VonFabian Hartmannschließen
Im Bergbaumuseum Rammelsberg kann Geschichte nacherlebt werden. Führungen geben einen tiefen Einblick. Das Bergwerk existiert nämlich bereits seit rund 1000 Jahren.
Goslar – Rund 60 Kilometer südöstlich von Hildesheim entfernt liegt das pittoreske Goslar im Harz. In der gemütlichen Fachwerkstadt lässt es sich für Anwohner gut leben, aber auch Besuchern kann Goslar einiges bieten. So ist nicht nur die Altstadt der rund 50.000 Einwohner zählenden Stadt definitiv einen Besuch wert.
Schließlich war die Altstadt Goslars bereits 1992 von der UNESCO-Kommission zum Welterbe erklärt worden. Damit aber noch längst nicht genug: Im selben Zug erklärte die UNESCO auch das Bergwerk auf dem nahe gelegenen Rammelsberg zum Welterbe. Und das ist für jeden Harz-Besucher ein absolutes Muss.
Ein ganzes Jahrtausend Bergwerk-Geschichte werden im Welterbe Rammelsberg erfahrbar
Bereits seit 1988 ist das Bergwerk auf dem Rammelsberg stillgelegt. Anschließend dauerte es nicht lange, bis das altehrwürdige Werk einen neuen Nutzen fand. Nur wenige Wochen nach dem Ende der vorher dort betriebenen Erzförderung gründete der Stadtrat Goslars nämlich eine Trägergesellschaft für das Haus. Im Oktober 1990 öffnete es schließlich als „Rammelsberger Bergbaumuseum“ seine Pforten für Interessierte, wie blog.rammelsberg.de informiert. 1992 wurde es dann gemeinsam mit der Altstadt Goslar zum UNESCO-Welterbe ausgezeichnet, bevor das Welterbe 2010 schließlich um das Werk der Oberharzer Wasserwirtschaft erweitert wurde.
Ein ganzes Jahrtausend Industriegeschichte lässt sich seitdem im Museum und Besucherbergwerk Rammelsberg, wie es seit jeher heißt, nacherleben. Damit kommt ihm in dieser Hinsicht gar der Status eines Superlativs zu: Die ehemalige Industriestätte auf dem Rammelsberg ist nämlich das weltweit einzige Bergwerk, das somit kontinuierlich seit einem ganzen Jahrtausend in Betrieb ist – wenn auch verschiedenartig genutzt. Denn die Rammelsberger Kupfer-, Blei- und Zinnminen waren ab dem 11. Jahrhundert bis in die 1980er-Jahre in Betrieb und sind als solche ein hervorragendes Zeitdokument des europäischen Bergbaus.
Einstige Kaiserpfalz und bedeutender Ort christlichen Glaubens – all das ist Goslar
Einst war die Abbaustätte auf dem Rammelsberg sogar im globalen Vergleich das größte zusammenhängende Kupfer-, Blei- und Zinkerzlager überhaupt. Die dort abgebauten überaus reichen Bodenschätzen wirkten sich aber auch unmittelbar auf die Entwicklung Goslars aus.
So rückte schon im 10. Jahrhundert das im Rammelsberg enthaltene Silber verstärkt ins Interesse von Kaisern und Königen, weil sich optimal zur Münzherstellung verwenden ließ. Im 11. Jahrhundert erschuf Kaiser Heinrich II. in Goslar außerdem eine Kaiserpfalz, wie die UNESCO auf ihrer Website informiert. Über Jahrhunderte war sie die größte und sicherste Pfalzanlage sächsischer und salischer Kaiser. Bis zum Jahr 1253 war Goslar als Pfalz immer wieder auch Aufenthaltsort für deutsche Kaiser und Könige.
Aufgrund seiner reichhaltigen Metallerz-Vorkommen spielte die Stadt Goslar jedoch auch eine wichtige Rolle im damaligen Handelsverbund der Hanse. Das heute noch erhaltene und geschlossene Altstadtbild Goslars ist vor allem durch seine zahlreichen Gildehäuser geprägt, daneben lassen sich etwa am historischen Rathaus und einigen weiteren Häusern kunstvolle Schnitzarbeiten am ohnehin ästhetisch ansprechenden Fachwerk erkennen. Darüber hinaus wurde Goslar im Laufe der Zeit zu einem bedeutenden Ort christlichen Glaubens. Hiervon zeugen etwa die Türme der insgesamt 47 Kirchen und Kapellen vor Ort, die ein eindrucksvolles Gesamtbild der Stadt zeichnen.
Im Bergbaumuseum Rammelsberg gibt es eine Vielzahl geführter Touren für Besucher
Bei einer der zahlreichen geführten Touren können sich Besucher heutzutage in die weitläufigen Anlagen des altehrwürdigen Bergwerks am Rammelsberg wagen. Zumindest dann, wenn sie sich für eine oder mehrere der elf Tour-Angeboten entschieden haben. Unter anderem kann so dem Weg des im Rammelsberg befindlichen Wassers bei einer Tour durch den Roeder-Stollen nachgespürt werden.
Wer dagegen nachempfinden möchte, wie Bergbau-Beschäftigte im Rammelsberg über viele Jahre hinweg zu ihrem Arbeitsort gelangt sind, kann sich auf eine Fahrt mit der Grubenbahn oder auch mit dem sogenannten Schrägaufzug begeben. Ein Überblick über alle verfügbaren Führungen gibt es auf der Website rammelsberg.de.
Aber auch ansonsten sind so einige Highlights im historisch bedeutenden Bergwerk auf dem Rammelsberg zu finden: Zu den zahlreichen dortigen Bergbaudenkmälern gehören mitunter die Abraumhalden des 10. Jahrhunderts oder der Rathstiefste Stollen aus dem 12. Jahrundert, der laut UNESCO-Website einer der ältesten und am besten erhaltenen Stollen des deutschen Bergbaus überhaupt ist. Aber auch das Feuergezäher Gewölbe aus dem 13. Jahrhundert ist als ältester ausgemauerter Grubenraum Europas ein echtes Highlight für Interessierte. So lässt sich resümieren: Goslar und der benachbarte Harz sind gewiss nicht nur zur Zeit der Walpurgisnacht Ende April allemal einen Ausflug wert.
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