Rotenburg: Schülerprotest gegen AfD-Kandidat bei Podiumsdiskussion

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Rechtsextremismus ist an den BBS unter anderem auf dem Parkplatz sichtbar. Eine Gruppe protestiert gegen den Auftritt des AfD-Bundestagskandidaten Omid Najafi.
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Eine Podiumsdiskussion an einer Rotenburger Schule sorgt für Unruhe. Der Auftritt des AfD-Kandidaten stößt auf Widerstand aus der Schülerschaft.

Rotenburg – Es ist ein klassischer Wahlkampftermin für Direktkandidaten: eine Podiumsdiskussion in einer Schule. An den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rotenburg soll am Dienstagvormittag genau ein solcher Termin stattfinden, die meisten Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis „Rotenburg I – Heidekreis“ sind dabei. Dass auch AfD-Kandidat Omid Najafi teilnehmen soll, stößt in der Schülerschaft allerdings auf Gegenwehr.

250 Schüler der höheren Jahrgänge des Rotenburger Ratsgymnasiums und der BBS sollen den Direktkandidaten aus der Region auf den Zahn zu fühlen. Mit einer Demonstration gegen Najafi und seine Partei möchten mehrere Schüler aus verschiedenen Jahrgängen und Fachbereichen während der Debatte allerdings ein Zeichen setzen. „Wir wollen zeigen, dass Rechtspopulisten hier nicht willkommen sind“, sagt Xenia König, eine der Organisatorinnen der Demonstration. „Wir sind eine ,Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage`, da hat die AfD hier nichts zu suchen“, ergänzt Mitstreiterin Julia Schäfer.

„Wir sind eine Schule mit Menschen von überall her“, so König weiter. Sie würden von der AfD derart unter Generalverdacht gestellt, dass das mit den Werten ihrer Gruppe nicht vereinbar sei. „Wenn diese Menschen an unsere Schule kommen, ist das doch auch eine Chance.“ Dabei scheint die AfD durchaus Sympathisanten in den BBS Rotenburg zu haben. Im Außenbereich hängen einzelne fremdenfeindliche Sticker, auf den Toiletten kleben sie laut den beiden Schülerinnen ebenfalls des Öfteren. Während Schulveranstaltungen und in den Pausen würden sich Mitschüler für die rechtsextreme AfD aussprechen. Das an den Eingängen hängende Motto „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“: Es scheint nicht mehr zu stimmen. Bei den sogenannten Juniorwahlen zur Europawahl im vergangenen Juni machte ein Viertel der teilnehmenden Schüler ihr Kreuz bei der AfD. Auch wenn die Aussagekraft dieser Wahl in Zweifel zu ziehen ist, im Schulleben ist die AfD längst angekommen.

Das bestätigt indirekt auch Iris Rehder, die Schulleiterin des Ratsgymnasiums, das die Diskussion „im Schulterschluss“ mit den BBS organisiert. Die AfD könne über Soziale Netzwerke die Schülerschaft erreichen, ohne dass ihr jemand widerspricht. Umso wichtiger sei es, dass sie sich kritisch mit der Partei auseinandersetzen. „Man kann die AfD nicht totschweigen“ – im Unterricht vor und nach der Podiumsdiskussion und natürlich während dieser selbst. So soll es während der Veranstaltung ein Faktencheck-Team geben, das Statements überprüft, sollte sich der Verdacht einer Falschaussage oder Lüge ergeben.

Neben der Teilnahme Najafis kritisieren Schäfer und König überdies das Format selbst. Es sei eine „Diskussion ohne Diskussion“, wie es König ausdrückt. Fragen aus der Schülerschaft würden zwar gesammelt, allerdings sei ein direktes Eingreifen nicht vorgesehen. „Es ist keine offene Debatte“, stellt König fest. Man bleibe also Zuhörer. „Aber zur Meinungsbildung gehört doch, auch mitreden zu können.“

Laut Rehder beschränkt sich der Protest lediglich auf die Schüler aus den BBS, ihr seien Aktionen gegen die AfD aus ihrer Schule zumindest nicht bekannt. Dass es die Proteste gibt, ist aus ihrer Sicht in Ordnung, solange es die Podiumsdiskussion nicht stört. Das könnte die AfD dazu verleiten, eine Opferrolle einzunehmen. Es sei außerdem unfair gegenüber den anderen Parteien. Ein Punkt, in dem sie sich mit den Demonstrierenden einig ist. „Wir nehmen nur unser Recht wahr, unsere Meinung zu sagen“, so König.

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