NLWKN seit 60 Jahren in Sulingen - „Wir sind die Wächter des Wassers“

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Auf 60 Jahre Wasserwirtschaft am Standort Sulingen blicken Bernd Lehmann und Anne Schwob zurück.
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Seit 60 Jahren sind Experten für Wasserwirtschaft in Sulingen ansässig. „Die Daseinsvorsorge für die Bevölkerung“ sei ihre Aufgabe, sagt Bernd Lehmann, Leiter der Sulinger Stelle des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Was er damit meint? Es geht um gutes Wasser - mit allem, was dahinter steckt. Und das schon seit 60 Jahren.

Sulingen – Das Schild am Eingang ist recht unscheinbar, und die meisten Besucher zieht es mutmaßlich einen Eingang weiter zur Filiale eines großen Schuhhändlers. Dabei verbirgt sich hinter der Abkürzung NLWKN in Sulingen eine wichtige Aufgabe: „Wir sind die Wächter des Wassers“, sagt Bernd Lehmann, Leiter der hiesigen Stelle des „Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz“, die – damals noch unter anderem Namen – 1963 in Sulingen installiert wurde.

„Die Daseinsvorsorge für die Bevölkerung ist seit Beginn unsere Aufgabe“, erklärt Lehmann. Der NLWKN verfügt neben der Direktion in Norden über elf Betriebsstellen an 14 Standorten und 21 Betriebshöfe mit zusammen rund 1 500 Mitarbeitern; in Sulingen sind aktuell 38 Personen tätig. Hier liegt die Zuständigkeit für die Landkreise Diepholz und Nienburg. Zudem beherbergt die Betriebsstelle seit 2010 das Seenkompetenzzentrum des NLWKN – und hat damit eine wichtige Funktion bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie für die 27 großen niedersächsischen Seen ab einer Wasseroberfläche von 50 Hektar, darunter das Steinhuder Meer und der Dümmer, aber auch die Okertalsperre oder der Maschsee in Hannover.

„Die Präsenz in der Fläche hat sich bewährt“, ist Lehmann überzeugt, weil damit auch Ortskenntnis verbunden ist. Zudem schätzt er den Umstand, dass im NLWKN Wasserwirtschaft und Naturschutz unter einem Dach angesiedelt sind: „Beide profitieren voneinander.“

Eine wichtige Aufgabe kommt dem NLWKN auch zu als Dienstleister für die öffentliche Verwaltung bei der Planung und Begleitung von Projekten, sagt Anne Schwob, Leiterin des Geschäftsbereiches für Planung und Bau wasserwirtschaftlicher Anlagen und Gewässer der Betriebsstelle Sulingen. Derzeit begleitet man zwei Großprojekte: die Wiedervernässung der Hannoverschen Moorgeest und die Dümmersanierung.

Die Historie des NLWKN in Sulingen

Nach der Weihnachtsflut an der Nordseeküste im Jahr 1717 wurde der Küstenschutz zur staatlichen Aufgabe, und um 1820 richtete das Königreich Hannover eine „General-Direction des Wasserbaues“ ein. Für das Kaiserreich folgte 1871 eine in Hannover angesiedelte „Meliorationsbauinspektion“, die zuständig war für die Melioration, also die Verbesserung der Bodenverhältnisse für die Landwirtschaft durch Be- und Entwässerung. Der Begriff „Wasserwirtschaftsamt“ wurde 1939 eingeführt. In den 60er-Jahren richtete Niedersachsen 15 neue Ämter ein, darunter auch den Standort Sulingen im Jahr 1963. Schwerpunkt dieser Behörden war der Aufbau einer zentralen Wasserversorgung, der Abwasser- und Abfallbeseitigung sowie der Aufbau eines Gewässerüberwachungssystems. Mit Inkrafttreten des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes 1981 und der Gründung des Niedersächsischen Umweltministeriums 1986 erhielten die Ämter staatliche Labore. Zwischenzeitlich umbenannt in Staatliche Ämter für Wasser und Abfall (StÄWA), folgte 1998 eine erneute Umstrukturierung: Die Aufgaben des StÄWA Sulingen wurden der Bezirksregierung Hannover, Außenstelle Sulingen, zugeordnet. 2005 wurden die Bezirksregierungen aufgelöst. Ein Teil der Aufgaben wurde an die Kommunen verlagert, während unter dem neuen Namen „Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz“ (NLWK) die Zuständigkeit für die Gewässer blieb; der Buchstabe „N“ für Naturschutz kam 2005 zur Abkürzung hinzu. Damit umfasst das Spektrum die Aufgabenfelder Wasserwirtschaft, Küstenschutz, Naturschutz und Strahlenschutz. hab

Die Wiedervernässung ist ein von der EU gefördertes „LIFE+“-Projekt, das 2012 begann. Dabei sollen in vier Mooren der Region Hannover, dem Schwarzen Moor, dem Otternhagener Moor, dem Bissendorfer Moor und dem Helstorfer Moor, die Wasserstände auf den Moorflächen wieder angehoben werden. Beim Schwarzen Moor sind die Arbeiten abgeschlossen, im Otternhagener Moor und im Bissendorfer Moor wurden die Maßnahmen begonnen, und im Helstorfer Moor steht der Planfeststellungsbeschluss noch aus. „Es ist ein bedeutendes Projekt auf mehr als 2 000 Hektar“, führt Schwob aus, „aber es ist auch ein sehr wichtiges Projekt für den Natur- und Klimaschutz.“ Ihr Geschäftsbereich ist verantwortlich für die wasserbauliche Planung und Bauüberwachung. 2027 soll das Vorhaben abgeschlossen sein.

Das zweite Großprojekt stellt der Schilfpolder dar, laut Schwob ein „unverzichtbares Kernelement der Dümmersanierung“. Dieses Bauwerk soll südwestlich des Dümmers in zwei Bauabschnitten errichtet werden, um insbesondere den Eintrag von Phosphor über die Hunte in den See zu verringern (wir berichteten). Durch die bereits 2009 erfolgte Umleitung des Bornbachs sei der Phosphor-Eintrag in den Dümmer um durchschnittlich 50 Prozent pro Jahr verringert worden, erläutert Lehmann. Durch die Umleitung des Venner Moorkanals soll zusätzlich der Phosphoranteil gesenkt werden: „Je Tonne Phosphor, die wir einsparen, benötigen wir 30 Hektar weniger Polder.“

Als besonders hilfreich empfindet Lehmann den 2011 gegründeten Dümmerbeirat. Der sei unter anderem als Reaktion auf das damalige Fischsterben im Dümmer ins Leben gerufen worden, um in Form eines „Runden Tisches“ alle Akteure zusammenzubringen: „Das hat sich bewährt, es gibt eine sehr gute Zusammenarbeit.“

Dazu gehört auch das Dümmer-Forum (wir berichteten): „Das ist die Bühne, um die Öffentlichkeit zu informieren“, erläutert Lehmann. Dieser Aspekt wird immer wichtiger, denn „es ist Teil unserer Arbeit, auch bei kritischen Nachfragen Rede und Antwort zu stehen“. Grundsätzlich sei der Blick auf die wasserwirtschaftlichen Schwerpunktaufgaben heute ein anderer als noch vor 60 Jahren, „die Akzeptanz kommt mit der Umsetzung der Maßnahmen, aber auch durch Extremereignisse – der Fokus ist geschärft durch den Klimawandel“. Der lässt sich nicht mehr komplett aufhalten, ist sich Lehmann sicher, „aber wir müssen besonders gut sein in der Anpassung an die Folgen.“

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