Vielfalt im Kleinsten: Heike Bischoff schließt nach 16 Jahren ihr Geschäft „Fachwerk“ an der Verdener Straße

+
„Ich entdecke immer so schöne Sachen und vergesse manchmal, dass der Laden so klein ist“, erklärt Heike Bischoff. In dem kleinen Laden im Eingangsbereich des Fachwerkhauses steht, hängt und liegt überall etwas.
  • schließen

Achim – Seit 16 Jahren ist das Geschäft „Fachwerk – besonders schenken“ an der Verdener Straße in Baden für viele Achimerinnen und Achimer, aber auch für Kundinnen aus der Region, eine beliebte Anlaufstelle, wenn sie ein exklusives Präsent suchen. Ob Feinkost, Schmuck, Handtaschen, Deko oder Mützen – auf kleinstem Raum bietet Inhaberin Heike Bischoff eine große Auswahl an Produkten, wegen ihrer persönlichen Vorliebe vielfach in skandinavischem Design.

Sämtliche Regale und auch die Decke und Wände sind pickepackevoll mit kleinen Kostbarkeiten: Überall steht, liegt oder hängt etwas. „Wer zum ersten Mal bei mir ist, den erschlägt das womöglich ein wenig – aber meine Stammkundinnen wissen genau, wo sie etwas finden“, betont Heike Bischoff, die sich kürzlich mit einer emotionalen Videobotschaft an ihre Follower bei Instagram gewandt hat.

Auf ihrem Profil „@fachwerk_achim“ verkündete sie das Aus des Ladengeschäfts am 14. November. „Wir schließen dann schweren Herzens und ziehen komplett um in den Onlineshop, den ich während der Coronazeit nebenbei eröffnet habe“, erklärt die 58-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Das Geschäft zu schließen, falle ihr unglaublich schwer: „Das hier ist mein Baby, ich stecke seit der Eröffnung jeden Tag sehr viel Herzblut hinein.“

Das Fachwerkhaus mit markantem roten Schriftzug und der Hausnummer 65 an der Verdener Straße kennen viele Achimer auch wegen des historischen Baumbestands – und dieser ist nun nach eigenem Bekunden der Hauptgrund dafür, dass sich das Ehepaar Bischoff im Sommer dazu durchgerungen hat, das Anwesen zu verkaufen und den Laden aufzugeben. „Wir sind inzwischen in einem Alter, in dem wir das Grundstück allein nicht mehr bewirtschaften können und unsere Kinder sind inzwischen aus dem Haus. Die fünf riesigen Bäume machen sehr viel Arbeit und die Stadt Achim hat es uns leider nicht ermöglicht, zumindest die große Eiche mitten auf dem Hof zu entfernen, weil der Baumbestand ,ortsprägend‘ sei. Das hat mich sehr enttäuscht und zu dieser Entscheidung gezwungen“, sagt Heike Bischoff.

Einige Zeit, nachdem die gelernte Schauwerbegestalterin 1998 mit ihrem Ehemann in das historische Bauernhaus von 1895 gezogen war, kam sie auf die Idee, etwas Eigenes aufbauen zu wollen. „Mir war es wichtig, Beruf und Familie besser miteinander zu verbinden“, betont die Geschäftsinhaberin.

Sie erkannte das Potenzial, das in dem Eingangsbereich des ehemaligen Bauernhauses steckte. „Einige meiner Freunde hatten sich darüber gewundert, wie ich auf die Idee kommen kann, in einem Hausflur einen Laden zu eröffnen“, erinnert sich Heike Bischoff und lacht. Sie ließ sich davon nicht abhalten, entfernte Dielenschrank, Garderobe und Schuhregal – dann ging es los.

In den ersten Jahren unterstützte sie noch ihre Mutter: „Sie war erst Baby- und später dann Ladensitterin“, erklärt Heike Bischoff, die sich über eine wachsende Anzahl Stammkundinnen freut. Eine von ihnen, die dieses Mal eigentlich nur schnell ein paar Haargummis kaufen wollte, steht kurz darauf zusätzlich mit einer Teekanne und einem Teller an der Kasse. „Die sind einfach zu schön, um sie hier zu lassen“, findet sie. Dass das „Fachwerk“ schließt, bedauert sie nach eigenen Worten sehr: „Es ist schon so etwas wie eine Institution in dieser Stadt. Ich komme immer gerne her.“ Währenddessen packt Heike Bischoff den Einkauf in eine rote Papiertüte mit weißen Punkten – ein Markenzeichen des Geschäfts.

Die Tage des Geschäfts „Fachwerk – besonders schenken“ sind gezählt. Am Dienstag, 14. November, öffnet Heike Bischoff zum letzten Mal.

Die Geschäftsfrau hatte zur Eröffnung zunächst nur mit einer kleinen Auswahl angefangen, inzwischen präsentiert sie ihre Waren auch im Außenbereich, im und um das Gartenhäuschen und unter einem Pavillon. „Ich entdecke immer so schöne Sachen und vergesse manchmal, dass der Laden so klein ist“, erklärt sie. Auf der Suche nach besonderen Stücken besuche sie regelmäßig Messen in Hamburg, Frankfurt und in den Niederlande sowie besuche Kunsthandwerkermärkte. „Vieles von dem, was ich anbiete, gibt es in der Region sonst gar nicht“, hebt Heike Bischoff hervor und zählt Produkte von Marken wie Eulenschnitt (unter anderem Gläser und Geschirr), Tücher von Zwillingherz sowie Tassen und Drucke von Edition Gute Geister aus Hamburg auf.

Das „Fachwerk“ sei immer mehr als nur ein Geschäft gewesen: „Ich habe hier mit den Kundinnen gelacht und geweint. Eine Frau, die an Krebs erkrankt war, hat hier bei mir ihre erste Mütze gekauft“, berichtet Heike Bischoff.

Möglichst viel von diesem persönlichen Kontakt will sie in ihrem Online-Shop unter www.fachwerk-achim.net erhalten. „Ich werde weiterhin unter der bekannten Telefonnummer 04202 / 50 46 50 erreichbar sein. Und ich werde den Kundinnen weiterhin Produkte zur Auswahl mitgeben und vermutlich auch einen Bringservice anbieten“, so Heike Bischoff.

Bis zum letzten Verkaufstag am Dienstag, 14. November, ist der Laden wie gewohnt montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 12 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr geöffnet, außerdem samstags von 10 bis 13 Uhr. „Bis dahin gibt es Rabatte. Am letzten Tag schenke ich Sekt aus, den brauche ich dann. Mir graut es davor und ich hoffe, dass viele Kundinnen kommen, um mich zu unterstützen.

Kommentare