Rekordverdächtige Schiefe

Schräger als der Schiefe Turm von Pisa: Einer der schiefsten Türme der Welt steht in Niedersachsen

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In Niedersachsen gibt es einen schiefen Turm, der sein Pendant in Pisa in den Schatten stellt. Eine zeitlang besaß er sogar den Weltrekord-Titel.

Suurhusen – Wenn man an schiefe Türme denkt, landet man unweigerlich beim Schiefen Turm von Pisa. Das Wahrzeichen der Stadt in der Toskana ist wohl das bekannteste geneigte Gebäude der Welt. Doch es gibt noch schiefere Türme. Zwei davon befinden sich in Deutschland, einer in Niedersachsen.

Der schiefe Turm von Suurhusen weist eine Neigung von 5,19 Grad auf.

Genauer gesagt in Ostfriesland. Im Ortsteil Suurhusen der gut 7000 Einwohner zählenden Gemeinde Hinte im Landkreis Aurich steht ein Kirchturm, der es 2007 ins Guiness-Buch der Rekorde schaffte. Seitdem wird er darin als Rekordhalter für unabsichtlich schiefe Gebäude geführt. Einen Rekord hält auch ein Flohmarkt im rund 60 Kilometer entfernten Elisabethfehn.

Turm im niedersächsischen Suurhusen galt viele Jahre als schiefster Turm der Welt

Der Kirchturm in Suurhusen weist eine Neigung von 5,19 Grad auf. Damit übertrifft er sogar die Campanile von Pisa. Diese beträgt nur 3,97 Grad – allerdings nach baulichen Maßnahmen. Bis die Sanierungsarbeiten zur Sicherung um das Jahr 1990 begannen, war der Turm um 5,5 Grad geneigt.

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Schloss Lichtenstein in Baden-Württemberg.
Schloss Neuschwanstein im Allgäu zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Doch wie wäre es stattdessen mit einem Besuch von Schloss Lichtenstein in Baden-Württemberg? Es ist zwar deutlich kleiner als die Attraktion in Bayern, aber mindestens genauso schön und weniger überlaufen. Das Schloss gilt auch als „Märchenschloss Württembergs“ und wurde auf den Grundmauern einer alten Ritterburg errichtet. © imago
Eiskapelle am Fuß der Watzmann-Ostwand in Berchtesgaden.
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Eine Sehenswürdigkeit im Schwarzwald, die Sie womöglich noch nicht kennen, ist der Baumwipfelpfad. Auf einer Länge von 1,2 Kilometern kann die Gebirgsregion aus einer ganz anderen Perspektive bestaunt werden. Zudem können die Wälder und Täler einer Höhe von 40 Meter von einem Aussichtsturm betrachtet werden. Das Highlight: Eine 55 Meter lange Tunnelrutsche führt Besucherinnen und Besucher wieder zurück zum Ausgang. Zudem ist der Baumwipfelpfad barrierefrei. © Kuhnle/imago
Die Hängeseilbrücke Geierlay in Rheinland-Pfalz.
Einen atemberaubenden Ausblick können Sie von der Geierlay-Brücke über einem Mosel-Seitental bei Mörsdorf im Hunsrück erleben. Die Hängeseilbrücke hat eine Länge von 360 Metern und hängt an 40 Millimeter starken Tragseilen. Wer nicht ganz schwindelfrei ist, kann sich am Geländer festhalten. Zudem bietet es sich an, den Besuch der Sehenswürdigkeit mit einer Wanderung zu verbinden. Denn: Die Brücke ist Teil eines 5,5 Kilometer langen Rundwanderwegs. © Thomas Frey/dpa
„Tiger & Turtle - Magic Mountain“ in Duisburg.
Das Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen besticht zwar vor allem durch seine Industrielandschaft, hat aber auch darüber hinaus noch einiges zu bieten. Darunter befindet sich etwa die begehbare Skulptur „Tiger & Turtle – Magic Mountain“ in Duisburg. Der Eintritt zum Kunstwerk in Form einer Achterbahn ist kostenlos. Besonders eindrucksvoll ist der Anblick in der Dämmerung oder bei Dunkelheit – dann erhellen 880 LEDs die Nacht. Bei gutem Wetter kann man sogar bis Düsseldorf schauen. © IMAGO/Jochen Tack
Die Bruchhauser Steine im Hochsauerlandkreis.
Durch das Hochsauerland in NRW schlängelt sich der Rothaarsteig. Der Wanderweg führt auch an den Bruchhauser Steinen vorbei. Lediglich einer der vier Felsen ist der Öffentlichkeit zugänglich und kann über eine in Stein gearbeitete Treppe bestiegen werden. Zudem bietet das Kulturdenkmal einen Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen, darunter Moose und Flechten sowie der Wanderfalke, der lange vom Aussterben bedroht war. © Jochen Tack/imago
Schloss Braunfels in Hessen.
Eine mystische Atmosphäre erwartet Besucherinnen und Besucher dagegen auf Schloss Braunfels im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis. Seit über 800 Jahren befindet sich das Kulturdenkmal in Familienbesitz. Da die Familie noch immer in dem Schloss wohnt, kann es nur mit einer Führung besichtigt werden. Darüber hinaus gibt es auch kulturelle Angebote, wie ein Sommer-Open-Air im Schlosshof. Rund 25 Kilometer nordwestlich befindet sich eine weitere Sehenswürdigkeit: der märchenhafte Leyenbach-Wasserfall. © Volker Preusser/imago
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Wer einen Ausflug in die Unterwelt wagen möchte, ist in der Iberger Tropfsteinhöhle im Harz (Niedersachsen) richtig. Die Höhle bietet nicht nur Schutz an regnerischen Tagen, sondern auch Abkühlung im Sommer. Mit einer konstanten Temperatur von acht Grad wird es hier richtig frisch. Besucherinnen und Besucher können in der Tropfsteinhöhle nicht nur ein bron­ze­zeit­li­ches Höh­len­grab besichtigen, sondern auch ein 385 Mil­lio­nen Jah­re al­tes Ko­ral­len­riff aus der Süd­see. Ein Besuch in der Höhle lässt sich zudem mit Wanderungen im Süd­harz kombinieren. © Holger Hollemann/dpa
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In Sachsen gibt es nicht nur die beliebte Sächsische Schweiz mit bizarren Felsformen. Besucherinnen und Besucher können im Naturpark Zittauer Gebirge ebenfalls außergewöhnliche Sandsteinfelsen bestaunen. Ob Kulturangebote mit historischen Kirchen und Museen oder ein Wanderausflug mit der Familie – hier dürfte für jede und jeden etwas dabei sein. Wer sportlicher unterwegs sein möchte, sollte die Kletterwege mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden ausprobieren. Auch das tschechische Lausitzer Gebirge ist für einen Urlaub nicht weit. © Sylvio Dittrich/imago
Der Gespensterwald in Nienhagen (Mecklenburg-Vorpommern)
In Mecklenburg-Vorpommern befindet sich der „Gespensterwald Nienhagen“. Diese Sehenswürdigkeit ist Teil des Wald­gebietes Nienhäger Holz und sorgt angesichts der bizarren Formen der Bäume für eine mystische Stimmung, besonders bei Wind und Nebel. In dem Naturschutzgebiet stehen 90 bis 170 Jahre alte Eichen, Buchen, Hainbuchen und Eschen. Zwischen den Bäumen wachsen kaum Sträucher oder Gräser.  © Erhard Nerger/imago

Die alte Kirche in Suurhusen ist in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet worden. Als Fundament dienten riesige Eichenstämme, die im Grundwasser standen. Einen Turm gab es zunächst nicht. Dieser wurde erst 1450 angebaut. Dazu musste das Schiff der Kirche um rund ein Viertel der Länge gekürzt werden.

Weltrekord-Auszeichnung geht 2022 nach Gau-Weinheim in Rheinland-Pfalz

Der Suurhuser Kirchturm ist 27,37 Meter hoch. Am Dachfirst beträgt der Überhang 2,47 Meter, andere Quellen nennen 2,43 Meter. Ein Absacken wurde erstmals 1885 bemerkt, 1925 wurde der Überhang auf 1,13 Meter beziffert. Bis 1996 vergrößerte sich dieser kontinuierlich auf das bis heute geltende Maß.

Der Kirchturm in Suurhusen ist geneigter als der Schiefe Turm von Pisa.

Als Grund für die zunehmende Neigung wird ein Absinken des Grundwasserspiegels genannt. In der Folge verrotteten die Eichenstämme und konnten das Gewicht des Turms nicht mehr halten. In den 1970er Jahren stand die Kirche wegen Geldmangels vor dem Aus. 1982 begannen doch noch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen. Im Oktober 1985 folgte nach zehnjähriger Schließung die feierliche Wiedereröffnung.

Oberkirche in Bad Frankenhausen hat größten Überhang aller deutschen Türme

Im September 2022 verlor der Turm in Suurhusen seinen Rekordtitel. Denn anderswo in Deutschland steht ein Gebäude, das sich sogar um exakt 5,4277 Grad neigt. Diesen Wert ermittelte das Rekord-Institut für Deutschland, das deutsche Pendant der Guinness World Records Limited, für den Turm neben der Kirche in Gau-Weinheim. Die 600-Einwohner-Gemeinde liegt im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz.

Der Turm von Gau-Weinheim in Rheinland-Pfalz gilt laut dem Rekord-Institut für Deutschland als „schiefster Turm der Welt“.

In Deutschland stehen noch weitere rekordverdächtige Türme. Ebenfalls in Rheinland-Pfalz befindet sich der Schiefe Turm von Dausenau mit einer Neigung von 5,22. Der Wert ist jedoch nicht von der Guinness-Buch-Redaktion anerkannt worden. Die Begründung: bei dem Turm handele es sich um eine Ruine. Eindeutig ist der Titel für Deutschlands höchsten Leuchtturm.

In Bad Frankenhausen im thüringischen Kyffhäuserkreis findet sich eine Kirche, die mit 4,6 Metern den größten Überhang aller deutschen Türme besitzt. Aus der Senkrechten geneigt ist der 56 Meter hohe Turm der Oberkirche um 4,93 Grad. Wussten Sie, dass auch die älteste Tageszeitung der Welt aus Niedersachsen kommt? (mt)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Pond5 Images

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