Sechs Schiffe bis 2028

Meyer-Werft: Volle Auftragsbücher, aber 440 Jobs sollen wegfallen

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Aufträge bis 2028 und trotzdem plant die Meyer-Werft den Abbau von 440 Stellen. Die finanziellen Herausforderungen setzen das Unternehmen unter Druck.

Papenburg – Es klingt schon paradox: Die Papenburger Meyer-Werft hat volle Auftragsbücher, will sich aber trotzdem von 440 Arbeitern zeitnah trennen. Hintergrund sei eine angespannte finanzielle Lage der Werft. Gespräche zwischen der Geschäftsführung, dem Betriebsrat und der IG Metall sollen im Juni beginnen. Ziel des Unternehmens sei, dass die Verhandlung bis Ende Juni abgeschlossen werde. Ein Sprecher sagte, es stehe nicht fest, welche Unternehmensbereiche von möglichen Entlassungen betroffen seien könnten. Das Unternehmen beschäftigt rund 3000 Werftmitarbeiter und sichert Zulieferern und Dienstleistern in der Region Aufträgen.

Die Geschäftsführung sagt: „Es gilt, jetzt die Weichen dafür zu stellen, dass die Meyer Werft spätestens bis Ende 2027 mit einer angemessenen Eigenkapitalausstattung ein ausreichendes Ergebnis erwirtschaften kann und im internationalen Wettbewerb besteht.“ Das sei Anspruch der Werft, und es müssten gesetzliche Vorgaben erfüllt werden. Neben den Entlassungen sollen die verbleibenden Werftarbeiter auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten.

Meyer-Werft: Volle Auftragsbücher, aber 440 Jobs sollen wegfallen

Kritik an den Plänen, 440 Jobs zu streichen, kam von der IG Metall. Der Stellenabbau wäre ein „harter Schlag für die Betroffenen und die Region“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich. Der Betriebsratschef der Meyer-Werft, Andreas Hensen, sagte, der Abbau solle vor allem Mitarbeiter betreffen, die nicht direkt am Bau von Schiffen beteiligt seien. 

Zum Hintergrund: Die Meyer-Werft muss im November ein 550 Millionen-Kredit zurückzahlen. Ende April sagte eine Sprecherin dem NDR, dass die Werft dafür keine Bürgschaft vom Land Niedersachsen benötige. Man habe das privatwirtschaftlich geregelt und sich mit den Banken geeinigt. Hinzu kommt, dass ein Großteil der Kosten für ein neues Kreuzfahrtschiff die Werft vorfinanzieren muss. Heißt: Bezahlt wird erst bei Lieferung. Viele Verträge für Neubauten wurden schon vor Jahren geschlossen und Preisexplosionen sind kaum nachverhandelbar.

Das Kreuzfahrtschiff der Luxusklasse „Silver Ray“ verlässt das überdachte Baudock der Meyer-Werft in Papenburg. Dort stehen 440 Jobs auf dem Spiel.

Bis 2028 muss die Papenburger Meyer-Werft sechs neue Kreuzfahrtschiffe abliefern. Die Baukosten für das nächste Disney-Schiff werden auf eine Milliarde Euro geschätzt. Rund 80 Prozent davon müssen vorfinanziert werden.

Die 550 Millionen sind nur ein Teil der Summe, die die Meyer-Werft benötigt. Es seien 2,8 Milliarden Euro liquide Mittel notwendig, so Sanierer Ralf Schmitz. „Die Werft befindet sich in einer historischen Krise“, sagte Schmitz dem NDR. Ihn hatte die Werft kürzlich hinzugezogen. Solch ein Unternehmen zu sanieren, ohne Arbeitsplatzabbau, habe er noch nicht erlebt. So zitierte ihn der Betriebsrat vor einigen Tagen.

Offensichtlich betrifft die Sanierungsmaßnahme nur den Standort Papenburg. Die Lage am Stammsitz in Niedersachsen habe keine Auswirkungen auf die Neptun-Werft in Rostock, so ein Sprecher der IG Metall in Rostock. Die Auftragslage sei gut. Der Werftstandort in Wismar sei ebenfalls nicht betroffen. Mit Material der dpa.

Rubriklistenbild: © Lars Penning/dpa

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