und mit ein paar Handgriffen sind die Schalter umgelegt und das ganze Gefährt ist illuminiert: Die Felgen, der Tannenbaum, die Leuchten, die neben dem Führerhaus baumeln – „insgesamt 26 Batterien sind dafür in Betrieb“, erzählt Jan Wicke.

Genau wie viele seiner Kumpels ist er am 18. Dezember bei der sogenannten Lichterfahrt in der Region Bruchhausen-Vilsen dabei, die Landwirte auf die Beine stellen. „Das ist dieses Jahr unsere dritte Lichterfahrt“, sagt der 17-Jährige. In Sulingen war er ebenso dabei wie in Diepholz. Sonntag um 16 Uhr machen sich etwa 60 Trecker auf den Weg. Sie treffen sich auf dem Rewe-Parkplatz in Bruchhausen-Vilsen und starten von dort ihre Fahrt, die sie über die Schloßweide, Lange Straße, Engelbergplatz, Bruchhöfener Straße und Ostlandstraße nach Asendorf führt. Dort passieren die Trecker die St.-Marcellusstraße und die Neue Straße. Ihr Ende nimmt die Tour bei der Firma Bremer Landmaschinen in Asendorf, wo es Pommes und Glühwein gibt.

Je mehr, je besser: Junge Landwirte schmücken ihre Trecker mit Lichterketten.

Bevor es losgeht, ist noch einiges zu tun. Denn Lichterketten als Deko allein reichen den jungen Landwirten nicht, sie wollen ihre Zugmaschinen glänzend präsentieren. Deswegen wischt Felix Schierholz auch bei Minusgraden motiviert mit einem Lappen die Felgen sauber, bevor darin Lichter ihren Platz finden. Selbst fahren darf der 15-Jährige noch nicht. „Leider“, bedauert er und fügt voller Vorfreude an: „Aber nächstes Jahr.“ Vorne an den Trecker kommt ein Stern, selbstverständlich auch illuminiert und selbst gebaut. Und über die Motorhaube ziehen Jan und Felix ein bunt leuchtendes Lichternetz, das sie in Position bringen und dann mit Klebeband fixieren.

„Das Buntmachen macht Spaß“, nennt Jan einen der Gründe, warum er mitmacht. Die Resonanz der Bevölkerung auf die Lichterfahrten sei gut – „und wir wollen einfach etwas Schönes machen.“ Das kostet im Vorfeld viel Zeit: Bis ein Trecker fertig geschmückt ist, können mehrere Stunden vergehen. Die Dekoration hat er eigens angeschafft, an der Weihnachtskiste seiner Mutter durfte er sich nicht bedienen, sagt Jan Wicke. Aber die Leuchten, die neben dem Führerhaus hängen, hat sie spendiert, erzählt er. Gemeinsam schmücken, sich zu überlegen, wie die Stromversorgung am besten zu machen ist, und den ganzen Trecker zu beleuchten: Das macht den jungen Leuten Spaß. Sie alle haben einen Draht zur Landwirtschaft, sind Landwirte oder wollen es werden. Mit den Lichterfahrten wollen sie auf sich und die Belange der Landwirtschaft aufmerksam macht und vor allem eines tun: Licht und schöne Momente in die dunkle Jahreszeit bringen.

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