VonRonald Kleeschließen
Marburger Bund ruft Ärztinnen und Ärzte zur Arbeitsniederlegung auf. Notfallversorgung gesichert. Auch Kritik an Forderungen.
Verden – Ein kräftiges Plus auf der Gehaltsabrechnung und bessere Arbeitsbedingungen. Mit diesen Forderungen verhandelt der Marburger Bund mit den Arbeitgebern der 40 kommunalen Kliniken in Niedersachsen. Mit einem Warnstreik sollte am Freitag deutlich werden, wie ernst es die Gewerkschaft der angestellten Mediziner meint. Auch die beiden Häuser der Aller-Weser-Klinik waren diesmal vom Ausstand betroffen. Die Assistenzärztinnen und -ärzte seien geschlossen dem Streik beigetreten, meldet die Klinik. Geschäftsführerin Marianne Baehr allerdings hält nicht viel von der Entscheidung: „Falsches Signal zur falschen Zeit“, sagt sie.
„Wir rufen unsere Mitglieder jetzt schon zum Warm-up auf“, so Hans Martin Wollenberg, Erster Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen. Warm-Up, weil die Mitglieder zugleich in diesen Tagen, vom 2. bis 16. Dezember, zur Urabstimmung über einen unbefristeten Streik aufgerufen sind.
Keine Transparente und Trillerpfeifen in Verden und Achim
Ein „stiller Streik“ solle es werden, hatte der Landesverband angekündigt. Keine Transparente also, keine Demonstrationszüge und Trillerpfeifen. Der Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte hatte geplant, dass die ärztlichen Kräfte einfach ihrem Arbeitsplatz fernbleiben. Kein Warm-„Laufen“ also, aber bevor ein unbefristeter Ausstand nötig erscheint, sollte der ganztägige Warnstreik deutlich machen, dass die Mitglieder hinter den Forderungen stehen.
Notfallversorgung ist selbstverständlich gewährleistet
In Verden jedenfalls ist der Streikaufruf angekommen. Der Marburger Bund meldete am Freitag, dass beide Häuser der Aller-Weser-Klinik betroffen sind. Und die Pressesprecherin der AWK, Sarah von Larcher, bestätigte die Beteiligung aller Assistenzärztinnen und -ärzte. „Eine Notfallversorgung ist selbstverständlich gewährleistet, damit auch während der Bemühungen um bessere Arbeitsbedingungen weder Patienten oder Patientinnen gefährdet werden, noch die Arbeitsbelastungen der Kolleginnen und Kollegen zu hoch sind“, teilte sie auf Nachfrage der Verdener Aller-Zeitung mit.
Die angesprochene Notfall- bereitschaft ist der speziellen Verantwortung der stationären Gesundheitsversorgung entsprechend auch im Fall eines Streikes Routine. Der Marburger Bund hatte das bereits angekündigt: „Um die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten dennoch zu gewährleisten, wird die Ärztegewerkschaft nach Bedarf Notdienstvereinbarungen mit den einzelnen Krankenhäusern schließen.“
Ärztlicher Direktor der Aller-Weser-Klinik hält dagegen
In fünf Verhandlungsrunden, so teilt der Marburger Bund mit, habe er vergeblich versucht, die Verhandlungsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) zu überzeugen. Er fordert unter anderem eine lineare Gehaltserhöhung von 8,5 Prozent bezogen auf ein Jahr, eine Verbesserung der Vergütung für Ruf- und Bereitschaftsdienste sowie eine Reform der Schicht- und Wechselschichtarbeit, um den Belastungen im Arbeitsalltag besser begegnen zu können. Für die Aller-Weser-Klinik hält der Ärztliche Direktor, Dr. Peter Ahrens dagegen: „Es hat noch nie so geordnete Arbeitszeitmodelle gegeben wie heute. Zudem wird jede Arbeitsminute erfasst. Mehrarbeit oder Überstunden werden finanziell oder durch Freizeit ausgeglichen.“
Kritik an Arbeitsbedingungen
„Die Ärztinnen und Ärzte an den kommunalen Kliniken leisten jeden Tag mit vollem Einsatz ihr Bestes, doch ihre Arbeitsbedingungen spiegeln diese Leistung nicht wider“, sagt dagegen Andreas Hammerschmidt, stellvertretender Vorsitzender des Marburger Bunds in Niedersachsen. „Die Unzufriedenheit wächst – und das zu Recht. Wir fordern faire Bedingungen, die der hohen Verantwortung und Belastung im ärztlichen Alltag gerecht werden.“ Zuletzt hatten die Arbeitgeber im November ein Angebot unterbreitet. Aber das sei inakzeptabel gewesen, berichtet Hammerschmidt. Die Große Tarifkommission hatte daraufhin die Urabstimmung zu „umfangreichen Arbeitskampfmaßnahmen der Ärztinnen und Ärzte im Sinne eines Vollstreiks“ im neuen Jahr in Gang gesetzt.
