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Die Mieten in Niedersachsen werden teurer. Besonders in der Grafschaft Bentheim spüren die Menschen den kräftigen Anstieg. Doch es gibt auch Ausnahmen.
Berlin – Der Bundestagsabgeordnete Victor Perli (Die Linke) hat Anfragen zur Mietentwicklung in den niedersächsischen Landkreisen gestellt. Nachdem er die Antworten der Bundesregierung bekommen hatte, schreibt Perli bei X: „Mieten in Niedersachsen sind seit 2018 um 25 Prozent gestiegen, weit stärker als Löhne und Renten. In ländlichen Kreisen beträgt die Steigerung häufig zwischen 30 und 55 Prozent.“ Wie viel Euro Mieter mehr zahlen müssen, geht aus dem Tweet nicht hervor. Kreiszeitung.de hat sich die Zahlen angeschaut.
Die prozentual größte Mietsteigerung gab es in der Grafschaft Bentheim. Zwischen 2018 und 2023 stiegen die Kaltmieten um 55 Prozent. 2023 mussten Mieter 9,05 Euro pro Quadratmeter zahlen. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum stiegen in Harburg die Mieten um 28 Prozent. 11,07 Euro rufen Vermieter pro Quadratmeter auf.
In der Stadt Wolfsburg gingen die Mieten hingegen sogar um zwei Prozent zurück. Im vergangenen Jahr kostete der Quadratmeter 8,31 Euro. Die günstigsten Mieten gibt es laut der Antwort in der Stadt Salzgitter mit 6,03 Euro. Ebenfalls unter 7 Euro kostet es in den Landkreisen Wilhelmshaven (Stadt), Wesermarsch, Holzminden, Lüchow-Dannenberg, Nordheim und Goslar.
In den Landkreisen Diepholz, Verden, Heidekreis und Rotenburg stiegen die Mieten unterschiedlich stark. Den größten Zuwachs verzeichnet der Heidekreis mit 35 Prozent, real zahlen die Einwohner dort 7,93 Euro. Mit um 32 und 33 Prozent höheren Mieten folgen die Landkreise Rotenburg und Verden. Tatsächlich zahlen Mieter dort 9,38 Euro (Verden) und 8,45 Euro. Im Landkreis Diepholz müssen Mieter 19 Prozent mehr zahlen. Der Quadratmeter kostet 8,15 Euro.
Mieten in Niedersachsen steigen flächendeckend – Partei fordert Mietendeckel
In einer Pressemitteilung schreibt Victor Perli: „Der Wohnungsneubau ist in einer schweren Krise und wird kurz- und mittelfristig keine spürbare Verbesserung schaffen. Es braucht einen gesetzlichen Mietendeckel, der Mietpreise oberhalb der ortsüblichen Vergleichsmiete erschwert.“ Angefragt hatte Perli die Mieten für die Landkreise in Niedersachsen.
Weiter schreibt Perli: „Die Wohnkosten steigen deutlich schneller als Löhne und Renten. Das ist eine erhebliche Belastung, vor allem für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen.“
Informationen der Bundesregierung zu den Mieten in Niedersachsen
Die Bundesregierung schreibt zur Einordnung: „Die ausgewerteten Angebotsmieten basieren auf Inseraten aus Immobilienplattformen und von Zeitungen für Erst- und Wiedervermietungen von Wohnungen im Neubau und im Gebäudebestand. Sie spiegeln das Angebot wider, auf das Wohnungssuchende treffen, wenn sie im Internet nach einer Mietwohnung suchen. Zur Standardaufbereitung bis auf die Ebene der Kreise erfolgte eine Eingrenzung der betrachteten Wohnungen auf Wohnflächen von 40 bis 100 Quadratmeter mit mittlerer Wohnungsausstattung in mittlerer bis guter Wohnlage.“
Einschränkend schreibt die Bundesregierung: Mit dieser Quelle werden nicht alle Wohnungsangebote erfasst. Inserate aus lokalen Zeitungen, Mieter- oder Unternehmenspublikationen oder von Aushängen können nicht mit einfließen. Daher können gerade Wohnungen im günstigen Mietsegment mit dieser Datenquelle unterrepräsentiert sein. Mieten aus bestehenden Mietverhältnissen lassen sich mit dieser Datengrundlage ebenfalls nicht darstellen.
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