Planungsausschuss diskutiert über von SPD angeregte weitere Unterführung

Brücke statt zweitem Tunnel am Bahnhof?

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Ein zweiter Tunnel im Bereich des Achimer Bahnhofs könnte über eine Rampe auch den Mittelbahnsteig anbinden. skizze: stadt
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Achim – Anders als ursprünglich vorgesehen soll es westlich der Lerchenstraße und südlich der Straße Auf dem Born keine weiteren Wohnbauten geben. Einstimmig kassierte der Ratsausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Klimaschutz in seiner jüngsten Sitzung das alte Konzept ein und beschloss eine Neuaufstellung für den Teilbereich B des Bebauungsplans „Lieken-Quartier“.

Denn die Stadt will nun, wie berichtet, auf dem früheren Videothek-Gelände und angrenzenden Flächen, die inzwischen in ihrem Besitz sind, eine Grundschule bauen. Die gewerblichen Nutzungen im Umfeld sollen „weiterentwickelt“ werden und die Grünbrache im Rücken „als Puffer zu den Krähenbäumen“ dienen.

„Über den Bau der Schule zu entscheiden, bevor die Machbarkeitsstudie dazu da ist, das geht doch gar nicht“, kritisierte Sven Adamietz. Das von den Grünen benannte externe Mitglied im Ausschuss, das zwar Rede-, aber kein Stimmrecht hat, verwies vor allem auf die noch „ungeklärten Kosten“ für das Vorhaben.

Am jetzigen, beengten Standort der Paulsbergschule sei der vom Bund von 2026 an vorgeschriebene Ganztagsbetrieb nicht möglich, entgegnete Steffen Zorn, Leiter des Fachbereichs für Bauen und Stadtentwicklung. Und ein anderes geeignetes Grundstück stehe der Stadt nicht zur Verfügung.

Mit Blick auf das für den neuen Schulstandort und umzu von der SPD vorgeschlagene Energieversorgungskonzept mit Erdwärme warnte Hans Baum (FDP) vor eventuell im Boden schlummernden Altlasten. Denn in dem Gebiet habe es ja früher eine Hausmülldeponie gegeben.

Die auf den „angrenzenden Arealen“ mögliche Gefahr werde untersucht, versicherte Fachbereichsleiter Zorn. „Außerdem hat die Stadt in dem Gebiet zur Sicherheit große Grünflächen erworben.“

Auch Michael Schröter (Grüne) sah den SPD-Antrag kritisch. „Für ein Kaltwärmesystem in der Nähe von Altlasten tief in der Erde zu bohren, halte ich für hochproblematisch“, äußerte er und schlug stattdessen vor, für die Energieversorgung von „Lieken B“ das Blockheizkraftwerk an der Friedrichstraße zu erweitern.

Kontrovers diskutierte der Ausschuss darüber hinaus die Anregung der SPD, im Bereich des Achimer Bahnhofs eine weitere Querung des Gleisstrangs zu schaffen. Wie berichtet, schwebt den Sozialdemokraten vor, in Höhe des großen Pendlerparkplatzes und der Stadtwerke eine zweite Unterführung zu bauen. Denn der vorhandene Tunnel und die Brücke über die Embser Landstraße seien angesichts des künftigen Lieken-Quartiers samt neuer Kita und Schule unzureichend. Und auch der neue Zentrale Omnibusbahnhof entstehe ja nördlich des Bahnhofs.

„Durch die neue Schule wird es mehr Schülerverkehr über die Bahnstrecke hinweg geben“, bekräftigte Petra Geisler (SPD) in der Sitzung. Und die bestehende Unterführung verfüge über keinen behindertengerechten Fahrstuhl.

Unter dem Strich sehe er kein erhöhtes Aufkommen von die Bahnstrecke querenden Schülerinnen und Schülern, da viele jetzt in der umgekehrten Richtung von der Vogelsiedlung zur Paulsbergschule unterwegs seien, erwiderte Volker Wrede (CDU). Auch würden Tunnel erfahrungsgemäß durch Graffiti, Müll und Fäkalien verschmutzt. „Eine Brücke wäre kostengünstiger“, betonte Wrede. „Solch eine Lösung würde die CDU favorisieren.“

Die Grünen seien ebenfalls eher für eine Brücke, sagte Christine Vornholt und nannte die Stichworte „Kosten“, und „Sauberkeit“ sowie das von der Bahn geplante „dritte Gleis“, dem ein Tunnelbauwerk im Wege stehen könnte.

Hans Baum (FDP) sprach von „vielen Unwägbarkeiten“ bei dem Projekt. „Ich würde kurzfristig davon abraten, einen Tunnel zu bauen.“

Die Stadtverwaltung indes begrüßt das Vorhaben „grundsätzlich“. Dieses umzusetzen wäre allerdings „sehr umfangreich und aufwändig“. Dafür habe die Stadt Achim „derzeit keine Ressourcen“, auch stünden im Haushalt für diesen Zweck keine Mittel bereit. Des Weiteren sei die Kommune „weder auf der Nord- noch auf der Südseite des Achimer Bahnhofs Eigentümer aller notwendigen Grundstücke“, heißt es in der von Stefan Schuster, Leiter des Straßen- und Verkehrsmanagements bei der Stadt, erarbeiteten Sitzungsvorlage.

Die Verwaltung wolle die Schaffung einer zusätzlichen Querung aber „als strategisches Ziel für die Weiterentwicklung der nördlichen Innenstadt“ weiter verfolgen. Und auch „bei der Deutschen Bahn schriftlich einfordern und gleichzeitig anbieten, die Planung dafür zu unterstützen sowie eine Fördergeldakquise zu starten“. Dafür müsste der Rat der Stadt Achim dann im Haushalt 2025 / 2026 die notwendigen Planungsgelder zur Verfügung stellen, merkt Schuster an.

„Eine weitere Querungshilfe, egal in welcher Form, würde Verkehrsströme eindämmen und damit dem Klimaschutz dienen“, stellte der Planer im Ausschuss fest. Im Zuge solch eines Projekts wäre auch der Bau einer Rampe zum Mittelbahnsteig möglich, informierte Schuster. Und die Stadt könnte überörtliche Mittel für den Ausbau des Radverkehrs einwerben. „Aber wegen des geplanten drittes Gleises müssen wir das natürlich alles mit der Bahn abklären.“

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