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Rat und Verwaltung geben dem Landkreis keine Empfehlung für eine Benennung des Rotenburger Landschaftswarts. Manfred Radtke dürfte es dennoch bleiben.
Rotenburg – Die Stadt Rotenburg wird dem Landkreis keinen Vorschlag für die Benennung eines Landschaftswarts unterbreiten. Mit großer überparteilicher Mehrheit hat sich der Stadtrat am Donnerstagabend in nicht öffentlicher Entscheidung der Verwaltungsvorlage von Bürgermeister Torsten Oestmann angeschlossen. Der hatte sich zuletzt zur Personalie nicht geäußert und hält sich auch jetzt bedeckt. „Die Beziehung zwischen Manfred Radtke und Verwaltung betrifft nur Manfred Radtke und die Verwaltung“, sagte er am Freitagmorgen auf Nachfrage. Personalien würden stets nicht öffentlich behandelt.
Seit 2015 ist der heute 78-Jährige Radtke Landschaftswart der Stadt Rotenburg. Der langjährige Grünen-Politiker würde gerne weitere drei Jahre in dem Ehrenamt dranhängen. Zuletzt hatte es aber in der Kommunikation zwischen ihm und der Verwaltung mächtig geknirscht. Radtke kritisiert nicht nur formale Hürden für ihn in seiner Funktion, um bei städtischen Angelegenheiten mitsprechen zu können, sondern er moniert auch ganz offensiv, dass der Zustand von Natur und Umwelt in der städtischen Planung in den vergangenen Jahren sträflichst vernachlässigt worden sei. „Das muss besser werden“, betont er.
Gespräch zwischen Bürgermeister und Radtke
Am 6. Juni tagt der Umweltausschuss des Kreistags, das Thema Landschaftswarte steht dort auf der Tagesordnung. Am 15. Juni entscheidet der Kreisausschuss über die Benennung. Interessant dürfte sein, wie die vom Rotenburger Eike Holsten (CDU) geführte Mehrheitsgruppe sich dort positioniert. Denn anders als Rotenburger Politik und Verwaltung haben die Umweltverbände Nabu und BUND durchaus von ihrem Vorschlagsrecht Gebrauch gemacht. Ihr Kandidat: Manfred Radtke.
Sowohl Bürgermeister Oestmann als auch Radtke selbst gehen daher davon aus, dass es eine weitere Amtszeit für ihn als Landschaftswart geben wird. Darüber habe man sich auch schon in einem Telefongespräch am Freitagmorgen ausgetauscht, so Oestmann: „Wir werden uns in Ruhe zusammensetzen und uns besser aufstellen als in der Vergangenheit.“ Radtke stimmt dem auf seine Art zu: „Ich werde kein Blatt vor den Mund nehmen.“
Ein Kommentar von Michael Krüger
Unbequeme Themen
Manfred Radtke ist ein unbequemer Typ. Gut so. Denn genau das ist seine Aufgabe als Landschaftswart. Er soll nicht gegen die Stadt arbeiten, wohl aber denen genau auf die Finger schauen, die mit Eingriffen in die Natur möglicherweise etwas falsch machen. Der langjährige Politiker der Grünen auf allen hiesigen Ebenen füllt diese Funktion nahezu ideal aus. Man muss nicht immer einer Meinung sein mit ihm, aber es ist gut, dass es vor Ort noch Leute gibt, die sich für die Sache und die Region in diesem Maße einsetzen. Als Bürgermeister oder Bauamtsleiter kann einem sicherlich manches Mal die Hutschnur platzen, wenn man es mit so einem „Wühler“ zu tun hat. Das ging auch den Vorgängern der aktuellen Amts- und Würdenträger so. Nur: Das gehört eben dazu. Wie übrigens auch die öffentliche Debatte darüber, wer den Posten als Landschaftswart besetzen soll für eine Kommune. Radtke selbst scheut diese nicht, kündigt schon an, weiter „kein Blatt vor den Mund“ nehmen zu wollen. Dass Verwaltung und Politik über die Personalie dennoch lieber im nicht öffentlichen Teil einer Ratssitzung darüber diskutieren wollen, ist vorsichtig formuliert feige. Formal nicht zu beanstanden, aber mit Beigeschmack: Radtke lebt doch vor, dass Klartext die bessere Lösung ist.
