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Warum können Viertklässler immer schlechter lesen und rechnen? Die Ergebnisse des IQB-Bildungsmonitors diskutieren die Kultusminister der Länder.
Hannover – Niedersachsens neue Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) hat vor einer Konferenz mit ihren Länder-Ressortkollegen dazu aufgerufen, nach Ursachen für den schwachen Bildungstrend zu suchen. „Wir werden uns intensiv mit dem schwachen Abschneiden beim IQB-Bildungstrend auseinandersetzen und damit beschäftigen müssen, wie es sein kann, dass Kinder die Grundschule verlassen und ein erheblicher Teil nicht wie erforderlich schreiben, rechnen und lesen kann. Wir müssen anerkennen, dass nicht nur Corona zu diesem bundesweiten Trend geführt hat“, sagte die Politikerin.
Die Kultusminister kommen am Donnerstag (8. Dezember) in Berlin zusammen. Den Vorsitz hat das Bundesland Schleswig-Holstein. Bis nur Niedersachsen-Wahl war Grant Hendrik Tonne von der SPD Kultusminister in nördlichen Bundesland. Seit Anfang November hat Julia Willie Hamburg hat das Amt inne.
IQB-Bildungsmonitor stellt fest: Schüler der vierten Klasse fehlt Kernkompetenz
Dem IQB-Bildungsmonitor für das Jahr 2021 zufolge haben Schüler am Ende der vierten Klasse in Deutschland zunehmende Rechtschreib-, Lese- und Matheprobleme und sind im Vergleich zu Viertklässlern vor zehn Jahren deutlich zurückgefallen. Niedersachsen landete dabei im Mittelfeld. Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) bezeichnete die Ergebnisse der Studie im Oktober als alarmierend.
Im IQB-Bildungsmonitor heißt es: „Je nach Kompetenzbereich verfehlen im Schnitt 18 bis 30 Prozent der Schüler die Mindeststandards. Dabei zeigt der aktuelle Bildungstrend, dass die Leistungen in fast allen Ländern nachgelassen haben, allerdings in deutlich unterschiedlichem Umfang. Zugleich ist die Schere zwischen sozial benachteiligten und Kindern mit Zuwanderungshintergrund gegenüber Kindern aus privilegierteren Familien weiter aufgegangen.“
Alarmierende Warnsignale in Deutschland: Große Teile der Viertklässler verfehlen Bildungstandards
Nur acht Prozent der Viertklässler haben im Bundesdurchschnitt den Bildungsstandard im Bereichen Lesen erreicht. Etwas besser sieht es laut dem Bildungsmonitor im Fach Mathematik aus. Den Bildungsstandard erreichten 10,5 Prozent.
Doch es gibt auch die gute Nachricht unter den vielen schlechten. Der Stadtstaat Hamburg hat sich von der Gruppe der Schlusslichter von Bremen und Berlin deutlich nach oben abgesetzt. „Ob dies etwas mit der Strategie einer datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung zu tun hat, die das Land in mehr als 20 Jahren konsequent etabliert und weiterentwickelt hat, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen“, schreiben die Autoren. Bremen ist zwar weiterhin Schlusslicht, allerdings sind die Werte relativ stabil geblieben.
Ministerin Hamburg: Setting für Schüler muss angepasst werden
Ministerin Hamburg kündigte auf Landesebene erste Konsequenzen des Bildungstrends an. „Wir werden in Niedersachsen perspektivisch auf jeden Fall die Stundentafel anpassen und dadurch künftig mehr Fachunterricht in den Kernfächern Deutsch und Mathematik anbieten“, sagte sie. Dabei mache sich der Fachkräftemangel besonders bemerkbar, weil häufig auch fachfremder Unterricht erteilt werde von Lehrkräften, die das Fach nicht gelernt haben.
„Wir wollen aber auch schauen, welches Setting Schülerinnen und Schüler darüber hinaus brauchen, um gut zu lernen. Da geht es zum Beispiel um Bewegung und Werkunterricht, weil gerade Grundschulkinder nicht nur durch Schreiben lernen, sondern durch verschiedene Anregungen für das Gehirn“, sagte Ministerin Hamburg weiter. Zudem werde man schauen, wie die Kitas einen noch besseren Grundstein für die Grundschule legen könnten. Aktuell wurde die Notverordnung verlängert.
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