Nur die Kegelbahn ist geblieben: Ehepaar baut frühere Scheeßeler Gaststätte zum Wohnhaus um

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Fühlen sich rundum wohl in ihren neuen vier Wänden: Hein van Overbeek und seine Frau Katja.
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In Scheeßel haben Hein und Katja van Overbeek ein altes Gasthaus zu ihrem Wohnsitz umgebaut. Drei Wohnungen vermietet das Paar an Singles.

Scheeßel – Wirft jemand in Scheeßel das Stichwort „Zum Heidekrug“ in den Raum, dann verbindet man den Namen in der Regel mit einem: Einkehr. Jahrzehntelang war die familiengeführte Gaststätte an der Breslauer Straße eine beliebte Adresse für jene, die gutes Essen oder einfach nur ein Feierabendbierchen genießen wollten. Noch heute weist am Wegesrand ein Schild auf das Lokal hin – nur, dass es gar kein Lokal mehr zum Einkehren gibt.

2020 war es, dass Wirtin Gisela Riggers den Betrieb aus Altersgründen aufgab. Seitdem stand die Immobilie im Fachwerkstil zum Verkauf – jedoch nicht für lange. Hein van Overbeek (58) und seine Frau Katja (56) erwarben die ehemalige Gaststätte nebst Kegelbahn im Keller, im Februar dieses Jahres zog das Paar, das zuvor in Zeven wohnhaft war, darin ein. „Wir haben uns gleich bei der ersten Besichtigung in das Haus und seinen Charme verliebt“, sagt der gebürtige Niederländer Hein van Overbeek.

Der äußerliche Charme – er ist zum Glück erhalten geblieben. Im Gebäudeinneren jedoch erinnert bis auf die Fliesen im Flur rein gar nichts mehr an die guten, alten Zeiten. Der „Heidekrug“ hat nach aufwendiger Sanierung eine komplette Umnutzung zum Wohnhaus erfahren. Eine der vier Parteien – und zwar jene im Dachgeschoss – bewohnen die neuen Hauseigentümer selbst. „Aus dem Rest, also dem früheren Clubraum, der Kneipe und der Küche, haben wir unten jeweils Single-Wohnungen gemacht“, berichtet der 58-Jährige. Diese würden vermietet – zu erschwinglichen Konditionen, wie der neue Hausherr betont. „Uns war es wichtiger, hier eine gute Gemeinschaft zu haben, als hohe Mieten zu fordern – wir sind ja Privatleute und kein großer Investor.“

Hier wird nicht mehr öffentlich eingekehrt: Vier Wohnungen sind im ehemaligen „Heidekrug“ realisiert worden.

Dabei habe man zu Beginn tatsächlich noch ernsthaft darüber nachgedacht, die Immobilie als Gastronomie weiterzuführen. „Unsere Tochter ist selbst als Köchin in der Branche tätig, hätte das Lokal also gut und gerne übernehmen können“, sagt Katja van Overbeek. Nur seien diese Pläne nach genauerer Begutachtung der Immobilie, Baujahr 1980, dann doch wieder ruckzuck verworfen worden. „Vor dem Hintergrund, dass für die alte Gaststätte noch Bestandsschutz galt, man für einen Neubetrieb nach heutigen Kriterien aber noch jede Menge hätte um- und ausbauen müssen, wäre es für sie als Anfängerin finanziell ein viel zu hoher Aufwand gewesen – das hätte sie ohne Saalbetrieb nie im Leben wieder reinverdient.“ Dementsprechend habe schließlich Plan B gegriffen. „Uns war aber von Anfang an klar, dass wir hier miteinziehen werden“, betont die 56-Jährige.

Und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Die van Overbeeks leben mit ihren zwei Hunden in einer modern eingerichteten, energetisch sanierten Wohnung, die für sie selbst keine Wünsche offen lässt. „Wir haben es so konzipiert, dass Wände zusätzlich eingezogen, aber nicht weggenommen wurden – die Statik ist also gleichgeblieben.“ Vom Wohnzimmer aus mit der offenen Küche zweigt eine große Dachterrasse ab, die sich die Eheleute auf die Garage haben bauen lassen. „Im Sommer hat man von hier aus über Scheeßels Dächer einen fantastischen Blick“, schwärmen beide. Wie gut, dass dem Paar für den Umbau ein Berater aus der eigenen Familie zur Seite stand: „Unser Sohn studiert Bauingenieurswesen – der hat uns bei den Planungen wirklich toll unterstützt.“ Dass sich das Paar im Vergleich zu seiner früheren Heimat mit Blick auf den Wohnraum verkleinert hat, stellt eigenem Bekunden nach kein Problem dar: „Unsere Kinder sind ja inzwischen alle aus dem Haus“.

Das alte Gaststätten-Mobiliar hat in einem Partyraum Einzug gefunden.

Bleibt die Frage, was aus dem urigen Gaststätten-Mobiliar geworden ist – dem Kneipentresen etwa sowie den vielen Stühlen, Tischen und Eckbänken, auf und an denen die Gäste Platz nahmen. Im Gebäude findet sich jedenfalls nichts mehr davon wieder. Katja van Overbeek klärt auf: „Wir haben einen Entrümpeler finden können, der das alles für seinen privaten Partyraum mitgenommen hat – schön, dass es so erhalten geblieben ist.“ Selbst die ganzen Pötte und Pannen seien an besagte Person gegangen – „die hat er in seiner Gemeinde der Ukraine-Hilfe zur Verfügung gestellt.“

Und die Kegelbahn im Keller? Die ist noch immer an ihrem angestammten Platz. „Ein Plus für unsere Mieter“, befindet das Paar schmunzelnd. Privat sei die Anlage selbst heute noch in Betrieb. Anfragen aus dem Bekanntenkreis müsse man indes eine Abfuhr erteilen. „Wir haben nämlich aus den Toilettenräumen dort unten Abstellräume gemacht.“

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