- VonTom Gathschließen
Döner werden immer teuer. Ein Rotenburger Gastronom beklagt hohe Steuern und teuren Sprit.
Rotenburg – Ein deutsches Nationalgericht ist in Gefahr: Ein türkischer Lobbyverband hat bei der Europäischen Union beantragt, den Döner als „garantiert traditionelle Spezialität“ zu schützen und einheitliche Regeln für die Herstellung gefordert. Die in Deutschland üblichen Spieße aus Putenfleisch oder Kalbfleisch dürften dann nicht mehr den Namen Döner tragen. Dass der Antrag in dieser Form durchkommt, ist eher unwahrscheinlich, doch eine andere Entwicklung bedroht viele Imbisse, die die in fast allen Milieus beliebte Fleischtasche verkaufen.
Die Preissteigerungen der vergangenen Jahre betrafen überproportional Lebensmittel, was sich insbesondere bei früher verhältnismäßig günstigen Produkten wie dem Döner bemerkbar macht. Auch der Rotenburger Gastronom Onan Dincer, der eigentlich anders heißt, musste mit einem dicken schwarzen Edding an sein Preisschild ran. Sechs Euro kostet ein klassischer Döner bei Dincer aktuell, was im deutschlandweiten Vergleich noch recht günstig ist.
Wie die Böhme-Zeitung schreibt, lag der durchschnittliche Dönerpreis im Januar etwa in Kiel bei 8,83 Euro, in Leipzig bei 8,50 Euro. „7,50 Euro wäre für mich der ideale Preis, mit sechs Euro decke ich gerade mal die Kosten“, sagt Dincer, während er Kohlköpfe über die Gemüsereibe schiebt.
Sehr viel Arbeit für wenig Geld für Döner: „Ich habe die Schnauze voll von Gastronomie“
Und die Kosten könne Dincer damit nur decken, weil er sein Restaurant mit seiner Familie betreibe. „Mit externem Personal würde es gar nicht gehen“, sagt er. Diese Form der Selbstausbeutung ist in der Branche weit verbreitet – viel Arbeit, wenig Gehalt, kaum Einzahlungen in die Sozialkassen. Auch Dincer arbeite weit mehr als acht Stunden täglich. Der sonst gut gelaunt wirkende Dönerverkäufer wird lauter und spricht Klartext: „Ich habe die Schnauze voll von Gastronomie.“
Seine Preise weiter erhöhen möchte er nicht. Einerseits, weil dann noch weniger Kunden kämen als ohnehin schon. Andererseits, weil sein Essen nicht zum Luxus werden solle. „Hier kommen viele arme Leute her, die zu Hause nicht kochen können. Wie sollen die sich das sonst noch leisten?“ Vor diesem Hintergrund könne er nicht verstehen, dass die Umsatzsteuer in Restaurants wieder auf 19 Prozent erhöht wurde. Schließlich verkaufe er Lebensmittel, sagt Dincer sauer und zeigt den imaginierten Politikern den Vogel.
Steuern und Spritpreise belasten Gastronomie – nicht nur beim Döner
„Am schlimmsten ist das Finanzamt. Die wollen Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Einkommenssteuer. Dreimal Steuern vom gleichen Geld!“ Wenn Dincer einen Euro verdiene, blieben ihm aufgrund der Steuern vielleicht noch 20 bis 30 Cent übrig. Das zweite große Problem aus seiner Sicht: Die Spritpreise. Die Spieße bezieht er von einem Hersteller aus Hamburg, der wiederum sein Fleisch in ganz Europa einkauft.
Die stark gestiegenen Transportkosten hätten dazu geführt, dass er nicht mehr, wie vor der Pandemie, drei bis vier Euro für einen Kilo Fleisch zahle. Mittlerweile seien es sieben Euro, was eine deutlich stärkere Steigerung ist als die allgemeine Inflationsrate. „In Kuwait und Dubai ist Sprit billiger als Wasser. Warum sollen wir hier zwei Euro für einen Liter zahlen? Die Politiker sitzen nur rum und verdienen viel Geld, anstatt für günstigeres Benzin zu sorgen.“
Erste Döner-Ketten machen sich breit
Die lange Tradition der in Deutschland rund 18.000 inhabergeführten Dönerimbisse könnte so langsam aussterben. Mittlerweile steigen immer mehr Systemgastronomen mit vielen Filialen in das Geschäft ein. Selbst Aldi verkauft aktuell im Rahmen einer PR-Aktion Döner vor einigen Supermärkten in Süddeutschland.
Auch die integrative Kraft des Essens, das von Jung und Alt, Arm und Reich gleichermaßen geschätzt wird, könnte verloren gehen: In deutschen Großstädten gibt es die ersten Kebab-Restaurants, die Döner mit Spargel oder Trüffel servieren. Der Imbiss für Alle wird so zum Luxusgut für Wenige.