Leerstände schwächen Verdens City

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Blickfang bleibt: Inhaberin Iris Tellermann muss immer wieder gegen Gerüchte ankämpfen. Sie wünscht sich mehr Engagement von der Stadt.
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Verden – Verden ist schön, aber nicht überall. Dort, wo sich Leerstände aneinanderreihen und sich niemand mehr kümmert, breitet sich schmuddelige Trostlosigkeit aus. Nicht schön für die Anrainer, die außerdem befürchten müssen, dass Verdens Innenstadt weiter an Attraktivität verliert und die Kunden lieber gleich ins nächstliegende Einkaufszentrum fahren – Parkplatz inklusive. Alternativ bleibt ja noch das bequeme Einkaufen von zu Hause aus. Ein Trend, der sich seit Corona mehr durchgesetzt hat und bei jungen Konsumenten schon vorher selbstverständlich war.

Leerstände schwächen die Innenstadt, das problematisiert auch Harald Nienaber, Vorsitzender des kaufmännischen Vereins, will aber nicht gelten lassen, dass immer nur die Umstände wie Corona oder die großen Anbieter im Internet schuld sind. „Manchmal sind es eben auch einfach Fehler im Management, die gemacht werden.“ Aus seiner Sicht hat Verden nach wie vor viel zu bieten und er spricht von den Top Ten im Bereich der Fußgängerzone, die vieles richtig machen und Menschen zum Einkaufen in die Stadt locken.

Viele von ihnen haben den Weg zu den Geschäften, die aktuell schließen, aber nicht gefunden. Das bedauert Silke Wolff, die ihr Geschäft „Verwöhnt Hunde“ schließt. Letzter Verkaufstag wird am 22. Juli sein, danach geht es für sie an anderer Stelle aber weiter. „Zwei Jahre und zwei Monate haben wir durchgehalten. Am Anfang lief es relativ gut, doch dann ging der Umsatz immer weiter zurück.“ Schade findet sie das, denn sie hatte bei der Planung ihrer Selbstständigkeit mit einer Hundeboutique die Reiterstadt Verden für den richtigen Standort gehalten. Was sie merkwürdig findet: „Das Kundenverhalten war überhaupt nicht einzuschätzen und wenig planbar.“ Letztendlich habe sie attraktive Geschäfte in der Nachbarschaft vermisst, die wie sie das Besondere anbieten und versuchen, jeden Kundenwunsch zu erfüllen. „Ich habe zum Beispiel Hunde-Schwimmwesten und -leinen aufgetrieben, die man im Internet nur schwer findet und die eine ganz besondere Qualität haben.“

Ein paar Schritte weiter ist bereits seit einiger Zeit die Tür verschlossen. Das Friseurgeschäft „Trend Hair“ weiß auch nicht, ob es in Verden weitergehen wird. In diesem Falle fehle es einfach an Personal, war in einer anderen Filiale zu hören.

Der Weg Richtung Süderstadt führt vorbei an dem leer stehenden ehemaligen Postgebäude und bei Gerry Weber muss „alles raus“. Die Firma ist seit Längerem in Schieflage geraten, hat inzwischen auch für die Filialnetz-Tochter Insolvenz angemeldet. Das Geschäft schließt.

Dabei bleibt es aktuell aber nicht. Zu wenig Umsatz ist der Grund für die Schließung von Street Shoes an der Ecke Herrlichkeit. Nachbar Schuhmann bleibt und erweitert sein Sortiment um Schuhe für Kleinkinder. Wieder zur Vermietung wird die ehemalige Filiale der Brotkate auf Immobilienportalen angeboten. Vorübergehend gab es hier italienische, dann indische Spezialitäten.

Der nächste Ausverkauf steht bei „hairstores“ an. Das Geschäft für alles, was man zur Haarpflege braucht, war Ostern 2018 nach einem Brand in der Nachbarschaft von der Norder- in die Süderstadt gezogen und sei hier, vor allem auch wegen Corona, nicht wieder so richtig in Schwung gekommen, heißt es im Laden.

Nicht mehr lange, dann ist bei Heike und Paule endgültig Schluss, noch in diesem Monat schließt sich die Tür des Spielzeugladens für immer. Schon länger geschlossen ist die Filiale des Reisebüros Dr. Tigges. Auf Nachfrage in Bremen heißt es, dass es keine Wiedereröffnung geben werde.

Aber eine bleibt. Iris Tellermann hat weder vor, ihr Blumengeschäft aufzugeben noch umzuziehen. „Dieses Gerücht gibt es immer wieder mal und ich bin froh, allen mal sagen zu können, das da nichts dran ist.“

Tellermann findet Verden schön, hat aber viel zu kritisieren. Für das Problem Parken müsse endlich eine Lösung gefunden werden. Zum Beispiel durch ein Parkleitsystem. Außerdem brauche es ein Stadtmarketing, das sich um Veranstaltungen und Aktionen kümmert. „Die Geschäftsinhaber und die Kunden fühlen sich nicht mitgenommen.“

Da muss dann wohl „Verden hat’s“ einspringen, und tut das auch. Harald Nienaber führt etliche Aktionen der Kaufmannschaft auf, die Kunden an die Stadt binden. „Die Verdener lieben doch ihre Innenstadt, manchmal bekommt man ja nicht einmal einen Platz im Restaurant, überall ist es voll. Wir haben eine volle Fußgängerzone bei den verkaufoffnen Sonntagen, beim Matjesfest, beim Autosonntag und bieten seit Jahrzehnten erfolgreich die Weihnachtsgewinnwochen an.“

Werbung macht er auch für den „Verden hat’s-Gutschein“, der dafür sorge, dass das verschenkte Geld in Verden wieder ausgegeben werde. Kritisch beurteilt er die Parksituation und die Debatte um Fahrradstraßen, die für den Vorschlag gesorgt hätten, per Shuttle in die Innenstadt zu kommen. Das habe ihn sehr amüsiert. Ärgerlich findet er den Zustand des Parkhauses. „Es ist doch lange bekannt, dass es marode ist. Warum passiert dann nichts?“

Den Geschäftsleuten rät er, jeden Tag innovativ und kreativ zu sein, um attraktiv zu bleiben. Und an die Eigentümern vieler Immobilien in der Fußgängerzone appelliert er, ihre Häuser nicht verrotten zu lassen.

In Schieflage geraten: Gerry Weber schließt für immer.
Silke Wolff verwöhnt weiterhin Hunde, aber nicht mehr in ihrem Ladengeschäft. Ende Juli ist Schluss.
Tristesse vor historischer Kulisse: Richtung Dom macht die Fußgängerzone einen erbärmlichen Eindruck.
Personalmangel: Wiedereröffnung ungewiss.

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