Mahnwache gegen Atomkraft geht weiter

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Nie unterbrochen: Auch in Coronazeiten wurde demonstriert.
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Der Protest gegen die Atomenergie endet in Harpstedt nicht mit dem Abschalten der letzten Kernkraftwerke in Deutschland. Die Mahnwache geht weiter.

Harpstedt – Die drei letzten Atomkraftwerke in Deutschland sind zwar am Wochenende abgeschaltet worden, aber das sei noch lange kein Grund, nicht weiter wegen der Risiken der Kernkraft zu mahnen, findet Irene Kolb. Seit der Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 treffen sie und andere Atomkraftgegner sich an jedem ersten Samstag im Montag auf dem Marktplatz im Flecken, um gegen die in ihren Augen gefährliche Technologie zu protestieren. „Und die Mahnwachen werden weitergehen“, betont die Grünen-Ratsfrau im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Es ist unfassbar, wie viele Leute meinen, das Thema Atomkraft sei vorbei“, ärgert sich die Harpstedterin. „Es ist noch sehr, sehr viele Jahrhunderte nicht vorbei.“ Sie verweist auf die Suche nach einem Endlager, die noch nicht abgeschlossen ist. Bis dahin sei der hochgiftige Atommüll nicht sicher untergebracht.

Mahnwache damals von der SPD initiiert

Außerdem gebe es noch viele offene Fragen. Zum Beispiel die, ob in Deutschland weiterhin Brennelemente für Reaktoren in anderen Ländern aufbereitet werden sollten. Und was in Zukunft mit anderen Einrichtungen der Kernindustrie wie Forschungsreaktoren, Lagern und Urananreicherungsanlagen im Land geschehen wird.

Die öffentliche Diskussion zur Abschaltung der Meiler, die in den vergangenen Tagen die Medien bestimmte, stört Kolb ebenfalls. „Allein weil schon jetzt Leute nach Atomkraft schreien, müssen wir weiter mahnen“, steht für sie fest.

Dabei betont Kolb auch die weiteren Aspekte der Mahnwache. Die diene nämlich auch dem Gedenken an die Menschen, die bei Atomkatastrophen wie Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 ihr Leben verloren oder gesundheitlich geschädigt wurden. „Die Opfer haben es immer verdient, dass man sich an sie erinnert“, findet die Harpstedterin.

Seit der ersten Mahnwache vor mehr als zehn Jahren habe sich ein fester Kern von Atomkraftgegnern herausgebildet. „Wir sind immer so 15 bis 20 Leute“, berichtet Kolb. Manchmal seien es auch nur zehn oder sogar 30 Teilnehmer. Und immer wieder kämen Menschen auf die Gruppe zu, um zu diskutieren.

Die Mahnwache ist nicht parteigebunden, wurde 2011 aber von Klaus Budzin und anderen Mitgliedern der SPD in Harpstedt ins Leben gerufen. „Ich war nur ein ganz kleiner Funke“, sagt Budzin heute bescheiden. Er lobt das Engagement der Teilnehmer. „Meine Haltung hat sich nicht geändert.“ Der Harpstedter warnt besonders vor den Hinterlassenschaften der Kraftwerke, dem strahlenden Atommüll. „Wir maßen uns an, über Millionen von Jahren zu wissen, wie die Erde aussieht“, zeigt er sich skeptisch gegenüber einer sicheren Verwahrung in der Zukunft.

Nächste Mahnwache

Die Teilnehmer der Mahnwache treffen sich immer am ersten Samstag im Monat von 11.30 bis 12 Uhr auf dem Marktplatz des Fleckens. „Und am Ende erklingt dann die Sirene. Das finde ich eigentlich ganz passend“, sagt Kolb mit Bezug auf den monatlichen Probealarm.

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