Ein Experte für Künstliche Intelligenz (KI) war Gast bei der Generalversammlung der Heidesand. Er nahm die Zuhörer auf eine unterhaltsame Reise in die Welt der KI mit, die auch in der Landwirtschaft eine wichtige Rolle spielen wird.
Rotenburg – Das Thema ist Künstliche Intelligenz (KI) und der Einstieg offenbart ein deutsches Dilemma: Im Dorfgemeinschaftshaus in Westerholz gibt es keine Internetverbindung. Der Referent Achim Scheuß verzichtet daher auf eine spontane Livedemonstration über die Leistungsfähigkeit der heutigen KI-Programme. Der Experte der GWS (Gesellschaft für Warenwirtschaftssystem) aus Münster war Gast der Generalversammlung der Raiffeisengenossenschaft Heidesand. Deren Geschäftsführer Klaus-Dieter Masselink betont: „KI wird aus der Landwirtschaft nicht wegzudenken sein.“
Scheuß nimmt die Zuhörer aber erst einmal auf eine unterhaltsame Reise mit. Er demonstriert keine KI-Lösungen für den Stall von morgen, sondern machte neugierig. Indem er etwa der bekanntesten KI, nämlich ChatGPT, die Aufgabe stellt, eine Geschichte im Käpt‘n-Blaubär-Stil über einen Pinguin zu schreiben, der zum Mond fliegt. „Spielkram, aber es funktioniert hervorragend.“ Wer für Kind oder Enkel eine Gute-Nacht-Geschichte benötige, die es in keinem Verlag zu kaufen gebe, könne durchaus die KI nutzen, so Scheuß.
Der Experte macht spielerisch weiter. Indem er etwa die KI ein Foto erstellen lässt, wie sie sich eine weihnachtliche Versammlung einer Genossenschaft in Norddeutschland vorstellt. Bei diesem KI-generierten „Kunstwerk“ hat der Münsteraner die Lacher auf seiner Seite – lauter skurrile Gestalten, die sich deutlich von den „echten“ Besuchern der Generalversammlung abhoben. „KI lässt sich nutzen, um neue Inhalte und neue Bilder zu erzeugen“, so Scheuß.
Das sagt ChatGPT zur Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland
Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland aus? Diese Frage hat die Redaktion ChatGPT gestellt. Die Antwort im Wortlaut mit einigen Kürzungen:
„Es ist schwer, die Zukunft der Landwirtschaft genau vorherzusagen, da sie von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, darunter technologische Entwicklungen, Umweltauswirkungen, politische Entscheidungen und gesellschaftliche Veränderungen. Dennoch lassen sich einige Trends und Entwicklungen identifizieren.
Digitalisierung und Technologisierung: Die Landwirtschaft wird zunehmend digitalisiert und technologisiert. Der Einsatz von Smart-Farming-Technologien, Drohnen, Sensoren und anderen Hightech-Lösungen kann dazu beitragen, Effizienz und Produktivität zu steigern. Dies könnte zu einer nachhaltigeren und ressourceneffizienteren Landwirtschaft führen.
Nachhaltigkeit und Umweltschutz: Die Gesellschaft wird immer sensibler für Umweltfragen, einschließlich des Umweltauswirkungen der Landwirtschaft. Es wird erwartet, dass die Landwirte vermehrt auf nachhaltige Praktiken setzen, um Umweltauswirkungen zu minimieren, beispielsweise durch Einsatz umweltfreundlicherer Anbaumethoden und den Einsatz erneuerbarer Energien.
Klimawandelanpassung: Der Klimawandel stellt eine Herausforderung dar. Es ist wahrscheinlich, dass Landwirte sich vermehrt auf klimaangepasste Anbaumethoden und -sorten konzentrieren werden, um den Auswirkungen von Extremwetterereignissen und veränderten Klimabedingungen entgegenzuwirken.
Gesellschaftliche Anforderungen: Verbraucher zeigen ein wachsendes Interesse an nachhaltig produzierten Lebensmitteln. Dies könnte dazu führen, dass Landwirte verstärkt auf ökologische Praktiken setzen, um den steigenden Anforderungen an Lebensmittelsicherheit und Umweltverträglichkeit gerecht zu werden. Die Zukunft der Landwirtschaft wird eine Kombination aus technologischem Fortschritt, Umweltschutz, gesellschaftlichen Erwartungen und politischen Maßnahmen sein.“
Nur richtige Fragen bringen bei KI den Erfolg
Wer KI richtig nutzen wolle, der müsse allerdings beachten, dass der maschinellen Intelligenz die richtigen Fragen gestellt werden. „Nur bei einer guten Frage gibt es auch eine gute Antwort“, sagt Scheuß. Prompt Engineering nennt sich das und ist ein neuer Berufszweig, der im Windschatten des KI-Hypes entstanden ist.
„Der Einfluss von KI wird weiter steigen“, betont der Experte. Mit dem Start von ChatGPT vor ziemlich genau einem Jahr sei die KI von einem Nischenthema in den Fokus der breiten Öffentlichkeit gerückt. Bei der Generalversammlung gehen einige Hände in die Höhe, als er fragt, wer privat schon mit dieser KI zu tun hatte. Bei seiner nächsten Frage, ob die KI schon Einzug in den Job gehalten habe, sind es kaum noch Hände, die nach oben gehen. Dabei nutze vermutlich fast jeder im Saal bereits KI. Etwa bei Assistenzsystemen im Auto oder dem Entsperren des Handys mit Iris-Erkennung. Ob bewusst oder nicht – jeder sei schon jetzt mit KI konfrontiert. „Glauben Sie, dass standardisierte Kundenanschreiben heute ohne diese Technik auskommen?“, fragt Scheuß. Um gleich auf den einen großen Vorteil der neuen Technologie hinzuweisen: Zeitersparnis. Zeitraubende Dinge könne die KI viel schneller und effektiver erledigen.
Es fährt auch niemand mit dem Rad nach Mallorca. Wir steigen in den Flieger.
Ein weiteres Beispiel: Durch KI und Bilderkennung könne die Prüfung der Warenqualität deutlich vereinfacht werden. Oder, auch das wäre etwas, was die Heidesand nutzen könne, die KI hilft, aufgrund von vorliegenden Daten, Fragen für Bewerbungsgespräche zu formulieren.
Heidesand-Geschäftsführer Klaus-Dieter Masselink hatte den Referenten eingeladen. Er ist überzeugt: „Die KI wird Einzug in die Landwirtschaft halten.“ Das reiche von der Überwachung der Tiergesundheit in den Ställen bis hin zum Pflanzenschutz. Es werde möglich sein, auf dem Acker viel gezielter vorzugehen. „Das spart 70 Prozent an Pflanzenschutzmitteln ein“, sagt Masselink. Der konventionell wirtschaftende Landwirt werde damit beinahe zum Biobauern. „Ich sehe diesen technischen Fortschritt positiv.“ Er zieht einen Vergleich zu Reisemobilität: „Wir würden auch in den Flieger steigen, um nach Mallorca zu kommen. Da nimmt keiner das Fahrrad.“
