VonLia Stoikeschließen
Für Schafhalter oder Pferdebesitzer dürfte diese Erkenntnisse einer Hiobsbotschaft darstellen: In 2030 soll es 300 Prozent mehr Wolfrisse geben. Und das ist nicht alles.
Niedersachsen - Wolf und Mensch – das ist nicht nur in Niedersachsen ein Thema mit großem Konflikt-Potenzial. Doch, was bei der hitzigen Diskussion um das Raubtier im Hier und Jetzt auf der Strecke bleibt, ist der Blick in die Zukunft. Diesen Schritt hat nun ein Jäger aus Köln gewagt: Er wertete verschiedenste Daten und Fakten aus. Seine Erkenntnisse sind erschreckend.
Erschreckende Erkenntnis auch für Niedersachsen: „300 Prozent mehr Wolfsrisse bis 2030“
„Unsere Arbeit basiert auf einer soliden Datenbasis und enthält aussagekräftige Diagramme, Hochrechnungen und Prognosen“, das äußert Silvan Mundorf, Jäger und Inhaber von www.jagdjuenger.de, einem Jagd-Magazin, gegenüber kreiszeitung.de. Ziel sei vor allem gewesen, Daten zu erheben. Die Diskussion um eine etwaige Abschussquote soll nicht angefeuert werden, auch, wenn er selbst Jäger ist. Eine Meinung zu dieser Debatte habe er nicht.
„Der Wolf scheint vor allem dort für Probleme zu sorgen, wo er auf den Menschen trifft“, heißt es im Fazit des entsprechenden Blogbeitrags von Silvan Mundorf. Der Mensch habe ich sich im Laufe der Geschichte immer mehr ausgebreitet und sei in den Lebensraum des Wolfes eingedrungen. „Der überwiegende Großteil wurde zur Kulturlandschaft. Hier leben wir und produzieren die für unsere Ernährung notwendige Nahrung.“ Das schaffe einen Konflikt.
Deshalb hat es sich Mundorf zur Aufgabe gemacht, einen Blick in die Zukunft zu wagen. Jegliche valide Zahlen in Zusammenhang mit dem Tier Wolf wertete der Jäger aus: Wo breitet sich der Wolf aus? Wie entwickeln sich die Zahlen der Risse? Welche Prognose kann daraus gezogen werden? Er teilt kreiszeitung.de mit: „Die Zahl der Wolfsrisse wird sich von 2020 bis 2030 mehr als vervierfachen.“
Immer wieder kommt es in Niedersachsen zu Rissen. Erst kürzlich wurden fünf Pferde bei der Attacke eines Wolfs verletzt, eines sogar lebensgefährlich.
Auf Basis seiner Erhebungen sehe er verschiedene Möglichkeiten, die gewählt werden könnten. „Prävention, Kompensation und Abschuss auf Antrag“ sei ein Lösungsweg, der der aktuellen Lage entspreche. „Der Wolf steht weiter unter Naturschutz, darf nicht bejagt werden und breitet sich in Deutschland weiter aus.“ Die Viehhalter seien somit in der Pflicht, ihre Nutztiere mit Zäunen und Herdenschutzhunden zu schützen. Sollten sie dennoch gerissen werden, erhalten sie eine finanzielle Entschädigung.
„In diesem Szenario halte ich es für unausweichlich, dass es zu immer stärkeren Konflikten kommen wird“, erklärt der Jäger in seinem Beitrag. „Leider halte ich dieses Szenario für besonders realistisch, aber nicht für intelligent.“ Ein weiteres Szenario sei, die Wolfsbestände erheblich zu reduzieren. „Unsere Vorfahren haben sich irgendwann dafür entschieden, dass sie den Wolf ausrotten möchten.“ Übergriffe auf Nutztiere wie Schafe, Ziege und Hunde wurden, wie auch heute, zu einem Problem. So, dass diese radikale Entscheidung getroffen wurde. „Das würde die Problematik deutlich entschärfen, aber wohl auch den Zorn vieler Menschen auf die Jägerschaft schüren.“ Darüber hinaus würde der Artenreichtum in Deutschland um ein faszinierendes Wildtier ärmer werden.
Nabu Niedersachsen: „Nicht das Gesicht bei einer gescheiterten Wolfspolitik zu verlieren“
Auch der Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen bezog Stellung zu der aktuellen Zahlenlage. Im Frühjahr 2021 gab das Land Niedersachsen eine Studie zur Wolfspopulation in Auftrag, um Erkenntnisse über den sogenannten günstigsten Erhaltungszustand für den Wolf zu gewinnen. Die Einordnung von Dr. Holger Buschmann, Nabu-Landesvorsitzender Niedersachsen, fällt allerdings anders aus. Er wirft der Politik unter anderem vor: „Es scheint eher darum zu gehen, nun nicht das Gesicht bei einer gescheiterten Wolfspolitik zu verlieren, weil immer deutlicher wird, dass man mit den Abschüssen von Wölfen weder den Nutztierhaltern noch den Wölfen hilft.“
Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen wertet Zahlen zu Wolf aus
- Die Grundlage für alle Modellberechnungen der Studie sei ein exponentielles Wachstum der Wolfspopulation in Niedersachsen
- Aktuell gebe es ein deutlich geringeres Wachstum
- Vier von 23 gerechneten Szenarien zeigen ein Aussterben des Wolfes bis 2030
- Zudem werde der Parameter Wolfspopulationswachstum deutlich überschätzt, somit dürften deutlich mehr Szenarien zu einer Wiederausrottung der Art führen
Als dritte Option bestehe laut Mundorf jene, Areale zu definieren, in denen Wölfe akzeptiert sind und Bereiche, in denen sie erlegt werden sollen. „In Hegegemeinschaften könnten Abschusspläne ausgearbeitet werden, die einen sicheren Wolfsbestand anstreben und den Zuwachs abschöpfen.“ Laut Mundorf wäre diese Option die sinnvollste. Dem Wolf könnte dort, wo er ein sicheres Habitat findet, ein Dasein ermöglicht werden. „Gleichzeitig würden wir jedoch den Konflikt deutlich entschärfen, für mehr Akzeptanz sorgen und die Interessen beider Lager in Einklang bringen können.“
Zudem biete dieses Szenario einen Vorteil: Planungssicherheit. „Anwohner, Viehtreiber, Naturschützer und Jäger wüssten im Vorfeld, wie in der entsprechenden Region mit Wölfen verfahren wird und können gemeinsam an der Umsetzung der Pläne wirken.“

