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Der Eisensteinstollen in Bad Grund ist die längste Höhle Niedersachsens. Trotzdem hält die Tourismusattraktion nahezu direkt am Eingang eine Überraschung parat.
Bad Grund – Der Eisensteinstollen ist ein ehemaliges Bergwerk oberhalb der Stadt Bad Grund im Harz am Hang des Ibergs und die längste Höhle Niedersachsens. Lange Zeit wurde dort das Eisenerzvorkommen abgebaut, bis es letztendlich einen ganz anderen Zweck erfüllte. Obwohl der Stollen heutzutage nicht als Schaubergwerk zugänglich ist, bietet die Höhle dennoch eine in Norddeutschland einzigartige Überraschung für Besucher.
Längste Höhle in Niedersachsen: Nach dem Eisenabbau bleiben Naturhohlräume
Zwischen 1870 und 1885 diente der Eisensteinstollen im Landkreis Göttingen als Förderstrecke des längsten Höhlensystems im Iberg. Mit einer Gesamtganglänge von etwa sechs Kilometern und einer maximalen Höhendifferenz von 136 m stellt dieses System aus Naturhöhle und bergbaulich angelegten Stollenstrecken das längste und größte System im Iberg dar. Und damit ist die Höhle auch die längste Niedersachsens. Das geht aus einer Liste der Arbeitsgemeinschaft Höhle & Karst Grabstetten hervor.
Ursprünglich war das Interesse hauptsächlich auf den Inhalt der Hohlräume gerichtet, und große Mengen von besonders hochwertigem Eisenerz wurden aus dem Berg geholt. Was übrig blieb, waren die Stollen und nun leeren Naturhohlräume. Heute wird Bad Grund mit dem in der Höhle gefundenen Grundwasser versorgt.
Höhlentherapie in Bad Grund: Eisensteinstollen ist die einzige Therapiehöhle dieser Art in Norddeutschland
Die Höhlenluft wird zudem für Kuranwendungen genutzt, was das ehemalige Bergwerk zu einer ungewöhnlichen Heilstätte macht. Seit 1986 werden bis zu 50 Patienten zur Behandlung von Atemwegserkrankungen und Allergien in das Therapiezentrum, das etwa 100 m vom Stolleneingang entfernt ist, eingelassen. Nach Angaben des Freitzeitportals Göttinger Land, findet dort die sogenannte „Speläotherapie“ oder auch „Höhlentherapie“ statt.
Nachdem man den Stollen betreten hat, gelangt man zu einer Wetterschleuse. Diese verhindert den Luftaustausch mit der Außenwelt. Die Luft im Inneren des Eisensteinstollens ist nahezu staubfrei und die Luftfeuchtigkeit liegt nahe 100 Prozent. Darüber hinaus herrscht im Stollen das ganze Jahr über eine fast konstant niedrige Temperatur von etwa acht Grad Celsius. Patienten verbringen etwa zwei Stunden in der Höhle – eingehüllt in warme Schlafsäcke.
Die hohe Feuchtigkeit bindet eindringende Staubpartikel, die als Kondensationskerne dienen, und lässt sie zu Boden sinken. Ein stetiger Luftstrom transportiert zudem möglicherweise noch vorhandene Verunreinigungen ins Freie. Dieses Naturphänomen wird als „dynamische Bewetterung“ bezeichnet. Dadurch haben Pollen, Ruß, Staub und Co. im Eisensteinstollen keine Chance. Der Eisensteinstollen in Bad Grund ist die einzige Therapiehöhle dieser Art in Norddeutschland.
Rubriklistenbild: © Migebert, CC BY-SA 3.0


