LANDTAGSWAHL

Bettina Schwing aus Fischerhude tritt für die Grünen bei Landtagswahl Niedersachsen an

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Ist mit ihrem Wahlkampf zufrieden und möchte 2027 wieder für die Grünen antreten: Bettina Schwing.
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Fischerhude – Wer sich im Internet über die Landtagskandidatin der Grünen für den Wahlkreis 53 Rotenburg, Bettina Schwing, schlaumachen will, der kann noch so gründlich recherchieren – bis auf eine Handvoll Informationen findet er nichts.

Anders als die meisten weiteren Kandidaten, die sich und ihre Ziele online präsentieren, hat Bettina Schwing keine eigene Internetseite – und auch die Facebook-Seite und ihr Instagramprofil verraten wenig über die Kandidatin, die für ihre Partei über kurz oder lang in den niedersächsischen Landtag einziehen will.

Dass ihr Social-Media-Auftritt ausbaufähig ist, weiß auch Bettina Schwing, die mit ihrem Wahlkampf nach eigenen Worten trotzdem zufrieden ist. „Es macht mir viel Spaß und die Arbeit liegt mir“, sagt die 55-Jährige, für die der Wahlkampf so etwas wie ein Probelauf sein soll.

Denn Bettina Schwing ahnt, dass sie künftig vermutlich von Fischerhude aus anstatt von der Landeshauptstadt Hannover aus Politik machen wird und hat sich bereits neue Ziele gesetzt: „Über den Listenplatz komme ich nicht in den Landtag, dafür bin ich noch zu unbekannt, und auch ein Direktmandat holt man hier nicht. Aber ich möchte bei der Landtagswahl 2027 wieder antreten – und dafür werde ich alles gründlich planen“, betont die Juristin, die in einer Bremer Kanzlei arbeitet, verheiratet ist und vier Kinder im Alter zwischen zwölf und 25 Jahren hat.

Bis zum Start ihres Wahlkampfs war Bettina Schwing politisch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Für ihre umweltpolitischen Ziele kämpft sie aber bereits seit einigen Jahren, wie sie erklärt: „2019 habe ich den Verein ,Wald für die Welt‘ gegründet, für den ich – abgesehen von einer dreimonatigen Wahlkampfpause – immer noch aktiv bin. Unser Ziel ist es, Flächen zu renaturieren.“ Ein Spender hatte dem Verein dafür 13 Hektar Fläche zur Verfügung gestellt. „Schülerinnen und Schüler haben innerhalb von nur drei Monaten 5000 Bäume dort gepflanzt. Sie waren mit viel Begeisterung dabei“, berichtet Bettina Schwing.

Ein ähnliches Engagement möchte sie auch in der Politik zeigen: „Es gibt so viele Menschen, die gute Ideen haben und etwas bewegen wollen, die aber ausgebremst werden.“ Um das zu verhindern, sollten ausgewählte Umweltthemen zur Pflichtaufgabe von Kommunen werden, meint Schwing: „Denn nur so kommt das Fördergeld auch hier an“, ist sie überzeugt.

Erst Anfang des Jahres hatte sie sich dazu bereit erklärt, bei der Landtagswahl anzutreten, nachdem sie von ihrer Partei darum gebeten worden war. „Ich hatte zunächst Bedenken, ob sich das mit der Familie, meiner Arbeit in der Kanzlei und für den Verein vereinbaren lässt. Aber inzwischen stehe ich voll dahinter.

Als Juristin habe sie sich zahlreiche Gesetze angeschaut und dabei vieles entdeckt, das ihrer Meinung nach verändert werden sollte. „Mir ist es unter anderem wichtig, dass die Klimagesetze angepasst werden“, so Schwing, die erklärt, dass sie nicht für sich, sondern für die Sache angetreten ist: „Es gibt derzeit keine andere Partei als die Grünen, die ich für wählbar halte, wenn ich mir anschaue, wie die globalen Probleme gerade in jeder Hinsicht stehen.“

Als Anwältin mit den Schwerpunkten Frauen-, Familien- und Migrationsrecht möchte sie sich auch in diesen Bereichen politisch engagieren, „aber daran zu arbeiten macht keinen Sinn, wenn wir nicht unser grundlegendes Problem in den Griff bekommen: den Klimawandel.“

Es genüge dafür nicht, ein paar Bäume zu pflanzen, das Auto stehen zu lassen und auf erneuerbare Energie umzusteigen. „Wir müssen die ganze Gesellschaft mitnehmen, anstatt herumzudoktern, und das große Ganze sehen – aber das erkenne ich bei den anderen Parteien nicht.“

Dass Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) derzeit viel Gegenwind für die Politik der Regierung bekommt, habe sie auch in ihrem Wahlkampf zu spüren bekommen. „Ich bin auf dem Marktplatz beschimpft worden. Dabei fallen Sätze wie ,Ihr seid Kriegstreiber!‘ und ,Ihr ruiniert uns mit eurer Energiepolitik!‘.“ Sie versuche dann, das Gespräch zu suchen und freue sich über jeden Diskurs. „Aber einige sind gar nicht bereit, zu reden. Das finde ich schade. Bei der Podiumsdiskussion des Landvolks war es leider genauso.“

Dabei ist für sie die Landwirtschaft neben dem Handwerk eine der tragenden Säulen der Gesellschaft: „Wir wollen Landwirte begleiten auf dem Weg zu weniger Pestiziden und einem besseren Wassermanagement.“ Es gebe bereits einige Ansätze, um die Artenvielfalt zu bewahren: „Aber das geht alles noch zu langsam. Wir wollen weg von der großen Agrarindustrie und dabei helfen, kleine Höfe zu retten. Bei den Themen Boden- und Tierschutz brauchen Landwirte Unterstützung – nur wollen sie die scheinbar nicht von den Grünen. Einige Landwirte, mit denen ich gesprochen haben, leugnen sogar immer noch den Klimawandel.“

Schwing spricht sich dafür aus, dass beim Hausbau verpflichtend Fotovoltaikanlagen auf dem Dach installiert werden müssen und schlägt als Dämmmaterial die Verwendung von Paludikulturen wie Moorgras und Rohrkolben vor. „Wir sollten Landwirte fördern und ihnen die Chance geben, damit Gewinn zu erzielen“, so Bettina Schwing weiter.

Ein Lob spricht sie dafür aus, wie bisher die Integration von Flüchtlingen gelaufen ist. „Aber auch dort gibt es Handlungsbedarf, besonders im Bereich der Sprachkurse sowie Aus-, Fort- und Weiterbildungen. Ich sehe darin auch die Chance, etwas gegen den Fachkräftemangel zu machen.“

Frauen mit Migrationshintergrund, die oft nicht Lesen und Schreiben gelernt haben, müsse die Teilnahme an der Erwachsenenbildung ermöglicht werden, so Schwing weiter: „Es ist für sie ein Weg raus aus den patriarchalischen privaten Strukturen. Es gibt Frauen, die erfolgreich ihren Schulabschluss nachholen und ein neues Leben anfangen. Aber das ist für sie nur dann möglich, wenn wir ihnen auch eine verlässliche Kinderbetreuung ermöglichen“, stellt Bettina Schwing klar.

Ganz gleich, wie ihr persönliches Wahlergebnis und das ihrer Partei am 9. Oktober ausfällt – feiern möchte die Landtagskandidatin auf jeden Fall. „Wir haben uns für Rotenburg entschieden, weil das in der Mitte des Wahlkreises liegt“, sagt die Fischerhuderin, die sich künftig vermehrt politisch engagieren will, unter anderem in den Landesarbeitsgruppen und im lokalen Umfeld.

Nach dem Wahlkampf möchte sie die Arbeit in ihrem Verein fortsetzen sowie ihren Hobbys Reiten, Gartenarbeit, Joggen und Lesen nachgehen. Frühzeitig will sie ihren Fokus auf den Landtagswahlkampf 2027 richten. „Bis dahin habe ich auch jemanden, der sich um meinen Social-Media-Bereich kümmert“, verspricht Schwing.

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