LNG-Terminal Wilhelmshaven: Wardenburgs Anteil an der Gas-Wende

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Das mit verflüssigtem Erdgas beladene Tankschiff „Maria Energy“ (r.) liegt am schwimmenden Terminal, dem Spezialschiff „Höegh Esperanza“. Das dort regasifizierte Flüssiggas soll auch über eine neue Leitung fließen, die nach Wardenburg führt.  Schuldt
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Leitungsnetzbetreiber OGE plant zusätzliche Verbindung von Etzel bei Wilhelmshaven aus

Wardenburg – Der russische Angriffskrieg hat vieles auf den Kopf gestellt – nicht zuletzt auch die Versorgung der Bundesrepublik mit benötigtem Erdgas. Die Auswirkungen werden künftig auch im Nordwesten und damit im Landkreis Oldenburg manifest(er) werden: Der Leitungsnetzbetreiber OGE („Open Grid Europe“) mit Sitz in Essen plant, sein überregionales Ferngastransportsystem durch den Bau einer Leitung von Etzel (rund 20 Kilometer von Wilhelmshaven entfernt) zu seiner bestehenden sogenannten Verdichteranlage nach Wardenburg (Oberlethe) zu erweitern.

Das liege in der veränderten Situation des Erdgasimportes begründet, erläutert OGE-Sprecher Andreas Lehmann auf Anfrage unserer Zeitung den Hintergrund des Vorhabens. Statt aus Russland, werde jetzt mehr Gas aus Belgien, den Niederlanden und nicht zuletzt Norwegen konventionell importiert – und natürlich über das neue LNG-Terminal in Wilhelmshaven, das im Dezember in Betrieb gegangen ist. In diesem werde das Flüssiggas „regasifiziert“, so der Fachausdruck, und der Energieträger in das bestehende Leitungsnetz eingespeist. Statt aus dem Osten beziehe Deutschland Gas inzwischen aus dem Westen: „Die zentrale Flussrichtung des Erdgases hat sich um 180 Grad geändert“, veranschaulicht er die geografische Situation. Das konzentriere sich nun im Nordwesten des Landes. Daher werde auch die neue Leitung notwendig. „Ohne den Krieg wäre es vermutlich nicht soweit gekommen“, sagt Lehmann.

Konkreter Verlauf steht noch nicht fest

Die geplante Trasse soll eine Länge von rund 60 Kilometern haben, so der Sprecher weiter. Allerdings sei das Unternehmen aktuell noch dabei, die notwendigen Unterlagen für die entsprechenden Anträge zusammenzustellen. Deswegen könne er noch keine genauen Angaben zum Verlauf machen. Die Stahlleitung werde einen Durchmesser von 1,2 Meter haben und kann mit bis zu 100 bar Betriebsdruck genutzt werden. Generell gelte beim Verlegen neuer Leitungen ein Bündelungsgebot, sodass zu vermuten sei, dass der Neubau entlang der bereits bestehenden Trasse verlaufen werde. Standard bei solchen Leitungen sei ein Abstand von einem Meter zwischen Oberkante der Rohre und der Grasnarbe.

„Das Bauvorhaben dient der Versorgungssicherheit von privaten Verbrauchern und der Industrie. Mit der Leitung werden die notwendigen Transportkapazitäten geschaffen, um die über das LNG-Terminal Wilhelmshaven angelandeten Mengen an Erdgas weiter in das deutsche Ferngasnetz zu transportieren“, so Lehmann weiter. Die bestehende Leitung könne diese großen Transportmengen ab Etzel nicht mehr vollständig in das nachgelagerte Erdgasnetz abtransportieren, sodass das geplante Neubauvorhaben von dort nach Wardenburg „zwingend“ erforderlich sei. Die Verdichteranlage funktioniere letztlich wie eine Pumpstation und sorge dafür, dass das Gas auch über große Strecken in die Zielrichtung strömen könne. Alle 150 bis 200 Kilometer seien solche Anlagen notwendig. Im Bereich der Station werden bestehende kapazitätsstarke Leitungen in den Raum Bremen, Hamburg und Berlin sowie in den westdeutschen Raum angebunden. Doch könne auch Gas für regionale Netze abgegeben werden. Für den Bau sollen ausschließlich Rohre verbaut werden, die ebenfalls für den Transport von Wasserstoff zertifiziert sind. Die Fertigstellung der Erdgasfernleitung Etzel-Wardenburg sei gemäß des „Netzentwicklungsplans Gas“ des Bundes bis spätestens 2026 geplant. Die vorbereitenden Arbeiten zur Erstellung der Genehmigungsunterlagen seien Ende 2022 gestartet worden. Das Planfeststellungsverfahren werde für 2024 angestrebt. Eine Kostenkalkulation liege noch nicht vor, so Lehmann.

OGE stellt seine Planungen am Dienstag, 17. Januar, im Rahmen der Sitzung des Struktur- und Klimaschutzausschusses des Landkreises Oldenburg vor. Das Gremium tagt ab 17 Uhr im Kreishaus in Wildeshausen.

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