Umweltminister Meyer spricht über Artenschwund, Klimakrise und andere Probleme

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Im Forum: Landesumweltminister Christian Meyer spricht über den Artenschwund und die Klimakrise.
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Landesumweltminister Christian Meyer sprach mit Bürgern über den Niedersächsischen Weg sowie über Biodiversität, Klimakrise und andere Probleme. Rund 100 Interessierte folgten der Einladung ins Forum des Schulzentrums Bruchhausen-Vilsen. Trotz betonter Harmonie kamen auch unterschiedliche Ansichten zwischen Politikern, Landwirten und Jägerschaft zur Sprache.

Br.-Vilsen – Drei Jahre Niedersächsischer Weg: Wie weit sind wir gekommen bei Landwirtschaft, Naturschutz und Klimawandel? Diese Fragen diskutierte unter anderem der Landesumweltminister Christian Meyer mit rund 100 Bürgern, die am Montagabend ins Forum des Schulzentrums Bruchhausen-Vilsen gekommen waren.

Zu der Info- und Diskussionsveranstaltung hatten die Regionalgruppe des Vereins Attac sowie die Volkshochschule des Landkreises eingeladen. Zu Beginn kommentierten der Minister, Gisela Wicke (Nabu Niedersachsen) und Theo Runge vom Landvolk den aktuellen Stand der Umsetzung. Im Anschluss folgte eine Fragerunde.

Es ist das zweite Mal, dass sie den Niedersächsischen Weg auf den Prüfstand stellen, erinnerte Moderatorin Heidrun Hilgemeier (VHS). Eigentlich sei der Name missverständlich, sagte Walter Kreideweiß von der lokalen Attac-Gruppe. Niedersachsen könne sich gar nicht auf den Weg machen. Jeder Einzelne, auf den es beim Klimaschutz ankomme, hingegen schon.

Bei dem Niedersächsischen Weg mit seinen 15 Einzelvorhaben gehe es um viel mehr, unterstrich Meyer und verwies auf den Verlust der Artenvielfalt. „Das Artensterben ist dramatisch! Das hat auch was mit uns Menschen zu tun.“ Laut Vereinten Nationen passiere zurzeit das größte Artensterben der Geschichte. „Fast jede Minute stirbt eine Tier- oder Pflanzenart aus“, so der Minister. Lebensräume kippten, irgendwann auch in Deutschland. Das bedrohe Reptilien, Insekten oder auch das Rebhuhn. Ziel sei es daher, die gemeinsame Lebensgrundlage zu erhalten.

Fast jede Minute stirbt eine Tier- oder Pflanzenart aus.

Christian Meyer, Niedersächsischer Umweltminister

Um konkret anzusetzen, gebe es in Niedersachsen bereits „super Gesetze“, lobte der Minister. Er nannte beispielhaft das Glyphosat-Verbot, den Schutz von Blühstreifen oder mehr Totholz-Verbleib in Wäldern.

Künftig sollen die teilweise 30 Jahre alten Roten Listen (Aufzählung gefährdeter Arten und Tiere) aktualisiert werden. Ein Problem bei der Umsetzung vieler Vorhaben sieht der Minister bei der EU, die bei jedem Naturschutz-Programm prüfe, ob es eine illegale Beihilfe darstelle.

Eine kritische Wortmeldung kam von der Jägerschaft Syke. Hannes Göttsching erklärte sein Unverständnis, dass die Jägerschaft nicht Teil der Vereinbarung ist. Der Bestand von Kiebitz, Lerche und Rebhuhn sei ohne Prädatorenbejagung bedroht. Seitdem es keine Tollwut mehr gibt, gebe es zu viele Füchse, den größten Beutegreifer von Bodenbrütern. Ein Verbot der Bau- und Fallenjagd lehnt er entschieden ab. Das erste Mal fiel Applaus an dem Abend.

Ein anderer Bürger wandte sich gegen den Ausbau der Windkraft. „Es nütze nichts, auf der einen Seite die Biene zu retten, wenn sie auf der anderen am Propeller klebt.“ Der Minister entgegnete, viele Tiere flögen gar nicht so hoch. Bei den Seeadlern stünde beispielsweise der Tod durch Windkraftanlagen erst auf Platz sechs – vor dem Aufpralltod durch Züge. Der häufigste Grund für Totfunde des deutschen Wappentieres sei aber Bleischrot, schoss der Minister Richtung Jäger.

Im Verlauf des Abends traten auch unterschiedliche Auffassungen aus der Landwirtschaft zutage. Der auf Harmonie bedachte Theo Runge kritisierte beispielsweise die Vier-Prozent-Stilllegungsverpflichtung für Landwirte, die für viele seiner Berufskollegen keinen Sinn ergebe. Dann würden die Lebensmittel anderswo in der Welt produziert, wo sie sich den hiesigen Gesetzen und Kontrolle entzögen.

Dabei könne man gemeinsam viel erreichen, fand Gisela Wilke: „Wenn man Landwirte ,normal‘ anspricht und etwas öffentliches Geld mitbringt, kann man gut mit ihnen arbeiten.“

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