VonMatthias Röhrsschließen
Nach dem Abgang von Alexander Gridin haben die Grünen im Landkreis Rotenburg ein neues Sprecher-Duo. Neben der bisherigen Co-Sprecherin Renate Warren hat nun auch Sven Kielau den Posten inne. Die neue Doppelspitze kommt damit komplett aus dem Nordkreis.
Rotenburg/Gnarrenburg – Renate Warren hat mal wieder einen neuen: Co-Sprecher der Rotenburger Kreis-Grünen ist neben der Gnarrenburgerin fortan auch Sven Kielau aus der Samtgemeinde Geeste-quelle. Kielau ist innerhalb von anderthalb Jahren bereits der Dritte, der zusammen mit Warren die Grünen im Kreisverband Rotenburg anführt. Dabei gehört Warren selbst erst seit zwei Jahren dieser Spitze an.
Das klingt nach Unruhe in der Partei. Doch die beiden Co-Sprecher können über diesen Eindruck nur lächeln. Warrens Wiederwahl geschah turnusgemäß, sie geht jetzt ins dritte Jahr als Sprecherin. Kielaus Vorgänger, Joris Immenhauser aus Sottrum und danach Alexander Gridin aus Rotenburg, hätten ja gute Gründe gehabt, dieses Amt nicht mehr auszuüben. Immenhauser hat sich beruflich nach Bremen orientiert, Gridin nach Berlin.
So sei das eben bei den jungen Leuten. „Wir hatten großes Glück, sie im Vorstand zu haben“, sagt Kielau. Wären sie geblieben, würden sie die Kreis-Grünen auch immer noch führen, ist man sich sicher. Immerhin könnte auf diesem Posten jetzt wieder etwas Ruhe einkehren: Bei Kielau ist eine berufliche Neuorientierung wohl eher ausgeschlossen. Der 55-Jährige arbeitet im Hauptberuf als Archäologe in Austauschprogrammen, ist selbst erst vor acht Jahren in den Landkreis Rotenburg gezogen.
Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten sei es gewesen, so Kielau, die ihn, den ewigen Grünen-Wähler, dazu bewogen hat, selbst eine politisch aktiviere Rolle zu übernehmen. Eine Wahl ist es auch, die jetzt ganz oben auf der Prioritätenliste des Kreisverbandes steht: Voraussichtlich Anfang Juni wählen die Bürger der Europäischen Union ein neues Parlament. Und natürlich möchten die Grünen im Landkreis dabei ein gutes Ergebnis erzielen. Selbst wenn es auf Bundesebene bei der Partei aktuell nicht besonders gut läuft, der Ruf der Grünen ein wenig angeknackst ist. Aber auch hier gelte: keine Unruhe, keine schlechte Stimmung an der Basis. Das versichert Warren zumindest.
Sie und Kielau sind beide verhältnismäßig unbekannt im Südkreis, in der Kreisstadt und umzu. Zwar sitzen sie in Gnarrenburg und Geestequelle beide in den Gemeinde- beziehungsweise Samtgemeinderäten, Plätze im Kreistag blieben ihnen aber bislang verwehrt. Der Listenplatz war bei der letzten Kommunalwahl nicht hoch genug, begründet Kielau. Wenig überraschend sieht er das nicht als Nachteil an, fairerweise muss man auch sagen, dass beide zu dem Zeitpunkt noch keine so herausgehobene Position in Kreisverband hatten wie jetzt.
An der Bekanntheit werden die beiden Co-Sprecher in den kommenden Monaten ändern, kündigen sie an. Im Süden brauche man sich keine Sorgen machen. „Es ist ein Zufall, dass wir beide aus dem Norden kommen.“ Warren verweist auf Zeiten, wo beide Sprecher aus dem Süden kamen. Das habe auch funktioniert. Der jetzige Vorstand möchte alle Ortsvereine und -gruppen im Landkreis besuchen. Die Marschroute heißt „Wachstum“. Warren: „Wir haben als Grüne überall eine starke Basis.“
Insbesondere gilt das für das Kernthema der Partei, den Klimaschutz. Das Ziel der Kreisgrünen ist es, in jeder Kommune ein Klimaschutzmanagement zu installieren und dass es überall entsprechende Konzepte gibt. Zudem sollen sie nicht nur für die Kommunen und Verwaltungen da sein, sondern auch die Bürger stärker mitnehmen.
Die beiden verbliebenen, kleinen Ortsgruppen sollen bald schon zu -vereinen werden. Und alle Ortsverbände sollen in Zukunft noch stärker zusammenarbeiten. Dazu gehört der Austausch untereinander, das Wissen, was in den anderen Kommunen abgeht und wie dort Probleme gelöst wurden. Denn von den Erfahrungen könnten natürlich auch andere profitieren. „Es ist immer was zu tun“, sagt Renate Warren. „Wir müssen die Best-Practice-Beispiele sammeln und die Zusammenarbeit stärken. Und das auch nach Hannover und Berlin mitgeben.“
