VonAnke Seidelschließen
Die humanitäre Lage im Sudan ist katastrophal. Eine Initiative im Landkreis Diepholz will helfen und sammelt Spenden.
Syke/Sulingen – Katastrophale Zustände im Sudan zeigen die Fotos von Mahmoud Difiallah: Menschen, die auf eine Portion Reis oder einen Eimer Trinkwasser warten. Kinder, die quälenden Hunger leiden. Verletzte, für die es keine medizinische Versorgung gibt. Das ist Alltag der Flüchtlinge, die im seit eineinhalb Jahren tobenden Bürgerkrieg nur ihr nacktes Leben retten konnten. „Es wird immer schlimmer“, sagt Mahmoud Difiallah leise. Der Altenpflegehelfer aus Sulingen will den Flüchtlingen im Sudan unbedingt helfen – mit Unterstützung von Johannes Kaluza aus Syke. Um Menschen im Sudan mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen, sammeln sie Spenden. Außerdem ist ein gemeinnütziger Verein in Gründung.
2023 schon 10.000 Euro gesammelt
Schon im vergangenen Jahr hatten Mahmoud Difiallah, Johannes Kaluza sowie Hassan Abdelrahman Spenden für die notleidenden Flüchtlinge im Sudan gesammelt. Dabei waren – auch durch Spendenläufe und ähnliche Aktionen – insgesamt 10 000 Euro zusammen gekommen. Auch wenn die Spendensammler sehr dankbar für diese Unterstützung sind: Die Summe ist ein Tropfen auf dem heißen Stein angesichts der Not in Mahmoud Difiallahs Heimatland.
Platz eins auf der Emergency-List
Als größte humanitäre Katastrophe der Welt bezeichnen die Vereinten Nationen die Lage im Sudan. Das bestätigt die Hilfsorganisation International Rescue Comittee (IRC) – und spricht gleichzeitig von der größten Vertreibungskrise weltweit. Von den 48,1 Millionen Sudanesen sind demnach durch den brutalen Krieg zwischen der sudanesischen Armee und der Miliz Rapid Support Forces (RSF) rund 14,6 Millionen Menschen in die Flucht getrieben worden. Weil Beobachter davon ausgehen, dass sich die humanitäre Lage drastisch verschlechtert, hat die IRC den Sudan erneut auf Platz eins der Emergency Watch List gesetzt – die Beobachtungsliste von Krisenstaaten.
Seit 2003 leiden die Menschen im Sudan unter bewaffneten Auseinandersetzungen. Der 36-jährige Mahmoud Difiallah ist im Krieg aufgewachsen und musste miterleben, wie sein Vater erschossen wurde.
Krankenpflege-Studium nicht anerkannt
Seit 2015 lebt der 36-Jährige, der im Sudan Krankenpflege studiert hat, in Deutschland. Seit sechs Jahren arbeitet er als Altenpflegehelfer, denn sein sudanesischer Studienabschluss wird in Deutschland nicht anerkannt. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern (vier und zwei Jahre) hat sich der Familienvater ein neues Leben aufgebaut. In den Sudan möchte er nicht zurück, er hat die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt.
Angst vor Bombenangriffen
Seinem Heimatland ist er weiter eng verbunden. Das Leid der Menschen im Sudan stimmt ihn tieftraurig. Denn selbst im Flüchtlingslager können sie sich ihres Lebens nicht sicher sein. Der 36-Jährige berichtet von Bombenangriffen mit Drohnen, bei denen immer wieder Menschen sterben. Sein Schwager sei getötet worden und eine ehemalige Nachbarsfamilie mit fünf Kindern. Hilfsorganisationen machen die RSF verantwortlich.
Mit den Spenden aus dem vergangenen Jahr hatten die Sudan-Helfer aus Sulingen und Syke drei „Gesundheitstage“ im Flüchtlingscamp Adre finanziert. 700 Menschen waren kostenlos behandelt und mit Medikamenten versorgt worden. Außerdem erhielten 30 Menschen in einem Erste-Hilfe-Kurs das notwendige Wissen, um Verletzten und Kranken helfen zu können. Vor allem aber wurden die Flüchtlinge mit Nahrung versorgt: In offenen Küchen bereiteten Helfer Nudeln und Reis zu.
Zehn offene Küchen stehen mittlerweile im Flüchtlingslager Zam-Zam. Die Fotos, die Mahmoud Difiallah zeigt, beweisen: In Schlangen warten die Menschen sehnsüchtig auf das Essen. In der Regel gibt es nur eine Mahlzeit am Tag. Um die Flüchtlinge im Sudan weiterhin mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgen zu können, bitten Mahmoud Difiallah und Johannes Kaluza sowie ihre Mitstreiter um Spenden.
Der 36-Jährige hat vor Ort ein Netzwerk mit Helfern aufgebaut. Lieferung und Verwendung der Spenden werden genau dokumentiert.
Um ihrer Hilfe für den Sudan ein „Gesicht“ zu geben, gründen sie gerade den gemeinnützigen Verein mit Sitz in Sulingen. Er soll den Namen Sudanese German Charitable Association tragen. 20 Gründungsmitglieder gibt es bereits, ehemalige Sudanesen aus dem Landkreis, aus Hamburg und Hannover sind darunter. Sieben Mitstreiter arbeiten im Vorstand mit – an der Spitze Mahmoud Difiallah. Sobald die Eintragung ins Vereinsregister erfolgt ist, wollen die Mitglieder mit Veranstaltungen ganz gezielt über die Lage im Sudan informieren. „Es gibt schon ein paar Ideen“, so Johannes Kaluza.
Ein Spendenkonto ist eingerichtet. Wer den Menschen im Sudan helfen will, bekommt per E-Mail (HansKaluza@posteo.de) die Kontodaten.


