VonJohannes Nußschließen
Aufgrund des Ukraine-Kriegs muss Emden wöchentlich 50 Geflüchtete aufnehmen. Jetzt gibt es ein Platzproblem. Der Kulturbetrieb in der Nordseehalle wird weichen.
Emden – Der seit Ende Februar tobende Krieg in der Ukraine zwingt hunderttausende Menschen zur Flucht aus ihrem Heimatland. Viele von ihnen kommen auch nach Niedersachsen, um hier Schutz vor den Wirren des Krieges zu finden. Aufgenommen werden sie fast überall mit offenen Armen. In der Stadt Emden in Niedersachsen geht man jetzt noch einen Schritt weiter: Da die Stadt ab sofort wöchentlich bis zu 50 Geflüchtete aufnimmt, kommt es zu einem Platzproblem. Doch jetzt hat man eine Lösung gefunden.
16 Veranstaltungen betroffen: Nordseehalle Emden stellt Kulturbetrieb ein und wird Geflüchtetenunterkunft
Um den notleidenden Geflüchteten eine Unterkunft bieten zu können, weicht der Kulturbetrieb in der Nordseehalle in Emden. Betroffen sollen laut Nordwest-Zeitung mindestens 16 Veranstaltungen sein. Wie jetzt mit Besitzern von Karten für diese Events umgegangen wird, ist aber noch nicht ganz klar, heißt es in dem Bericht. Letzte Veranstaltung in der Nordseehalle im September soll die Show „Pawel Popolski – Nach der Strich und der Faden“ sein. Danach fällt erst einmal der kulturelle Hammer und die Halle wird zu einer Geflüchtetenunterkunft umfunktioniert.
Da kommt natürlich bei Kartenbesitzern für betroffene Veranstaltung die Frage auf, was nun mit der jeweiligen Veranstaltung und den Tickets ist. Fällt alles aus? Wird es verlegt oder verschoben? Fragen, die derzeit auch in der Stadt Emden noch niemand so richtig beantworten kann. So heißt es also ganz nach alter ostfriesischer Manier: abwarten und Tee trinken.
Nordseehalle Emden wird zur Geflüchtetenunterkunft: Verantwortliche halten Schritt für richtig
Das städtische Unternehmen „Kulturevents Emden“ bittet jedenfalls darum, dass die betroffenen Personen derzeit noch davon absehen, ihre Tickets zurückzugeben, bis geklärt ist, wie es mit der jeweiligen Veranstaltung weiter geht. Denn, erst wenn vonseiten des Veranstalters alles geregelt ist, also beispielsweise das Konzert storniert wurde, kann Kulturevents Emden die Kartenpreise erstatten. Andernfalls könnte man hinterher als Veranstaltungsort noch auf den Kosten sitzen bleiben.
Wir sind dankbar, Menschen in einer Notlage unterstützen zu können, die sie selbst nicht verursacht haben.
Derzeit versucht man in Emden für die betroffenen Veranstaltungen fieberhaft Lösungen zu finden. Ausfallen soll natürlich so wenig wie möglich. Und man ist sich wohl auch der Brisanz dieses Unterfangens bewusst. Aufgrund der vergangenen Coronajahren haben die Bürgerinnen und Bürger auf viel verzichtet und auch die Flüchtlingskrise von 2015 ist vielen noch in Erinnerung. Trotzdem halten die Verantwortlichen in Emden den Schritt für richtig, wie Kulturevents Emden-Pressesprecherin Nadine Behrensdorf der NWZ sagte.
„Während das Veranstalterauge selbstverständlich weint, stellen wir uns mit Zuversicht der neuen, temporären Aufgabe und sind dankbar, Menschen in einer Notlage unterstützen zu können, die sie selbst nicht verursacht haben“, so Pressesprecherin Behrensdorf.
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