Vor Haustür liegender Weserradweg lockt Pedaltreter aus nah und fern an

Unterwegs auf dem Weserradweg: „Schöne Natur, nette Menschen“

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Auf dem Weserradweg von Minden in Richtung Nordsee mit viel Gepäck unterwegs: Helena Wiebe-Brockmann und Manfred Brockmann.
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Der Weserradweg wird immer wieder zum beliebtesten Fernradweg gewählt. Achim liegt direkt an der Strecke. Radtouristen schwärmen von der Tour.

Achim – Die großen Ferien gehen an diesem Wochenende in Niedersachsen und Bremen zu Ende, was für andere Länder aber längst nicht gilt. Und wer keine schulpflichtigen Kinder hat oder in Rente ist, kann ohnehin unabhängig davon Urlaub machen und zum Beispiel für längere Touren aufs Fahrrad steigen. Achim und die Region bieten dafür ideale Voraussetzungen.

Denn Deutschlands zum wiederholten Mal beliebtester Radfernweg der ADFC-Radreiseanalyse 2024 zufolge, der Weserradweg, führt mitten hindurch, liegt quasi direkt vor der Haustür. Ein Angebot, das Leute aus nah und fern, die Bewegung an frischer Luft und in der Natur mögen sowie „nebenbei“ gerne kulturelle Schätze besichtigen, in der warmen Jahreszeit weidlich nutzen.

Unterwegs auf dem Weserradweg: „Schöne Natur, nette Menschen“

„Wir kommen aus Bielefeld, sind in Minden auf den Weserradweg abgebogen und wollen in Richtung Nordsee“, erzählen Helena Wiebe-Brockmann und ihr Mann Manfred Brockmann, als der neugierige Reporter sie unterhalb der Achimer Windmühle zum kurzen Interview „abfängt“. 70 bis 100 Kilometer legten sie pro Tag zurück. Eine beachtliche Distanz, zumal das Ehepaar entgegen dem allgemeinen Trend ohne Elektroantrieb unterwegs ist. „Wir haben vorher schon in Dänemark trainiert“, verrät Wiebe-Brockmann mit einem Lächeln.

Warum fahren sie nun ausgerechnet den Weserradweg? „Wir haben darauf vertraut, dort schöne Natur zu finden und nette Menschen zu treffen“, sagt die 53-Jährige. Und diese Wünsche seien schon innerhalb der ersten drei Tourtage in Erfüllung gegangen, ist sie sich mit ihrem Mann einig.

Groß geplant ist der Trip nicht. „Wir lassen uns gerne treiben und haben zum Beispiel spontan das kleine, aber durchaus sehenswerte Polizeimuseum in Nienburg besucht“, berichtet Helena Wiebe-Brockmann.

Die beiden haben eine Menge Gepäck dabei. „Da ist unser Hausstand verstaut“, scherzt Manfred Brockmann und zeigt auf den Anhänger. „Wir übernachten immer auf Campingplätzen“, erklärt der sportliche 60-Jährige, der seinen Arbeitsweg von Bielefeld nach Gütersloh und zurück mit einem E-Bike meistert. „Insgesamt 50 Kilometer jeden Tag.“

Um Hotels und Pensionen, aber auch um Restaurants machen er und seine Frau auf der Tour eher einen Bogen. „Das meiste Geld geben wir für Verpflegung aus dem Supermarkt aus“, erläutert Brockmann. „Oft für Kaltgetränke – ein Espressokocher ist mit im Gepäck.“

Die mitgeführten Landkarten oder digitale Hilfsmittel zur Orientierung wie Google Maps „brauchen wir gar nicht“, freut sich Brockmann. „Der Weserradweg ist sehr gut ausgeschildert.“

Und schwups schwingen sich die locker-freundlichen Westfalen auch schon wieder in die Sattel. „Tschüss! Wir wollen heute noch bis Brake kommen.“

Martin Schmitt, der wenig später die Strecke in entgegengesetzter Richtung befährt, hat „nur“ Emtinghausen als Ziel. Er legt den Weg von und zu der Arbeitsstelle in Achim mit dem Drahtesel zurück. Das ist für den 55-Jährigen geradezu ein Klacks. „Ich bin den Weserradweg schon drei Mal gefahren“, berichtet Schmitt. „Der ist wunderschön“, schwärmt er. Besonders die überwiegend direkt am Fluss entlang führende Route an der Oberweser hat es ihm angetan.

Doch längst nicht überall herrschten für Pedaltreter paradiesische Zustände – Handlungsbedarf sieht Martin Schmitt auch im Landkreis Verden. „Für die Verkehrswende müssen noch viele Radwege verbessert werden.“

Und schon brausen Sven und Maike heran. „Wir kommen aus Bremen und gucken, wie weit wir kommen“, sagt der 54-Jährige. Die Entscheidung, den Weserradweg ein Stück weit in Richtung Süden in Angriff zu nehmen, sei auch vom Wetter abhängig gewesen. „Wir fahren gerne in Windrichtung“, erklärt seine 50-jährige Begleiterin. „Denn wir sind ja ohne Motor unterwegs.“

Zurück nach Bremen, von auch immer, gehe es dann mit dem Zug. Aber vorher gibt es auf Empfehlung des Reporters noch den spontanen, schnellen Kulturgenuss um die Ecke. „Komm“, sagt Sven zu Maike, „lass uns eben hier den kurzen Berg hochfahren und die Achimer Windmühle angucken“.

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