Markt, Marge und Verbraucher: Landwirt Cord Meyer über die Eier-Produktion

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Als Besitzer von rund 900 Hühnern kennt Cord Meyer die Gründe hinter der Preissteigerung für Frühstückseier.
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Das Osterei ist zu diesem Fest vielerorts teurer als sonst. Woran das in den meisten Fällen liegen dürfte, das weiß Landwirt Cord Meyer aus Höperhöfen. 

Höperhöfen – Ja, zu Ostern steigt die Nachfrage nach Eiern beträchtlich. Ja, die Preise sind seit dem Verbot des Tötens der männlichen Küken gestiegen. Ja, auch die Preise für Futter und Energie sind höher als gewohnt. Cord Meyer bestätigt das. Für den Direktvermarkter aus Höperhöfen gehört jedoch noch mehr zur Wahrheit hinter den aktuell erhöhten Preisen von Eiern.

Jeden Tag 800 Eier: Das ist die Zahl, mit der der Landwirt vom Klangens Hof rechnet. Um die 900 Legehennen produzieren diese auf den Weiden nahe der Ortsgrenze zu Bötersen. Insgesamt verfügt die Familie über drei mobile Anhänger, in denen hauptsächlich Hühner mit einer Handvoll Hähnen leben. Diese halten die Gruppen in der Freilandhaltung auf den vier Weiden zusammen – und „sorgen für Ordnung, wenn es einmal Streit gibt“, sagt der Landwirt und schmunzelt.

Blick in den mobilen Anhänger: Die Legehennen vom Klangens Hof verbringen die Nacht auf Sitzstangen. Sobald der Tag anbricht, öffnet sich automatisch die Klappe zur Weide.

800 Eier gehen über den Hofladen in Höperhöfen, den Automaten auf dem Bohlenshof in Hellwege, inhabergeführte Edeka-Filialen in Rotenburg und Sottrum und die Bäckerei Holste an die Abnehmer. Mittwoch, Freitag und Samstag steht Meyer zudem mit dem eigenen Wagen auf dem Wochenmarkt. Vier Euro kostet dort die klassische Zehnerpackung Eier, 40 Cent pro Ei also.

„Das kosten sie seit einem Jahr“, verdeutlicht der Landwirt. Steigende Ausgaben für Futter und Energie, die Inflation, das alles beträfe natürlich auch ihn, genauso wie die „Bruderhahn-Diskussion“, wie er sagt: Das Verbot, die Brüder von späteren Legehennen im Kükenstadium zu töten, hat die Anschaffung der Legehennen verteuert. Sieben Euro kostete eines der Tiere vorher, 13,50 Euro sind es jetzt. Der Grund: Der Abnehmer bezahlt quasi das Geschwistertier mit – statistisch gesehen ist etwas mehr als die Hälfte der geschlüpften Küken nämlich männlich und daher zum Eierlegen ungeeignet. Allerdings wird in der Brüterei, von der Meyer seine Tiere bezieht, kein Küken mehr getötet: Ein umständliches Verfahren erlaubt die Bestimmung des Geschlechts schon wenige Tage nach der Befruchtung. Eier, die bei der Untersuchung das Potenzial eines männlichen Kükens tragen, werden früh der Lebensmittelerzeugung zugeführt. Alle anderen schlüpfen.

Das Verfahren ist umständlich, teuer – und unter einigen Tierschützern umstritten, erläutert Meyer. Gleichzeitig greifen die früheren Abnehmer wie Tierparks auf männliche Futterküken aus dem EU-Ausland zurück, wo kein Tötungsverbot herrscht. „Wem wir damit jetzt einen Gefallen getan haben, weiß ich nicht“, sagt Meyer.

Und trotzdem: Der Umstieg auf diese Art der Produktion, die dem Tierwohl dienen soll, und der drastische Anstieg bei den Beschaffungskosten liegen schon mehr als ein Jahr zurück. „Wir sind Direktvermarkter, die ihren Markt gefunden haben. Wir sind also größtenteils abgekoppelt, was die Preise angeht“, sagt Meyer. Daher sei der Kurs für das Ei vom Klangens Hof eben seit einem Jahr nicht gestiegen. Der Landwirt ist sicher: Auf dem Markt für Eier wird unter dem Mantel gestiegene Produktions- und Lieferkosten und erhöhter Nachfrage eine künstliche Zusatzmarge generiert. Oder anders gesagt: So mancher Discounter und großer Einzelhandelsbetrieb steigere die Preise für Eier, ohne etwas von dem dadurch erreichten Gewinn an die Eierproduzenten weiterzugeben.

Die mobilen Ställe sind technisch im wahrsten Sinne des Wortes ausgefuchst: Eine Automatik regelt den Zugang für die Legehennen zum Freien und den zu den kleinen Legeräumen über Tageszeit und Sonnenstand.

Das findet Meyer unfair. Aber er erzählt auch von positiven Seiten des Handels mit Eiern. Zum Beispiel, dass die Produkte in der Direktvermarktung regelmäßig ausverkauft sind. Nicht nur zu Ostern, nicht nur für Soleier und bemalte Ovale. „Natürlich kaufen die Leute da erst mal mehr. Wer sonst zu einer Packung greift, nimmt dann zwei. Danach kaufen viele ein Weile nichts, denn die vielen Ostereier müssen erst einmal verbraucht werden“, sagt der Landwirt. Anders gehe es derzeit lediglich den Kollegen aus der Bio-Produktion. „Das ist ein psychologisches Problem“, sagt der Landwirt. In den Köpfen der Kunden hätte sich festgesetzt, dass „Bio“ eben auch „teuer“ bedeutet. Und das hemmt den Verkauf.

Die Hühner, die derweil wenige 100 Meter südlich vom Hof auf der grünen Weide unterwegs sind, bekommen vom Kundenverhalten und vom Eiermarkt nicht so viel mit. Bald wird es Abend, gegen 21 Uhr werden sich die Klappen der mobilen Ställe automatisch schließen und die eingestallten Tiere so vor Räubern wie Füchsen schützen. Die Hühner werden auf Stangen schlafen bis sich die Klappen etwa um 10 Uhr wieder öffnen, ihre Eier in der nestähnlichen Vorrichtung ablegen und tagsüber wieder ihr Ding im Freien machen. 13 bis 15 Monate alt werden die Legehennen, mindestens 70 Tage die Freilandhähnchen, ehe es in die hofeigene Schlachtung, Verpackung und schließlich in die Direktvermarktung und in die Küche des Kunden geht. Auch das gehört zum Leben des Weidehuhns.

Ihre Eier stehen jetzt auch auf dem Küchentisch vieler Leser – passend zum Osterfest bunt eingefärbt. Auch bei der Familie Meyer werden am Ostersonntag wie jedes Wochenende welche auf dem Tisch stehen. Wahrscheinlich die aus der Legung von Gründonnerstag. Meyer: „Denn am dritten Tag nach der Legung schmeckt das Ei am besten“.

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