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Autos verursachen eine Menge CO₂. Ein Konsortium will CO₂-neurales Benzin auf den Markt bringen. Die Anlage steht in Steyerberg.
Steyerberg/Hoya – Die Firma Lühmann aus Hoya betreibt im norddeutschen Raum die Classic-Tankstellen. Seit dem Frühjahr gibt es dort den Dieselkraftstoff DK25 an den Tankstellen. Laut Tankstellenbetreiber wird der synthetische Kraftstoff bis zu 33 Prozent aus biologischen Rest- und Abfallstoffen wie benutztem Pflanzenfett hergestellt. Er könne technisch gesehen von allen Dieselfahrzeugen getankt werden. Der Kraftstoff sei mit herkömmlichen Diesel mischbar, habe die gleichen Kälteeigenschaften und den identischen Verbrauch. Seine ökologischen Vorteile machten ihn zu einer Alternative für umweltbewusstes Fahren, wirbt das Unternehmen.
Nun will die Firma Lühmann zusammen mit weiteren Partnern E-Fuels für Benziner an den Tankstellen anbieten. Der Zusammenschluss firmiert unter eFuel GmbH. Dieser Zusammenschluss mittelständischer Firmen hat ein großes Ziel. Sie wollen ab Ende 2026/Anfang 2027 mehr als 70 Millionen Liter synthetischer Kraftstoffe pro Jahr herstellen. Diese Menge entspricht in etwa dem durchschnittlichen Verbrauch von 100.000 Autos pro Jahr. Zuerst hatte das Nachrichtenmagazin Spiegel online berichtet.
Statt Benzin: Fabrik für E-Fuels mitten in Niedersachsen
Die Produktionsstätte soll in einem ehemaligen Chemiewerk von Oxxynova in Steyerberg (Landkreis Nienburg/Weser) entstehen. Seit Ende 2022 wird dort nicht mehr produziert. Bis zur Schließung war es der einzige Hersteller des Polyester-Vorprodukts DMT. „Durch die bisherige Nutzung als Chemieanlage, sind Teile der benötigten Infrastruktur bereits vorhanden“, schreibt Pressesprecherin Anika Beyer auf Anfrage von kreiszeitung.de. Wenn die Produktion läuft, soll der neue Kraftstoff an den „überregional an Tankstellen, insbesondere aus dem Mittelstand verkauft werden“, heißt es weiter. Was ein Liter kosten wird, steht noch nicht fest.
E-Fuels gelten als CO₂-neutraler Ersatz für klassisches Benzin aus Mineralöl. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte dafür auf EU-Ebene eine Ausnahme ausgehandelt, damit Neuwagen ab 2035 emissionsfrei auch mit E-Fuels betankt werden können. An Tankstellen ist der Benzin-Ersatz bisher nicht erhältlich. Produziert wird der Kraftstoff derzeit nur in kleinen Forschungsanlagen wie in Freiberg in Sachsen, um den Einsatz zu testen.
E-Fuels können mithilfe von erneuerbarem Strom aus Wasserstoff und CO₂ hergestellt werden, sodass im besten Fall das aus dem Auspuff quellende Treibhausgas zuvor aus der Atmosphäre entnommen wurde. Noch wäre der Benzinersatz nicht zulassungsfähig. Entsprechende EU-Gesetze sollen dies ab Frühjahr 2024 ermöglichen.
Anders als Wasserstoff entspricht der synthetische Kraftstoff in seiner Zusammensetzung weitgehend dem klassischen Benzin. Er kann daher in normalen Verbrennungsmotoren eingesetzt werden. Hergestellt wird der synthetische Kraftstoff mithilfe von grünem Strom aus Wasserstoff und CO₂, wobei große Mengen von Strom benötigt werden. Kritiker werfen dem Benzin-Ersatz eine geringe Energieeffizienz und zu hohe Produktionskosten vor.
Auf Anfrage von kreiszeitung.de heißt es dazu: „Die energiereichen Vorprodukte wie eMethanol, die in Steyerberg zu synthetischen Kraftstoffen weiterverarbeitet werden, stammen aus Ländern, in denen Wind- und Sonnenenergie ausreichend zur Verfügung stehen. Es besteht damit keine Konkurrenz zur inländischen Nutzung von grünem Strom.“ Mit Material der dpa.
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