Nordwestbahn übernimmt Linie Verden-Rotenburg

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Auch auf der Verbindung Verden-Rotenburg sollen künftig komfortable Züge der Regio-S-Bahn an den Start gehen.
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Im Eisenbahnnetz des Landkreises Verden zeichnet sich das Ende der Triebwagen-Ära ab. Gleichzeitig gewinnt das milliardenschwere Alpha-E-Projekt Konturen

Verden – 29 Jahre hat er auf dem Buckel, 144 Menschen finden auf den Sitzbänken Platz, einen Hauch von Eisenbahnerromantik versprüht er inzwischen. Der Triebwagen mit 660 PS, einer Höchstgeschwindigkeit von Tempo 120 und der Bezeichnung VT 628. Mit Dieseltechnik hält er die Schienenverbindung zwischen Verden und Rotenburg aufrecht. Doch diese Zeiten nähern sich dem Ende. „Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember kommen auf der Strecke moderne S-Bahnzüge zum Einsatz“, sagt auf Nachfrage Dirk Altwig von der Landesnahverkehrsgesellschaft. Die Linie werde dem Bremen-Niedersächsischem Netz zugeschlagen, sie sei auf die Bezeichnung RS 6 getauft. Und die Ausschreibung habe ergeben, die Nordwestbahn übernehme die rund 25 Kilometer. Gleichzeitig gewinnt der milliardenschwere Alpha-E-Ausbau zwischen Allermündung und Wümme weitere Konturen und die Bahn stellte erste Pläne für die Amerika-Linie über Kirchlinteln, Langwedel und Achim nach Bremen vor.

EVB betreibt aktuell die Strecke Verden-Rotenburg

Noch betreibt die EVB die Strecke nach Rotenburg. Das Unternehmen mit Stammsitz in Zeven hatte die Ausschreibung 2018 für einen Zeitraum von vier Jahren gewonnen. „Der Vertrag läuft aus“, sagt Andrea Stein vom Standort Bremervörde. Mitarbeiter allerdings seien davon nicht betroffen. „Der Bahnverkehr Nach Verden wurde aus dem unternehmensweiten Pool mit 600 Beschäftigten versorgt, Lokführer und Zugpersonal kommen künftig anderweitig zum Einsatz.“ Unter anderem ist die EVB auf der Linie Cuxhaven-Buxtehude unterwegs. Hier sogar mit einem der ersten wasserstoffbetriebenen Züge.

Mitte Dezember ist Schluss: Der Dieseltriebwagen verschwindet aus dem Tagesgeschäft.

Auf dem Abschnitt Verden-Rotenburg nähern sich tägliche Tätigkeiten wie das Tanken dem Ende. Statt Dieselaggregaten kommt auch hier die Elektrifizierung zum Einsatz. „Die Züge bieten künftig mehr Komfort, der Einstieg ist einfacher“, sagt Altwig. Noch allerdings bleibe es beim bisherigen Takt. An Werktagen morgens drei und abends fünf Touren im Stunden-Abstand, der Rest werde im Zwei-Stunden-Rhythmus absolviert. „Diese Linie ist noch einspurig, sie wird viel vom Güterverkehr genutzt. Deshalb ist aktuell keine Verdichtung möglich“, so Altwig. Ab dem Ende des Jahrzehnts solle dann der Ein-Stunden-Takt eingeführt werden.

Allein in Verden gut ein Dutzend Brücken und Unterführungen in Arbeit

Tatsächlich hat die Bahn 15 Monate nach der Bundestagsentscheidung, den Ausbau-Etat von 0,9 auf rund 1,1 Milliarden Euro aufzustocken, erste Schritte eingeleitet. Nach Angaben der Stadt Verden ist europaweit eine Fachfirma gefunden worden, die aktuell die Basisarbeit für das sogenannte Planfeststellungsverfahren auf der Strecke Verden-Rotenburg vornimmt. Bis zum Abschluss müssen unter anderem das gute Dutzend Verdener Tunnel und Unterführungen, der Bahnhalt in Dauelsen und ein Lärmschutz, der den Geräuschpegel eines Geschirrspülers ermöglicht, integriert sein.

Auch ein nächster Bestandteil von Alpha-E gewinnt zunehmend Konturen, die sogenannte Amerika-Linie auf dem Abschnitt zwischen Uelzen und Langwedel. Die eingleisige Strecke soll dabei elektrifiziert und ertüchtigt werden, heißt es. Zusätzlich sind neun sogenannte Kreuzungsbahnhöfe für Überholmöglichkeiten oder Begegnungsverkehr geplant. Derzeit wird von einer Höchstgeschwindigkeit von maximal Tempo 80 für Güterzüge ausgegangen. Für den schienengebundenen Personennahverkehr sind Kapazitätssteigerungen sowie Fahrzeitverkürzungen vorgesehen. Ferner sind Lärmschutzmaßnahmen durchzuführen. Die Stadt Verden teilt inzwischen mit, sie habe sich auch für diesen Streckenabschnitt einer neuen AG Anrainerkommunen angeschlossen.

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