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Markus Meyer ist Bäcker der Bäckerei Brüne-Meyer. Seit vergangenem Jahr läuft seine Produktion auf Gas. Das treibt dem Brinkumer Sorgenfalten ins Gesicht, da ein Mangel an Brennstoff seine Produktion gefährden könnte. Und nicht nur das: Auch die Preissteigerungen in sämtlichen Bereichen machen ihm zu schaffen.
Stuhr – Russland schickt wieder Gas über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1. „Doch wie lange geht das gut, und reicht es am Ende?“, fragt sich Markus Meyer von der Bäckerei Brüne-Meyer. Er macht sich viele Gedanken und betont, dass er ebenso wie andere Bäckereien auf Gaslieferungen dringend angewiesen sei, denn nur mit Gas werden alle seine Öfen beheizt. Eine Gas-Knappheit und einen dadurch möglichen Produktionsausfall mag er sich nicht vorstellen: „Wenn Bäcker nicht backen, ist die Grundversorgung gestört.“
Markus Meyer hatte vor einem Jahr den Energieträger für seine Öfen gewechselt. Er wollte Ressourcen und Kosten sparen, sagt er. Der Brinkumer hofft daher, dass die Gasversorgung uneingeschränkt weiterläuft. „Was soll ich sonst machen?“, fragt er. Einen „Plan B“ habe er nämlich nicht, sagt er.
Markus Meyer holt aus: Er habe seine Bäckerei erst im vergangenen Jahr von Öl auf Gas umgestellt. Wenn also das Gas einmal fehlen sollte, käme das für ihn einer Katastrophe gleich. Dann wäre die gesamte Produktion für seine Hauptstelle in Brinkum aber auch für seine Filialen in Brinkum, Groß Mackenstedt, Leeste und Kirchweyhe gefährdet.
22.000 Kubikmeter Gas pro Jahr
Seinen Gasverbrauch kann er auf einem Extra-Zähler ablesen: Im zurückliegenden Backjahr, das sind für Markus Meyer 360 Tage, haben seine Öfen rund 22.000 Kubikmeter Gas verbraucht. Das bedeutet, dass im Schnitt ein „normaler“ Arbeitstag rund 60 Kubikmeter Gas benötigt.
Doch nicht nur die Gasknappheit oder der mögliche Ausfall bereitet Meyer Sorgen, auch die steigenden Bezugskosten für die Energie. Das sei eine weitere Erschwernis. „Die Rohstoffe sind teurer geworden – durch die Bank weg“, sagt er. Und ergänzt: „Das betrifft die Wurst zum Auflegen der Brötchen oder die Sonnenblumenkerne.“
Häufige Preissteigerungen
Er bekomme jede Woche die Nachricht von Preissteigerungen. Und das betrifft insbesondere seinen wichtigsten Rohstoff: Mehl. Der Brinkumer Unternehmer schließe langfristige Lieferverträge ab und musste kürzlich einen Anschlussvertrag für nächstes Jahr vereinbaren. „Gegenüber dem Jahr 2021 bezahle ich für das Weizenmehl dann 60 Prozent mehr. Der Weizen kommt zwar aus Deutschland, genauer gesagt aus Brandenburg, aber der Weltmarktpreis treibt den Bezugspreis für das Mehl nach oben“, so Markus Meyer. Die Region um Bremen sei kein klassisches Weizenanbaugebiet. „Hier wird traditionell Futtergerste und Roggen angebaut und geerntet. Die Böden hier seien für Weizen nicht so geeignet“, sagt Meyer. Detaillierte Angaben könne er nicht machen, weil er kein Landwirt sei. Sein Mehl kauft er nach wie vor von einer regionalen Mühle in Bremen. Die nächste sei in Rheine, sagt er.
Wie reagiert der Brinkumer Unternehmer auf steigende Bezugspreise von Zutaten und auf die Energiekrise? „Wir haben bereits alle Einsparpotenziale ausgeschöpft“, so Meyer. „Ich wüsste nicht, wo man ansetzen sollte.“
Zu Sparmaßnahmen gezwungen
Was er alles gemacht hat, neben einer effizienteren Befeuerung seiner Öfen um Kosten zu sparen? „Ich habe zum Beispiel einen Brotkalender eingeführt. Wir sind ein Handwerksbetrieb und können nicht mit Großbäckereien konkurrieren. Wir wollen dennoch den Kunden eine geschmackliche Vielfalt bieten“, sagt er. Seine Lösung: „Wir backen nicht an jedem Tag alles. Die schlankere Produktion verringere den Aufwand. „So konnte ich Arbeitszeiten einsparen.“ Ein beabsichtigter Nebeneffekt: Die Außenstellen seines Bäckereibetriebs hätten erheblich weniger Backwaren zurückgeschickt.
Gib es einen Rat an die Bürger – sollten sie jetzt Brote kaufen und einfrieren? „Nein“, lautet seine Antwort. „Das bringt nix, denn das Einfrieren kostet Energie. Und das Brot wird durchs Einfrieren nicht besser.“
Es gibt Bäckereien, die von einer möglichen Gasknappheit nicht betroffen sind. Eine ist zum Beispiel das Backhaus auf dem Areal von Ikea und Marktkauf. Bäcker Volker Löffel deutet auf seine beiden Öfen: Der erzeuge die Hitze durch Elektrizität, der andere funktioniere mit Holz.


