Pro Dem beteiligt sich mit Woche der Demenz am Welt-Alzheimer-Tag

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Mitarbeiterinnen des Vereins Pro Dem präsentieren das Plakat zur Woche der Demenz: (v.l.) Meike Foerster, Dagmar Heidtmann, Kirsten Spiekermann und Susanne Schröder.
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Der Senioren- und Pflegestützpunkt sowie die Alzheimergesellschaft für Stuhr, Weyhe und Syke, Pro Dem, bietet vier Aktionen in Bezug auf Demenz-Erkrankungen und die Folgen darauf an.

Brinkum – 1,8 Millionen Demenzerkrankte gibt es in Deutschland – eine gewaltige Zahl, die noch nicht einmal die ganze Problematik widerspiegelt. „Wir reden hier nicht nur über die Betroffenen, sondern noch mal über 1,8 Millionen Familien oder Pflegekräfte, die sich um sie kümmern. Und über die Herausforderungen, die damit verbunden sind“, sagt Lilja Helms, Leiterin des geronto-sozialen Bereichs bei Pro Dem. Zum wiederholten Mal beteiligt sich der Verein mit einer „Woche der Demenz“ am Welt-Alzheimer-Tag, der jedes Jahr am 21. September auf die Situation der Erkrankten und Pflegenden aufmerksam macht.

Pro Dem ist der Senioren- und Pflegestützpunkt sowie die Alzheimergesellschaft für die Gemeinden Stuhr, Weyhe und Syke. Seit mehr als 20 Jahren verfolgt der Verein das Ziel, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen zu verbessern, ebenso die Zusammenarbeit aller Akteure auf diesem Gebiet. Dazu gehören auch die Aktionen in der Woche der Demenz (siehe Infokasten).

Laut Lilja Helms kann sich Demenz innerhalb von Monaten oder Jahren entwickeln. So oder so: Das Fortschreiten der Erkrankung sei gleichermaßen belastend für die Betroffenen wie für die Familien. Und die Belastung steige sukzessive. „Es kann sein, dass man als Pflegender an seine Grenzen stößt. Wir wollen den Familien die Ziegelsteine aus den Rucksäcken nehmen. Das ist uns eine Herzensangelegenheit. Dafür sind wir da.“

Rechtzeitige Diagnose ist wichtig

Wichtig nach Auskunft von Lilja Helms: die rechtzeitige Diagnostik. Vergleichbare Symptome könnten auch durch andere Krankheiten hervorgerufen werden, etwa der Schilddrüse oder des Gehirns. „Ich gehe nicht zum Arzt. Der könnte ja eine Demenz bestätigen“, sei eine vollkommen falsche Herangehensweise. „Wir können die Krankheit nicht heilen, haben aber konkrete Hilfen und passgenaue Angebote für Betreuung, Beratung und Förderung.“

Angebote wie die Gruppe „Die jungen Wilden“ für junge Menschen mit Demenz, für die wieder Plätze frei sind. Denn die Zeiten, in den nur die „Hochaltrigen“ Unterstützung bräuchten, sind laut Lilja Helms längst vorbei. Demenz sei heute mit Ende 50/Anfang 60 schon ein Thema. „Das betrifft jetzt zwei Generationen. Die Leute stehen teilweise noch im Berufsleben. Das sind ganz andere Herausforderungen“, berichtet Lilja Helms. Einige hätten noch Kinder in der Ausbildung und Eltern, die gesund seien.

Enorme Last für Knder mit pflegebedürftigen Eltern oder Großeltern

Ebenso gut sei es möglich, dass auch ein Elternteil von Menschen mit Demenz an dieser Krankheit leide. Helms spricht von einer enormen Last auf den Schultern der Kinder, die dann pflegebedürftige Eltern und Großeltern hätten. „Leider erleben wir das immer häufiger“, sagt die Gerontologin. In den vergangenen fünf Jahren habe der Kontakt des Kollegiums zu jungen Menschen signifikant zugenommen.

„Es  ist krass, wenn man hier eine 25-Jährige sitzen hat, die eigentlich selbst noch ihren Vater braucht“, sagt Lilja Helms. Sie habe vor allen Pflegenden großen Respekt. Aber noch mehr vor jenen, die diese Aufgabe in jungen Jahren mit großer Würde übernähmen.

Vier Aktionen während der Veranstaltungsreihe

Ihnen widmet Pro Dem am Donnerstag, 22. September, einen Online-Vortrag. Lilja Helms selbst spricht zum Thema „Papa, was ist los mit dir – du vergisst so viel?!“. Zeit (18 Uhr) und Plattform (Internet) seien so gewählt, dass möglichst viele Berufstätige das Angebot wahrnehmen könnten, sagt die Referentin. Ihr Vortrag ist eine von vier Aktionen der „Woche der Demenz“. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, Interessierte, Angehörige und Betroffene über das Krankheitsbild aufzuklären, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und eine bessere Teilhabe für Menschen mit der Diagnose Demenz zu ermöglichen.

„Demenz muss überall ankommen“, fordert Lilja Helms. „Im Einzelhandel, in Apotheken, im öffentlichen Personennahverkehr, in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Überall müssen Menschen mit Demenz einen Platz haben.“ Auch in der Kultur, weshalb Theater, Film und Tanz das Gros der Pro-Dem-Aktionen bilden. „Wir wollen“, sagt Lilja Helms, die Abende mit Leichtigkeit füllen.“

Information

Der Verein Pro Dem denkt über eine Gruppe nach, in der sich junge Menschen mit Demenz austauschen können. „Eine Gruppe ohne Therapie, sondern für Gespräche über ihre Defizite, aber auch über Werder Bremen“, sagt Lilja Helms. Dies sei mit oder ohne Moderation möglich und richte sich ganz nach den Bedürfnissen der Teilnehmer. Interessierte melden sich unter 0421/8983344 oder info@prodem-stuhr-weyhe.de.

Die Veranstaltungen der „Woche der Demenz“

Dienstag, 20. September, 19 Uhr:

Theateraufführung „Du bist meine Mutter!“, Theater Syke, Karten im Bürgerbüro Syke, Stadtbibliothek Syke, Nordwest-Ticket oder an der Abendkasse.

Mittwoch, 21. September, 19 Uhr:

Kino-Film „The Father“ mit anschließendem Austausch mit Pro Dem. Kartenreservierung direkt im Hansa-Kino Syke.

Donnerstag, 22. September, 18 Uhr

Online-Vortrag „Papa, was ist los mit dir - du vergisst so viel?!“. Vortrag zum Thema Demenz für Angehörige von Lilja Helms, Gerontologin bei Pro Dem. Anmeldungen unter 0421/898 33 44 oder per E-Mail an die Adresse info@prodem-stuhr-weyhe.de.

Freitag, 23. September, 19 Uhr

„Dance for Demenz“: Diskoabend für Senioren, Menschen mit Demenz, Angehörige und allen, die Lust zum Tanzen haben. Mit DJ Peter Wirtz und der NR Dance & Event Tanzschule Reiners. Anmeldungen erwünscht bei Pro Dem unter 0421/898 33 44.

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