VonGuido Menkerschließen
Rotenburg muss bis Ende des Jahres mit weiteren Flüchtlingen rechnen. Problem: Der Campus Unterstedt ist komplett belegt. Deshalb hat die Kreisstadt 90 Wohncontainer bestellt.
Rotenburg – Der Campus in Unterstedt ist voll. Aber allein bis Ende dieses Jahres muss die Stadt Rotenburg noch weitere 70 Flüchtlinge aufnehmen. Wie soll das gehen? Mit dieser Frage beschäftigen sich Bürgermeister Torsten Oestmann sowie Thorsten Schiemann vom Ordnungsamt und Nadine Schumacher aus dem Bauamt schon länger. Jetzt haben sie eine Lösung gefunden, und die Politik hat im Verwaltungsausschuss auch schon grünes Licht gegeben. Die Stadt hat 90 Wohncontainer bestellt, die sie auf dem Rathsmann-Gelände am Glummweg platzieren wird.
„Das Gelände haben wir für zunächst zwölf Monate angemietet“, sagt Nadine Schumacher. Es sei allerdings davon auszugehen, dass es noch länger für die Unterbringung weiterer Flüchtlinge benötigt wird. Platz ist dort reichlich vorhanden – 2,8 Hektar ist das nutzbare Grundstück groß. Da geht noch was.
Bereits übernächste Woche sollen die Container ankommen. Sie bieten den Flüchtlingen alles, was sie brauchen. Betten, Toiletten und Duschen natürlich, Waschbecken und auch Waschmaschinen sowie Küchenzeilen. Die Stadt bekommt die Container voll ausgestattet – und zahlt dafür eine monatliche Miete in Höhe von 50 000 Euro. Bürgermeister Torsten Oestmann macht deutlich: „Wir gehen davon aus, dass 30 Prozent der Kosten bei uns hängen bleiben.“
Wir müssen jetzt groß denken.
Mit der Unterbringung der Flüchtlinge – vor allem aus der Ukraine – sei es nicht getan. Oestmann hält es für zwingend erforderlich, die Menschen ähnlich gut zu betreuen, wie es auch auf dem Campus der Fall ist. Einer Mannschaft dafür gebe es noch nicht, aber es liefen bereits Gespräche. „Die Herausforderung besteht darin, dass jetzt alles sehr schnell gehen muss“, betont der Rathaus-Chef. Immerhin hat die Stadt offenbar schnell genug mit der Container-Bestellung angefangen. Von neun kontaktierten Anbietern waren drei in der Lage, den Bedarf zu decken. „Zwei Tage später – und wir wären leer ausgegangen“, berichtet Nadine Schumacher von den am Ende erfolgreichen Verhandlungen. Der Anbieter war bereit und in der Lage, sofort in die Produktion zu gehen.
Damit ist eine Variante vom Tisch, die in anderen Kommunen angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen im Raum steht: die Unterbringung in Sporthallen. „Das wäre unter dem Strich noch kostenintensiver geworden, der Aufwand dafür zudem ganz erheblich“, so der Bürgermeister. Und: Schulen und Vereine hätten auf eine Halle komplett verzichten müssen – und zwar auf unbestimmte Zeit. Oestmann: „Wir müssen jetzt groß denken, denn keiner weiß, wie es weitergeht.“ Gut also, dass das Rathsmann-Grundstück noch einmal für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung steht.
Nach Beginn der großen Flüchtlingswelle 2015 waren dort im ehemaligen Bürogebäude schon einmal Menschen aus verschiedenen Ländern untergekommen. Außerdem hatte die Stadt mit Mitteln vom Bund in der ehemaligen Kalthalle zusätzlichen Platz für Flüchtlinge hergerichtet – dieser Bereich allerdings ist am Ende nie gebraucht worden. Die Halle wurde abgerissen, eine Bebauung des Grundstückes war vorgesehen. Dazu ist es nicht gekommen – ein Glück für die Stadt Rotenburg. Und am Ende vor allem für die Flüchtlinge, die der Kreisstadt zugewiesen werden.
