Der „Sanduhrschnitt“ ist der Beweis

Naturexperte Teupe weist den Biber an der Weser nach

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Forstwirt Josef Teupe zeigt auf frische Biberbissspuren.
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Samtgemeinde – „Das ist wie ein Sechser im Lotto!“ Josef Teupe ist aus dem Häuschen. Der Forstwirt, Jäger und studierte Tiermediziner hat in der Wesermarsch mal wieder eine Entdeckung gemacht, als er mit seinem Hund am vergangenen Sonntag auf einem seiner ausgedehnten Spaziergänge unterwegs war: Der 69-Jährige ist sich sicher, dass sich der Biber an der Weser niedergelassen hat.

Gesehen hat der Bremer das zweitgrößte Nagetier der Welt nicht. Aber seine Spuren seien eindeutig: Am Fluss hat der Biber an Buhnen – das sind strömungsruhigere Ausbuchtungen – Weiden und Erlen angebissen, sodass sie umgefallen aber nicht abgeknickt sind. Charakteristisch ist Teupe zufolge der sogenannte Sanduhrschnitt, wie er der Fachliteratur entnommen hat. Der Biber bearbeitet den Stamm in vielleicht 30 bis 40 Zentimetern Höhe und verjüngt ihn durch den Biss, sodass das weiche Holz kippt, aber eben nicht bricht. „Sonst würde der Baumstamm ja mit der Strömung fortgerissen.“ Ziel des architektonischen Unterfangens: Mit den Stämmen und anderem Holzmaterial will das Tier eine sogenannte Biberburg in den Buhnen am Uferrand bauen. Der Eingang ist unterhalb der Wasserlinie, die Burg, in dem der Nachwuchs aufgezogen wird, oberhalb.

Nachdem der Biber den Stamm hat umkippen lassen, macht er sich an die Rinde, die ihm als Nahrung dient.

Von einer Burg sieht man genauso wenig wie vom Nager selbst, aber bestimmt rund 40 Bäume hat der Nager hier schon auf diese Weise zum Kippen gebracht. „Das ist eine absolute frische Bissspur!“, deutet Teupe euphorisch auf das helle Holz einer Weide. Nach dem Umkippen hat sich das Tier an die Zweige und Äste weiter oben gemacht und die Rinde abgenagt, die ihm als Nahrung dient.

Mit seinen Zähnen vermag der Biber mittels „Sanduhrschnitt“ die Stämme zum Umstürzen zu bringen.

Zwar ist der Biber auch schon an der Aller aktiv gewesen, auch auf Höhe des Bremer Weserstadions sei vor einiger Zeit ein Exemplar gesichtet worden. Doch dass er nun nachweislich an der Weser auch heimisch werde, hält Josef Teupe für eine kleine Sensation. Schließlich ist die Weser eine viel befahrene Wasserstraße. Die Ansiedlung könne am Populationsdruck liegen, also an der Notwendigkeit für Nachkömmlinge, sich einen neuen Lebensraum zu suchen, wie etwa bei den Wölfen. Die Bedingungen in den Biotopen an der Weser seien offenbar sehr gut, auch die Wasserqualität habe sich wieder gebessert.

Fraglich ist Teupe zufolge jedoch, ob sich der Biber dauerhaft in der Region werde ansiedeln können. Spaziergängerinnen, Campingplatznutzer und Angler, dazu der Berufs- und Freizeitschiffsverkehr auf der Weser könnten dazu führen, dass sich der Biber gestört fühle. Eine Gefahr gehe auch von Jägern aus, die die laut Bundesnaturschutzgesetz streng geschützten Biber mit Nutrias verwechseln und dann abschießen könnten (streng geschützt ist die Vorstufe von gefährdet). „Darauf steht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren“, betont Teupe. Nutrias dürften hingegen „rund um die Uhr“ bejagt werden. Ihr Fleisch gilt als Delikatesse, das in Gourmetrestaurants angeboten werde. Zu unterscheiden sind die Nager nach Angaben Teupes an ihrer Art zu schwimmen: der Biber mit dem Kopf aus dem Wasser ragend, die Nutria mit Rücken über der Wasserlinie.

Der Biber (Castoridae) war in weiten Teilen Europas ausgerottet. Erst in den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Bestände durch Auswilderung und strengem Schutz wieder etwas erholt. Und auch wenn er sich seit ein paar Jahren an der Aller angesiedelt hat und nun auch an der Weser, gehen Umweltschützerinnen und -schützer davon aus, dass der Biber bald auf der Liste der gefährdeten Tiere auftaucht.  pk

Von Philipp Köster

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